Streu ein bisschen Pudersand drüber

fullsizerender-22

„Eine Frechheit ist das. Ich wecke meine Töchter genauso in der früh wie meine Frau, wickle sie, fütter sie, zieh sie an, geh mit ihnen raus, geh mit ihnen rein, zieh sie wieder aus, bade sie, föhne Haare, flechte Zöpfe, mache Abendbrot, putze Zähne, lese vor, wiege in den Schlaf, sage gute Nacht, wünsch schöne Träume und wenn ich Stillen könnte, glauben sie mir, ich hab es versucht, aber da kommt einfach kein Tropfen Milch raus, dann würde ich verdammt nochmal auch stillen.

Da sage ich doch auch nicht: All das ist nur für Mütter. Am Arsch für Mütter. Moderne Zeiten formen moderne Männer; so auch mich. Klar würde ich manchmal lieber schreiben und lesen, Bühnentexte üben, witzige Videos drehen, hoch laden, liken lassen und noch viel mehr, aber ich tu es nicht, weil ich mich entschieden habe, ein guter Vater zu sein und man kann sagen, was man will, aber ich bin für meine Kinder wie eine Mutter. Deshalb empfinde ich dieses Plakat hier als Riesensauerei und voll diskriminierend, ey: Plätzchenparty – für Frauen und Mädchen.

So, so – sie wollen also Plätzchen backen, Plätzchen essen, Punsch trinken, Rezepte tauschen, basteln und am Ende gibt es sogar eine Überraschung für Groß und Klein, aber nicht für Papa, was? Weil Papa nämlich nicht eingeladen ist, weil Papa einen Schniedel hat.

Aber wissen sie was, auch Männer backen Plätzchen, essen Plätzchen, tauschen Rezepte, und verflixt, wir basteln, oh sie haben keine Ahnung, was wir alles basteln, und Mann, können wir Punsch trinken, da könnte ich ihnen Geschichten erzählen.

Einmal, da hab ich so viel Punsch getrunken, dass ich mich an jeder Ecke des Christkindlmarktes übergeben musste, so dass am nächsten Tag alle Punschverkäufer meinen Namen kannten.

Aber wissen sie was? Auf ihrer Plätzchenparty wird diese Geschichte niemand zu hören bekommen, weil ich als Mann nicht dabei sein darf. Weil Papa auf ihrer Pätzchenparty persona non grata ist.

Für Glühbirnen reinschrauben, Reifen wechseln, Koffer schleppen, Drinks spendieren und so weiter ist er gut genug, aber bei Plätzchenparties muss er leider draußen bleiben.

Waren sie es nicht, die auf dem Sommerfest zu mir hin ist und gesagt hat: Herr Tabula, wir brauchen einen starken Mann, der die Kaffeetische und Stühle zusammenklappt und ins Lagerhäuschen trägt?

Zuerst hab ich mich links und rechts umgesehen, doch weit und breit kein Starker oder Mann zu finden war, hab ich es getan. Dafür war ich genau richtig, was? Aber für Plätzchenparties bin ich falsch. Weil da dürfen nur Frauen und Mädchen hin.

Wie soll ich das meiner dreijährigen Tochter erklären? Wie erkläre ich ihr jetzt bitte, dass Papa vor der Tür warten muss, während sie drinnen Spaß hat, Punsch schlürft und Rezepte tauscht?

Gut, wahrscheinlich ist es ihr egal, sie schickt mich in letzter Zeit eh immer weg und sagt, dass ich doof bin. Aber mir ist es nicht egal. Ich will da verflucht nochmal dabei sein. Und wissen sie was? ich werde da dabei sein.

Denn falls nicht, werde ich meine eigene kleine „Plätzchenparty“ schmeißen – für Männer und Jungen. Und die wird ihre kühnsten Erwartungen übertreffen.
Wir werden nämlich Plätzchen backen – mit Hasch. Plätzchen Essen – mit Steak als Beilage. Und jede Menge Punsch trinken. Mit Wodka, Rum und Gin. Mann werden wir Punsch trinken und uns besaufen und dann werden wir richtig steil gehen.

Und dann werden wir basteln, oh Baby, werden wir basteln –Holzschleudern für Plätzchen, Armbrüste für Spekulatius und Wurfsterne aus Lebkuchen – wie richtige gottverdammte Ninjas.

Und dann werden wir eure Plätzchen Pussy Private Party crashen, euch mit Vanillekipferl bewerfen und dann unser Recht auf Gleichberechtigung einfordern – Männerquoten auf Plätzchenparties für Frauen und Mädchen.

Und dann werden wir Sachen skandieren wie:
´Unser größter Weihnachtswunsch, noch mehr fucking Weihnachtspunsch´
Oder: Plätzchen backen, Plätzchen kacken, zicke, zacke, zicke, zacke, kack, kack, kack.´

Ich mein, wir werden betrunken sein, da skandiert Mann so einen Mist und…“

„Also gut, Herr Tabula, jetzt beruhigen sie sich. Wenn es ihnen so wichtig ist, dürfen sie auch zur Plätzchenparty für Frauen und Mädchen kommen“, sagt die Spielgruppenleiterin zu mir und ich sage: „Na also, geht doch“.

Dann spüre ich die Schweißperlen auf meiner Stirn einen riesengroßen Flashmob bilden. Fuck! Das wird bestimmt richtig langweilig dort werden. Und ich Depp mach so einen Aufstand, nur für ein kleines bisschen Gleichberechtigung.

Ich sehe jetzt schon die belanglosen Gespräche mit belanglosen Müttern unaufhaltsam wie Zombies auf mich zukommen.
„Mein Lukas, der kann schon bis zehn zählen. Und was kann ihre Tochter?“
„Meine Tochter, also, die, äh, die kann irgendwie noch nichts richtig, außer Quatsch machen, ständig „Warum“ fragen und nicht hören, ja das kann sie.“

Und dann werde ich zu meiner Tochter blicken und die wird mit der Mutter von Josefine Theresa Rezepte tauschen.
„Also Annegret Thalia Kirsten, um einen Sandkuchen zu backen, brauchst du ein Förmchen und Sand. Mit der Schaufel schaufelst du Sand ins Förmchen und drehst es um. Dann streust du noch ein bisschen Pudersand drüber und zack, fertig.“

Und exakt in diesem Moment, als einziger Mann unter Frauen und Mädchen, werde ich stolz grinsen und genau wissen, warum dieser ganze Scheiß es doch wert ist. Frohe Weihnachten allerseits.

Advertisements

2 Gedanken zu “Streu ein bisschen Pudersand drüber

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s