Der Mormone für die entspannten Momente

Maty Mormon

Neulich meinte meine Liebste zu mir, „Ein guter Mormone wärst du nicht gerade.“ Und sie hat vollkommen Recht mit dieser Aussage. Denn bei den Mormonen ist die Vielehe erlaubt und ich liebe doch nur die Eine.

Schon alleine die Vorstellung, jeden Tag zu einer anderen Frau gehen und seinen ehelichen Pflichten nachgehen zu müssen, erhöht meine Schweißproduktion ums Vielfache. Jeder Frau musst du zuhören, sie ausreden lassen, ihr gut zureden, sie glücklich machen. Das könnte ich nicht.

Dann kommen noch die Kinder, die Schwiegereltern, die Geschwister der Frauen, und alle möglichen Freunde und Bekannten. Jeder fordert einen Teil deines Tages und womöglich auch noch die Nacht. Von den Haustieren will ich erst gar nicht anfangen.

Wenn du endlich der einen Schwiegermutter klar gemacht hast, dass du das zehnte Stück Kuchen wirklich nicht mehr schaffst, drückt dir die zweite Schwiegermutter einen Knödel in den Mund. Die dritte wartet schon hinter dir mit dem Riesenschnitzel. Gott bewahre.

Ich habe eine Frau, eine Tochter und eine Katze. Das reicht mir völlig. Mehr brauche ich nicht für ein zufriedenes Leben. Manchmal fühle ich mich sogar von ihnen überfordert, sehe mein Ich auf der Strecke bleiben. Und der Zug Richtung wir rollt in Hochgeschwindigkeit weiter. Wie schaffen Väter, die zudem noch Vollzeit arbeiten, sich selbst zu bewahren?

Ich, Freunde, brauche Ruhe und Zeit für mich. Ruhe, um mich vom Schlafen auszuruhen. Zeit, um meine Gedanken zu ordnen und auf Papier zu bringen. Und das kann ich auch. Denn meine eine Frau versteht mich und gewährt mir diese Freiheit. Wenn ich ihr etwas Leckeres zum Abendessen mache. Und ich mache das.

Als Mormone hätte ich allerdings keine Chance, meiner Leidenschaft, dem Schreiben nachzugehen. Eine Frau zu finden, die einen auf seinem künstlerischen Weg unterstützt, ist schon schwer genug, aber mehrere?

„Gestern warst du bei Linda und heute willst du Zeit zum Schreiben? Vergiss es. Mach mir Nudeln und komm ins Bett“, sagt Amanda, die zweite Frau.

„Ich habe dich nur zwei Mal die Woche und die zwei Mal will ich dich Ganz haben. Beim heiligen Mormon, schneid jetzt die Hecke und hol das Massageöl“, sagt Claudia, die vierte Frau.

„Von mir aus kannst du machen, was du willst. Aber vorher entstopfst du den Abfluss“, sagt Jacky, die fünfte Frau.

Ich bin überzeugt, kein Mormone hat jemals ein Werk von literarischer Bedeutung verfasst. Keine Ahnung, ob ich das auch jemals schaffen werde. Aber die Chancen stehen deutlich besser mit nur einer Frau an meiner Seite.

Warum versprechen sich Männer so viel durch eine Vielehe und mehrere Frauen an ihrer Seite. Viel entspannter wäre es doch umgekehrt. Eine Frau, mehrere Männer.

Kevin macht den Abfluss, Mark schneidet die Hecke, Jim kocht Carbonara. Und Mate liest seiner Frau neue Geschichten vor und sorgt für die entspannten Momente. Die sexy time. Exklusiv natürlich. Anders wäre mir das dann doch wieder zu mormonisch.

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