Teufels Werk & Kindes Beitrag

Unsere große Tochter hat eine Flöte zum Geburtstag bekommen. Eine verdammte Flöte von ihrer verfluchten Tante. Wie sehr muss die ihre Schwester und mich hassen,, dass sie uns so etwas antut. Eine Flöte ist Teufels Werk, um mit Kindes Beitrag die Eltern in die Hölle zu treiben. 

Seit zwei Tagen lebt dieses diabolische Mistholzstück jetzt bei uns, es kommt mir wie eine Ewigkeit im Fegefeuer vor. Meine Tochter legt die Flöte wie Lucifer den Dreizack nicht aus der Hand und bläst unaufhörlich unkontrolliert in sie hinein. Beim Frühstück, Mittag, Abendessen, auf der Couch, im Bad, Bett, vor dem Zähneputzen, nach dem Zähneputzen, vor dem Zubettgehen und dem ersten Hahnkrähen – Didi Düdeli Dü all day long. Seit zwei Tagen brauchen wir keinen Wecker mehr. Und auch keinen Tinnitus. Die Flöte übernimmt beides. 

Jede Musik weckt natürlich Emotionen. Die Klänge, die meine Tochter aus der satanischen Bergahornschnitzerei entlockt, lassen unglaublich starke Gefühle in mir aufkommen. Sie heißen: Aggression und Mordlust. Krass, wie ein bisschen Holz die Macht hat, Ratten zu fangen, Schlangen zu beschwören und Eltern in den Wahnsinn zu treiben. Jahr für Jahr, Generation für Generation machen diese unscheinbaren schrillen Klangmonster unsere Leben ein Stück unglücklicher. Warum setzt Merkel dem kein Ende? 

„Wir haben eine Arbeitsgemeinschaft Flöte“, heißt es jedes Jahr zu Schulbeginn an deutschen Grundschulen, aber eigentlich müsste es heißen:
„Wir haben einen Marterbund Flöte. Möchten auch sie mit dem Untalent ihres Kindes gequält werden?“ 
„Gott bewahre“, habe ich zwei Jahre lang gesagt, 
„Nein, natürlich nicht!“ 
Aber dann hieß es immer:
„Sie lieben wohl ihr Kind nicht? Wollen Sie sie es denn nicht fördern?“

Klar will ich mein Kind fördern, mit Liebe und Verständnis. Aber doch nicht, indem ich es, die Flöte und die Tante, die sie ihm geschenkt hat, gegen die Konzertsaalwand klatschen möchte, wegen dem unseligen Gepfeife, dass mich in die Klapse fördert. 

Statt Flöteninstrument muss es eindeutig Folterinstrument heißen. Und ihre volle Wirkung entfalten diese nervtötenden Waffen bei den jährlich stattfindenden Schulkonzerten, wo die Kinder zeigen, wie gut sie schon das Spiel nicht gelernt haben. Wenn sie dann noch von dem dilettantischen Geigenorchester der Mittelschüler begleitet werden, brennt der Dornbusch. 

Da muss doch eine Lösung her. Das standardmäßige Verschenken von E-Flöten wäre eine. Eine Flöte, mit der das Kind mit Kopfhörern üben und damit den Hausfrieden so wie die Liebe der Eltern wahren kann. Mit Kopfhörern ließen sich auch wunderschöne Aula-Abende veranstalten. Das Flötenspiel des Kindes wird auf Kanal 1 übertragen, den die Eltern mit ihren Kopfhörern empfangen können. Optional läuft auf Kanal 2 richtige Musik.

Da hört man z.B. Common People von Pulp und schaut gleichzeitig gebannt seinem Kind beim Bruder-Jakob- Performen zu. Damit man auch ja nicht verpasst, wenn die Fingerchen nicht mehr auf die Löcher drücken, wenn die Backen nicht mehr mit Luft gefüllt werden, um sie in die Elternhölle zu entleeren, und die Augen dann einen ganz erwartungsvoll anblicken, weil es jetzt Zeit ist für Applaus. Was muss, das muss. Und Lob muss unbedingt. Bravo Kleine, ganz starkes Flötentennis. Und morgen gründest du mit deiner Cousine eine Band, weil die bekommt von mir zu ihrem Geburstag ein Schlagzeug. Aber eines ist klar: Es wird kein elektrisches sein. 

Also ich habe nie Flöte gespielt, wie sieht es mit dir aus? Und wie siehst du das Ganze? Ist Flöte auch für dich das schlimmste Folterinstrument oder kennst du schlimmere? Tell me and take care.

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