Die faulsten Männer der Welt

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In der Gegend, aus der meine Eltern stammen, kommen die faulsten Männer der Welt her: Dalmatien.

Während meine Mutter in meiner Kindheit den ganzen Tag putzte, bügelte und ihrem Mann zu Essen machte, lag ihr Mann, also mein Vater den ganzen Tag unterm Olivenbaum, löste Kreuzworträtsel und spielte am Abend „Balote“ mit seinen Freunden. Als kleiner Junge dachte ich: cool, so geht es mir später auch mal.

Das Problem ist, ich kann kein „Balote“, mag keine Kreuzworträtsel und meine Frau ist eine von diesen emanzipierten modernen Frauen. Arbeit, Haushalt, Freizeit – gleiches Recht für alle lautet bei ihr Motto. Das macht mich fertig. Zumal als Dalmatiner.

Am Anfang war das schon klasse. Da habe ich richtig profitiert von ihrer Einstellung.
Weil deutsche Leistungsgesellschaft und der Chef zu mir:
„Herr Tabula, wie schaut es aus mit Überstunden?“
Und ich so zu ihm:
„Gerne Chef, wenn wir daraus Unterstunden machen.“

In Vertrag stehe, dass Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind. Warum gelte das nicht umgekehrt? Wenn mal nichts los ist, darf man heim. Bei gleichem Lohn. Bezahlte Unterstunde, erklärte ich ihm.

Das Gespräch lief super. Ich durfte heim. Für immer. Doch meine Frau störte das nicht. Sie fing mich auf und ich konnte meinem Vermächtnis nachgehen. Mit ihrer Kreditkarte in der Tasche.
„Hier, Liebster, gönn dir was Schönes und bleib lecker.“

Doch wie Friends, Seinfeld oder Marienhof – jede gute Serie geht einmal zu Ende. Seit der Geburt unserer Tochter will meine überaus fleißige Frau nämlich nicht mehr Vollzeit arbeiten.

„Aber Liebste, überleg doch. Das Büro, die Kollegen, die gesellschaftliche Anerkennung. Was sollen die Leute nur denken? Du kannst doch nicht einfach …“
„Kann ich wohl.“
„Und wie decken wir unsere Kosten?“
„Du gehst wieder arbeiten.“
„Waaaaas?“

Verdammte Olive. Wie soll ich es da meinen Ahnen gleichtun und in die Fußstapfen meines Vaters treten? Meine Frau will jetzt mindestens genauso oft nichts tun wie ich.

Klar, wem ich die Schuld an meiner Misere gebe: Mutter. Durch ihren Fleiß und Gehorsam hat sie mir ein völlig falsches Frauenbild vermittelt. Ich dachte, jede Frau sei wie sie. Als fauler Mann trägst du ihr einfach etwas auf und sie erledigt das. Gut, vielleicht meckert sie ein wenig, ergibt sich aber dann doch ihrem Schicksal. Ganz nach slawischer Tradition eben.

„Der Miroslav ist den ganzen Tag im Wirtshaus und ich mach hier den Haushalt. Was soll ich machen? Wenigstens schlägt er mich nicht.“

Und heute? Da ergeben sich die Miroslavs ihrem Schicksal.
„Was soll ich machen? Die Svetlana geht mindestens genauso gerne wie ich ins Wirtshaus. Wenigstens schlägt sie mich nicht.“

Mit einem Kind im Haushalt können meine Frau und ich jetzt nicht so ohne Weiteres über unsere Zeit verfügen, also haben wir eine Abmachung getroffen. Wer zuerst die Kleine in der früh hört, kümmert sich um sie.

Der andere bekommt frei und darf ins Wirtshaus. Es ist wie das Spiel aus der Kindheit. Wer zuerst blinzelt. Nur, dass wir nebeneinander liegen und so tun, als ob wir noch schlafen würden. Wer zuerst wach wird eben. Manchmal simulieren wir auch Schnarch-Geräusche. Meistens gewinne ich. Das schreibe ich meinen väterlichen Genen zu.

Gestern in der früh hat der Nachbar sturmgeklingelt, da mussten wir unser Spiel unterbrechen und sind zur Wohnungstür.
Er sagte wütend: „Ihr Kind schreit.“
Meine Frau und ich deuteten mit dem Finger auf ihn und sagten: „Sie haben es zuerst gehört.“

Der Nachbar erwies sich als durchaus leistungsfähig. Anscheinend war er es gewohnt, Arbeit zu verrichten, für die er nicht zuständig war. Unbezahlt. Beim Wickeln haben wir ihm natürlich ein wenig geholfen. Wir sind ja keine Unmenschen. Und im Sommer geht es nach Dalmatien. Meiner Mutter wird auch da sein. Das wird bestimmt super entspannt.

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