Moderne Kommunikation oder ein Daumen-Hoch-Emoji ist alles

Im Lauf der Zeit hat sich Kommunikation zwischen Menschen ganz schön verändert. Früher hatten wir Rauchzeichen, schickten uns gegenseitig Depeschen und Telegramme, warteten Wochen und Monate auf eine Antwort und waren dennoch glücklich mit unserem Dasein. 

Heute gibt es WhatsApp und in nicht mal einer Sekunde landet die Nachricht beim Empfänger, aber wehe, der ist online und liest die Nachricht, aber antwortet nicht gleich – da flippen wir aus. 

Je einfacher die Möglichkeit, mit jemanden zu kommunizieren, desto unbedeutender erscheint sie uns. Vielleicht sollten wir wieder anfangen, Telegramme zu verschicken. 

Früher habe ich mit meinen Freunden stundenlang am Telefon geredet, es gab nichts anderes. Es war das Beste. Es gab das Telefon und uns. Heute gibt es Facebook, Instagram, Tiktok, Threema, Skype, Zoom, Teams, Messenger, aber keine Festnetznummern mehr – zumindest keine, die man noch nutzt. Wir haben tausend Wege erreichbar zu sein, aber niemand erreicht einen mehr. Denn: Keiner mag mehr Dialog, jeder steht auf Monolog. 

Falls man dann doch kommuniziert, heißt es nicht mehr: 
„Hallo Mark, lange nicht mehr gehört“, sondern: „Huhu.“ 
Huhu? Was ist das bitte für eine Begrüßung? So begrüßen sich Uhus im Wald. Huhu. Huhu zurück, kleine gefiederte Freundin. 

Wenn ich früher meinem Freund, mit dem ich stundenlang telefoniert habe, angerufen hätte und als Erstes „Huhu“ gesagt hätte, hätte sein Vater bestimmt nicht gesagt: „Ah, Mate, du willst Johannes sprechen, der ist gerade im Zimmer, warte, ich ruf ihn gleich, Johannes, JOHANNES, Mate ist am Telefon, schwing deinen Arsch an den Hörer.“ Nein, der Vater von Johannes hätte zu mir gesagt:  „Hör mal gut zu, du kleiner Penner, das Huhu kannst du dir sonst wohin stecken, bei den Müller´s wird immer noch anständig gesprochen.“ Ich sehe das genau so: Wenn mir jemand „Huhu“ schreibt, schreibe ich zurück „Fick dich“.

Früher haben wir gelacht oder „Geil“ gesagt, wenn wir etwas witzig oder geil fanden, heute schicken wir uns GIFs und Emojis. Es gibt für alles einen Emoji, und ich verstehe das  – es ist kurz, es ist knapp, es ist geballte Emotion verpackt in süße Bildchen. Ein Emoji eben. Ich nutze schon auch Emojis. 

Mein Liebling ist der Daumen-Hoch-Emoji. Den verwende ich für alles. Huhu, wie geht es dir? Daumen hoch. Huhu, hier sind Bilder von meinen süßen Kindern im Schnee, die dich nicht interessieren? Daumen hoch. Huhu, ich bin´s dein Onkel Huhu aus Kenia, ich will dir Geld schicken, was du von deiner Tante Huha geerbt hast. Daumen hoch. Wie findest du mein Plakat für die Landtagswahl? Daumen hoch. Hallooooo, deine Meinung gefällt mir nicht? Daumen hoch. 

Was ich hingegen nicht mag, sind Emojis in geschäftlicher Kommunikation. 
Huhu, ich hab einen Job für Sie? Zwinkersmiley, LOL.  
Huhu zurück, meinen Sie das jetzt ironisch oder ernst, Sie Arsch? Zwinkersmiley, LOL. 
Wenn dann drei Fragezeichen kommen, schicke ich einen Daumen-Hoch-Emoji hinterher. Denn moderne Kommunikation kann ich. 

