Keine Angst vor Analverkehr

Die Ärzte haben letzten Freitag ein neues Album veröffentlicht. Ich habe es mir natürlich sofort angehört und Lied für Lied gelächelt. Dabei ist folgender Text entstanden. 

E.V.J.M.F. Kurzweiliger Introsong. Es blinzt und funkt. Hey, Ein Hendyadion. Das wird die Germanisten freuen. Und auch die Germanier, singt die beste Band der Welt zum Warmup. Mich freut das ebenfalls. Als Komparatist und Kromanne. 

Plan B Dies ist mein Leben, es gibt keinen Plan B. Heute mache ich nur Sachen, die ich mag. Und ich denke nicht an morgen, fuck morgen. Ja, fuck morgen, make love with today. Heißt für mich: Das neue Album der Ärzte hören. Hell. Yeah!  

Achtung: Bielefeld Ein Bela Lied. Das lyrische Ich langweilt sich gern, das musste es aber auch erst einmal lernen. Da denke ich gleich an „Planet Punk“ und wie ich in meinem Zimmer sitze und aus dem Fenster starre. Das Gleiche mache ich jetzt auch. 25 years later. Von Langeweile keine Spur. Ich feiere jede Zeile. Lasst uns bitte alle Langweiler werden, dann ist wieder Frieden auf Erden. 

Warum spricht niemand über Gitarristen So dämlich, so blöde, so langweilig und öde, was schreibt er denn für Texte, hey, der hält sich wohl für Goethe. Ja, so geht es mir oft auf Slams mit Texten von anderen –  und den anderen wahrscheinlich mit meinen. Aber hey, texten und texten lassen. Alle reden drüber, was Beyonce morgen trägt, aber niemand spricht über Gitarristen. Deshalb spiele ich seit Mai auch Ukulule. Vielleicht werde ich so ja endlich fame und die Menschen erkennen mich auf der Straße.  

Morgens pauken Du trinkst die Milch deiner Kinder und nennst sie Marie und Jana, als Hommage an Bob Marley und Marihuana. In der früh Mau Mau, abends Miau, Miau, ab ins Bett, ihr kleinen Pupsköpfe und dann ein Bier mit der Frau, bevor sie mir den Po verhaut. Das ist Punk! 

Das Letzte Lied des Sommers Dieser Track ist Westerland 2.0. Farin will Urlaub, sprich, Sonne, Strand und Meer. Stattdessen steckt er im Berufsverkehr. Damit spricht er wohl allen Pendlern und Arbeitern aus der Seele. Ich hingegen fühl mich wie im Sommer und hol mir erstmal ein Brownie Chocolate Eisbecher aus dem Kühlschrank. Zum sofortigen Verzehr. 

Clown aus dem Hospiz Der Clown aus dem Hospiz ist der glückliche Künstler, heißt es. Hier nehmen die Ärzte die falsche Vorstellung auf die Schippe, dass große Kunst nur aus Leid und Unglück, der Einsamkeit des Künstlers entsteht. Man könnte meinen, dass sie das auch so meinen. Aber wenn man auf den fröhlichen Upbeat achtet, so verstehe ich es zumindest, ahnt man, nein, meinen sie nicht. Und sie sind ja der beste Beweis, dass es auch anders geht. Ein glückliches oder unglückliches Leben hat nur bedingt mit der Kunst zu tun, die man schafft. Vielmehr korreliert die investierte Zeit und die Langweile, die man sich für die Kunst nimmt. Dementsprechend mache ich weiter entschieden nichts. Darf ja gerade eh nicht. 

Ich, am Strand Jetzt kommt Gänsehaut auf. Farin besingt ein ganzes Leben. Von Geburt zum Strand zum Abgrund unter der Brücke, inklusive angenähten Ohr, Nasenbeinbruch, 10 Semster BWL und Hartz Vier. Ich denke an mein bisheriges Leben und die vielen Kopfverletzungen, die ich mir bis jetzt zugezogen habe. Aber am Ende erinnere ich mich nicht an das Blut, und die ganzen Notaufnahmen, in denen ich stand, sondern an die schönen Momente, Liebe, Lachen, Kinder, Strand. Dieses Lied geht ins Herz. Und bleibt. 

True Romance Hier geht es vordergründig um die Liebe zwischen dem iphone und einem selbst. Aber eigentlich geht es den Ärzten hier vor allem darum, so viele gute wie schlechte Reime auf Alexa zu finden. Extra, Dreckssa, Texter, Ex klar, Sechs war, Tracks da, H.P. Baxxter und Saitenhexer sind es am Ende. Mir fallen gleich noch Wax-Bar, lecks da und Lex-Star, also ein richtiger guter Jurist, ein. 

