So ein Tag zum Beispiel

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Gestern zum Beispiel. Da war so ein Tag. Da wach ich auf. Voll gerädert, schlecht geschlafen. Verschleimt und richtig fertig. Mein Rücken tut weh, mein Hals tut weh, alles tut weh und ich habe so gar keine Lust auf gar nichts. Muss aber. Weil die Kinder haben Lust auf alles, sie haben Lust auf Frühstück, Lust auf Spielen, Lust auf einen gut gelaunten Daddy, mit dem sie eine gute Zeit verbringen.

Also gebe ich sie erst mal in die Obhut der besten Tagesmutter, die für wenig Geld (ein Zehner pro Monat) zu haben ist – Netflix – und schütte mir zwei Liter Kaffee durch den Munddeckel.

Dann setze ich mich ins Büro, um ein paar kreative Gedanken und Zeilen für das Werbeprojekt zu verfassen, welches asap von mir für sie erledigt werden muss.

Doch mein Hirn ist in einem genauso desolaten Zustand wie mein Körper. Gerädert, verschleimt und fertig. Alle Synapsen sind gerade belegt, versuchen sie es später erneut. Müder Körper, müder Geist, beide setzen sich Schachmatt.

Ich schaue aus dem Fenster. Und erblicke dicke feste Flocken, die entschlossen wie bosnische Malermeister, alles weiß färben, was ihnen vor den Pinsel kommt. Bäume, Dächer, Straßen.

Der Wind orchestriert das reine Meisterwerk nach Belieben und so bleibt mir nichts anderes übrig, als den Stift zur Seite zu legen, die Kinder von der Tagesmutter, sprich, der Couch, abzuholen, sie warm einzupacken und gemeinsam mit ihnen in den Park zu knirschen.

Mit einem Schlitten, den die Große und ich abwechselnd ziehen, während die Kleine sich ziehen lässt. Und dabei Schnee leckt. Mmhh, lecker. Nur bitte nicht den gelben, ja, Schatz?

Im Park kreuzen wir zielstrebig die Wiese, um den Weg zum Schlittenhügel abzukürzen, den wir dann wieder und wieder runtersausen, „Aus der Bahn, Kartoffelschmarrn“ rufend, um die zwei Jungs nicht umzufahren, die mitten in der Bahn eine Sprungschanze bauen, über die wir wieder und wieder fahren, bevor sie überhaupt das „f“ von fertig erreicht. Und das Ganze wieder von vorne. Grüße an den Berliner Flughafen.

Aber die richte ich später aus. Erst baue ich mit der Kleinen einen klitzekleinen Olaf, einen sogenannten Jana-Schneemann, während die Große sich an einem Iglu versucht. Doch der Schnee ist zu pulverig, damit das gelingt.

Es ist aber auch egal, dass das gelingt, denn wir sausen kurz darauf wieder mit dem Schlitten durch den Park, essen Schneeeis und formen Schneeengel auf der Wiese unter dem Basketballkorb am Schlittenhügel im Park, während wir dabei in den vernebelten Himmel blicken, grau in grau, durch und durch, und trotzdem dabei die Sterne dahinter erahnen. Heute, Freunde, ist alles drin.

Plötzlich hell wach, voll da, nix tut mehr weh, der Trübsal Schnee, der Geist ist klar, der Körper auch, beide bereit für eine neue Partie. Für frische Gedanken, neue Ideen. Für alles, was der Tag, das Leben, noch so bringt.

Vor allem für das wohltuende Nickerchen, den effektiven Power Nap, denn ich mir daheim dann gönne, asap, während die Kids von ihrer zweitliebsten Tagesmutter bespaßt werden, ihrem neuen gebrauchten CD-Player, der sie mit einem Hörbuch von ihrer Freundin Conni beglückt – bis auch sie sanft in den Spätnachmittag entschlummern und davon träumen, wie es so war. Gestern zum Beispiel.

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