Chips & Smoothies

Zur Zeit laufen wahnsinnig viele Menschen an mir vorbei. Sie joggen und regen mich dabei   furchtbar auf. Diese disziplinierten Ärsche, denke ich mir immer. Was denken sie sich bloß mit ihrer modischen Funktionskleidung, ihren gedämpften Stabilitätsschuhen, ihren kabellosen Kopfhörern und ihrem makellosen Laufstil? Womöglich so was wie: 

„Ätschi bätschi, schau mir hinterher, ich hab mein Leben voll im Griff, ich sause durch den Tag, du schlurfst nur hinterher. Schau, wie gesund ich bin, ich werde ewig so laufen und leben, zu Hause mache ich mir einen Smoothie und knabbere ein paar geschrotete Leinsamen, mach ein bisschen Yoga, meditiere zu neuseeländischen Walklängen. Denn ich achte auf mich, weil ich so toll diszipliniert bin. Schau dich mal an, und deinen Bauch, kleines Dickerchen, vielleicht lässt du heute mal die Chipstüte im Schrank.“ Diese Penner! 

Manchmal frage ich mich, ob die Menschen ähnliche Gedanken haben wie ich, wenn sie an mir vorbei joggen. Ob ich sie furchtbar aufrege, wenn sie mich sehen?  Dieser gechillte Arsch, wie er so gemütlich vor sich hin trottet, als ob es keinen Grund zur Eile gäbe, mit seiner bequemen Jogginghose, zweckentfremdet zum Gammeln, seinen puscheligen Pantoffeln, seinen kabelgebunden Kopfhörern und seinem schäpsen Gang. Vielleicht denken sie, dass ich so Sachen denke wie: 

„Ätschi, bätschi, schau mich an, ich versuche erst gar nicht mein Leben in den Griff zu kriegen, weil Sicherheit eine Illusion ist, und wir alle sterben werden. Also genieße ich den Moment, der mir bleibt, und du rennst nur hindurch. Schau, wie lässig ich schlurfe und schlendere, la la la, nachher mache ich mir noch ein Bierchen auf und chill´ mich vor die Glotze. Denn ich bin viel entspannter als du, weil ich mich einfach gehen lasse, du Spargeltarzan, vielleicht holst du heute auch mal die Chipstüte aus dem Schrank.“ 

Tatsächlich glaube ich, haben sich das Jogger wohl nie gedacht, während sie an mir vorbeigelaufen sind. Ich weiß das sogar, weil ich seit einem halben Jahr auch jogge. Deshalb weiß ich, was Jogger denken, wenn sie joggen. Zumindest, weiß ich, was ich denke, wenn ich jogge. Das ist meistens ziemlich wenig. Und das ist ja auch das Schöne daran. 

Wenn ich laufe, denke ich nur an den nächsten Schritt. Ich achte auf meinen Atem und bin voll im Moment. Von Minute zu Minute fühle ich mich meist wohler und lebendiger, freier. Wenn ich Musik höre, tauche ich voll in den Sound ein, und vergesse alles um mich herum. Es zählt nur der Weg, die Bewegung, der Boden, meine Füße und ich. Ich denke weder an Chips oder Smoothies, und schon gar nicht über die Menschen nach, die ich überhole und hinter mir lasse. 

Gut, außer manchmal vielleicht, da denke ich schon: 
„Ihr undisziplinierten Ärsche, kommt mal in die Gänge, kriegt endlich euer Leben in den Griff, es ist doch so einfach. Ihr müsst einfach raus und laufen. Und mit Laufen meine ich auch Gehen. Denn die Geschwindigkeit ist egal, solange man sich bewegt. Und danach wieder eine Runde chillt. Mit Chips und Smoothies. Oder was auch immer einem gerade gut tut.“ Namaste.

Wie sieht es bei dir aus? Welche Kombination aus Yin und Yang oder Anstrengung und Entspannung tut dir gerade gut? Schreib mir, wenn du Lust hast. Aber vor allem, bleib in Bewegung.

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