Einmal, ein Bier Ein Lied wie ein kühles Bier, zieht man sich gern rein. Ein Lied über einen Mann, der zu einem Bier wird und sich selbst trinkt, geplottet wie ein gut gebrauter Film Noir. Oder ein Bond-Streifen. Bloß nicht geschüttelt, du Penner. Liebesgrüße aus dem Holzfass, Schaumfinger. Mit der Lizenz zum Zapfen, Hopfenfall, Weizen Royal, Man trinkt nur zweimal, Augustiner never dies. Und jetzt Feierabend – Bier! 

Wer verliert, hat schon verloren Über die Arroganz des Siegers, das Zweifeln des Verlierers, gute Ziele und schlechte Methoden – hier steht der Punkrock-Sound im Vordergrund. Und: die Gitarre gewinnt eindeutig. War aber klar, denn verlieren ist für sie auf dem neuen Ärzte-Album einfach keine Option. 

Polyester Eine Schlagerpunk-Ode an Plastik. Blau wie das ALDI-Logo, tanz den Plastikpogo, ein Herz aus Ethylen kann allen widerstehen, wie genial ist das denn? Was 10.000 Jahre währt, das ist doch nicht verkehrt. No, no. Das ist nur lebens- wie hörenswert. 

Fexxo Cigol Über einen heruntergefallenen Lappen und einen umgefallenen Sack Reis. Spacig irgendwie. Die perfekte Mischung aus einem Tom Waits Song und dem Crash Test Dummies One-Hit-Wonder „Mmm Mmm Mmm Mmm“, aber nach wie vor unverwechselbar die Ärzte. Vor allem, weil: Ein Reis Sack allein kann bald schon ein Sack Nudeln sein. 

Liebe gegen Rechts Western-Beat und Elvis-Presley-Schmalz, im besten Sinne der Verbindung, und am Ende wird alles gut. Wegen der Liebe. Grandios: Meine Freundin hieß früher Bernd, so haben wir uns damals kennengelernt, dann hatte sie ihr Coming Out, und vier Tage später war sie meine Braut. Erinnert mich an unsere Katze. Sie hieß früher Paula, dann hatte sie einen Arzttermin und die Ärtzin fand ihren Schniedel. Seitdem heißt unsere Katze Paul. Die Paul.

Alle auf Brille Zuerst hab ich es nicht gecheckt, aber bei der letzten Strophe wurde der Sinn so klar wie die Sicht durch frisch geputzte Brillengläser mit den richtigen Dioptrinwerten. Hier geht es um einen Looser, der seine Frustration an Menschen mit Brille auslässt und sie mit seinen Jungs verprügelt. Dann, in der letzten Strophe, bekommt er selbst eine Brille und wird von seinen Jungs verprügelt. Ironie des Lebens, ich habe zum Schluß gegrölt und mich ein bisschen wie ein Hooligan gefühlt. Dabei aber natürlich meine Brille ausgezogen. Nicht, dass ich auch noch eine drauf kriege. 

Thor Eigentlich müsste das Lied „Chris Hemsworth hat meinen Körper geklaut“ heißen. Oder war es die Schokolade? Also bei mir waren es definitiv die Kinder und die zwei Schwangerschaften meiner Frau. Da habe ich nämlich immer zwei Portionen Essen verputzt, weil meine Frau häufig über der Schüssel hing und sich erbrach, während ich ihren vollen Teller einfach nicht wegräumen konnte. Essen schmeißt man nicht weg. 

Leben vor dem Tod Das Leben ist kurz, das Leben ist schön. Und traurig auch gelegentlich. Eine melodisch melancholische Ballade von Farin. Wenn du gerade niemanden zum Knuddeln hast, beginne eine Liaison mit ihr. Und dem neuen Album der Ärzte. Das gibt dir Halt. Und Wärme. Und definitiv ein sinnvolleres Leben vor dem Tod.  

Woodburger Hier macht das lyrische Ich einen auf Günther Wallraff, tritt undercover in die AFD ein und wird schwul. Superschwul. Eine Metapher, dass er die AFD ficken will. Wobei die Metapher gar nicht versteckt daher kommt, sondern so offen die die menschenverachtende Gesinnung der AFDl-er. Dementsprechend ist es nur folgerichtig, dass das Ich Vaseline in die Hand nehmen will, alle Mitglieder über die Bänke legen und stramm stehen lassen will, während sie Stück für Stück bekehrt werden. Keine Ahnung, wie Schwule dieses Lied finden, mir gefällt es. Es ist ein supersüßer Abschluss eines meisterhaften Ärztealbums.

Kurzum: 17 Songs und ein tolles Intro für Germanisten. Sicher, nicht jedes Lied wird auf Repeat laufen, aber so Bretter wie Plan B, Clown aus dem Hospiz, Ich, am Strand oder Polyester bei mir auf jeden Fall. Hell – zieht es euch rein und keine Angst vor Analverkehr!

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