Manche verwenden gern Abkürzungen in ihren Nachrichten, um Zeit beim Verfassen zu sparen. „VK“ für Videokonferenz, „asap“ für „so schnell wie möglich“, u.s.w.! Ich frage mich, ob sie da auch die Zeit für Rückfragen einkalkulieren, wenn der Adressat das Kürzel nicht versteht. Was bedeutet „VK“? Was bedeutet „asap“? Was bedeutet „FU“?  

Und was ich gar nicht packe, sind Sprachnachrichten. Vor allem solche, die beginnen mit: „Also ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, es ist schwer zu erklären, wie fasse ich das bloß in Worte.“ Hm, wie wäre es mit vorher denken, bevor du sprichst, du selbstsüchtiger Zeitdieb. Oder am besten gar nicht sprechen und was Anständiges lesen statt mit langweiligen Sprachnachrichten nerven. Hat nicht der weise Prophet Mohammed gesagt: „Wenn das, was du zu sagen hast, nicht in eine kurze Textnachricht passt, solltest du erst gar nicht versuchen, eine Sprachnachricht daraus zu machen.“ Huhu! 

Dann diese ganzen Missverständnisse, die mit moderner Kommunikation entstehen. Gerade ist Homeschooling und letztens habe ich der Lehrerin meiner großen Tochter die Hausaufgaben zum Korrigieren per WhatsApp geschickt. Die hat meine Tochter sehr gelobt. Daraufhin hat die ihr eine Fee, einen Kussmund und ein Herz geschickt – ohne dass sie geschrieben hat, dass es von ihr ist. Was denkt die Lehrerin jetzt? Dass der Papa von Marie sie für eine gute Fee hält, die er gern knutschen möchte, weil er so verliebt in sie ist?

Ich hätte meinen Lehrern niemals Emojis per WhatsApp geschickt, eher Rauchzeichen mit ihrem Auto, dass ich vorher angezündet hätte, weil ich ihren Unterricht so scheiße fand. Aber heute finden sich alle toll und nice und mega, schicken sich empowernde Sprachnachrichten, liken gegenseitig  ihre Selfies und emojin sich ins kommunikationsleere Nirvana.  

Gut, meiner Lateinlehrerin hätte ich vielleicht auch Emojis geschickt, und zwar genau drei. Eine Kettensäge, einen Totenkopf und ein Zwinkersmiley. Wenn sie gefragt hätte, ob das ironisch gemeint ist, hätte ich mit einem „Daumen hoch“ geantwortet und ein „Huhu“ hinterhergeschickt. Dann hätte ich ihren Schreibtisch in drei Stücke zersägt, damit nicht nur „Galia omnia in partes tres divida „ist. Da hätten mich die Mitschüler bestimmt gefeiert für, aber heute würde so eine Aktion wohl niemand mehr liken.

Was liebst du an moderner Kommunikation? Und was so gar nicht? Schreib es mir gerne als Kommentar und verschick mal wieder eine Postkarte.

4 Gedanken zu “Moderne Kommunikation oder ein Daumen-Hoch-Emoji ist alles

  1. Huhu, ich möchte dir nur einmal mitteilen, dass du einen erstklassigen Schreibstil hast. Ich musste mehrmals schmunzeln. 👍

    Das schlimmste an moderner Kommunikation ist für mich, dass ich kaum mehr eine Nachricht abschicken kann, ohne irgendeinen Smiley dahinterzusetzen, weil ich sonst das Gefühl habe, ich würde angepisst wirken. 🤔

    • Huhu zurück 😉
      danke für das Kompliment, kann ich nur zurückgeben mit dem Schreibstil. Habe gerade deinen letzten Beitrag gelesen und er hat mir gut gefallen. Viel Spaß auf deinem weiteren Erkundungsweg in Schweden noch. Ich bin gespannt.

      Und ja, mit einem Smiley hinter der Nachricht lässt sich jede Botschaft relativieren oder ins Gegenteil kehren, so dass man nie Gefahr läuft sich für das Gesagte rechtfertigen zu müssen, weil hey, im Zweife war es nicht so gemeint. 😉🤪🤓

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