Katastrophe im Kindergarten

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Diese Geschichte hat sich nahezu wirklich so abgespielt – abgesehen natürlich von all den Szenen, die aus dramaturgischen Gründen frei erfunden wurden

Unsere große Tochter ist das beste Kind der Welt – außer sie wird schläfrig. Dann ist sie wie David Hasselhoff in diesem einen Video, als er versucht, sternhagelvoll auf dem Boden liegend einen Burger zu verputzen – voll witzig – für alle Außenstehenden.

Damit unsere Tochter nun nicht schlaftrunken Scheiß baut, braucht sie jeden Tag ihren Mittagschlaf. Fatalerweise wollte uns die Kindergartenleiterin ausgerechnet während dieser Zeit kennenlernen – mit unserer Tochter.

„Aber die ist wirklich unmöglich, wenn sie müde wird – überlegen sie es sich nochmal,“ bat ich Frau Heine am Telefon, aber die meinte nur, das kriege sie schon hin, sie sei schließlich Pädagogin.

Und da sieht man mal wieder, dass Pädagogen keine Ahnung von nichts haben, denn der Tag im Kindergarten endete in einer kolossalen Katastrophe.

Was zum Teil auch an Frau Heine lag. Die schielte nämlich. Deshalb wussten meine Frau und ich nie, wer jetzt antworten sollte, als sie uns in ihrem Büro mit Fragen zu löchern begann.

Und so sagte ich auf die Frage, wie meine Schwangerschaft verlief, „Ganz gut“, während meine Frau auf die Frage, wie sie mit ihrer Rolle als Vater zu Recht komme, mit „Prima“ antwortete.

Wie auf eine tickende Zeitbombe, die jede Sekunde explodieren konnte, blickten wir dabei auf unsere Tochter.

Keine Ahnung, wo Frau Heine hinblickte, jedenfalls bemerkte sie nicht, dass unsere Tochter plötzlich auf ihrem Schoß saß und mit ihrer Halskette spielte.
Gut, als die Kleine in ihr Ohr lallte, „Schöne Kette hast du da, Heino“, bemerkte sie es doch.

„Frau Heine, wir müssen jetzt wirklich los. Das Kind braucht dringend Schlaf“, flehte ich,
aber Frau Heine winkte ab.
„Das kriegen wir schon hin. Ich bin doch Pädagogin, Herr Tabula. Doch zunächst brauche ich noch ein paar Einverständniserklärungen von ihnen.“

Frau Heine wollte für jeden Unsinn eine Unterschrift. Dass unsere Tochter bei Badewetter ins Planschbecken darf, dass sie eingecremt werden darf, wenn die Sonne zu stark scheint, dass sie wieder aus dem Planschbecken herausgezogen werden darf, wenn sie am Ertrinken ist – und viele absurde Einverständnisse unsererseits mehr.

Unzählige Unterschriften später, unsere Tochter flirtete gerade mit der Topfpflanze, sagte ich, „Jetzt müssen wir aber los, Frau Heine!“
„Aber nein, Herr Tabula. Jetzt lernen sie erst noch die Erzieherin kennen. “

Ab da eskalierte das Ganze. Was zum Teil auch an der Erzieherin lag. Fräulein Pia sah nämlich so jung aus, dass man sie gar nicht von den Kindern, die sie betreute, unterscheiden konnte.

Wenn man nicht genau hinsah, so wie Frau Heine zum Beispiel, hätte man meinen können, sie sei einfach ein in ihrer geistigen Entwicklung ziemlich relaxtes Mädchen gewesen.

Dementsprechend lobte ich gleich ihr eigentlich gar nicht so tolles Strichmännchenbild an der Wand. Meine Frau gab ihr sogar einen Keks als Belohnung.

Unsere schlaftrunkene Tochter hingegen begrüßte sie mit einem Tritt gegen das Schienbein und ich überlegte, von wem sie das wohl hatte.

Fräulein Pia brach in Tränen aus und meine Frau schimpfte.
„Schatz, das war nicht nett, das Kind leitet deine Kindergartengruppe. Du musst ihm gehorchen.“
„Quatsch“, erwiderte unsere Tochter, „Ich bin die Leiterin der Kindergartengruppe. Alles hört auf mein Kommando.“

Dann torkelte sie auf die Spielzeugburg zu, wo die anderen Kinder spielten. Ein paar von ihnen pöbelte sie an, die etwas hübscheren fragte sie nach der Telefonnummer.

„Schluss jetzt mit dem Kindergarten“, schrie Fräulein Pia weinend aus der Ecke, aber unsere Tochter klammerte sich wie ein niedliches Äffchen an einer Liane unter die Burgtreppe und verteidigte ihr Reich mit Tritten.

Ich wollte sie packen, aber sie riss mir sogleich die Brille vom Gesicht. Da trat meine Frau gegen ihr Schienbein. Aha, von ihr hatte sie das also.

„Jetzt wär aber ein wenig Pädagogik wirklich angebracht“, rief ich Frau Heine zu, doch die meinte, dass ihr dafür die nötige Einverständniserklärung fehlte, während sie weiter irritiert auf das Strichmännchenbild von Fräulein Pia blickte. Zu Recht, das war wirklich misslungen.

Währenddessen versuchte unsere Tochter einen plötzlich aus dem nichts aufgetauchten Burger zu verputzen, was mich an das Video von David Hasselhoff erinnerte, als der betrunken das Gleiche versuchte.

Leise summte ich „I´ll be looking for freedom“ und filmte das Ganze mit meinem Smartphone. Vielleicht ließe sich ja damit Geld machen. Das Video mit David Hasselhoff hat über 10 Millionen Klicks. Und unsere Tochter ist um einiges süßer als David Hasselhoff. Fast so süß wie ein kleines Kätzchen sogar.

Dann beendete Frau Heine das Schauspiel und eskortierte uns nach draußen. Weil Fräulein Pia in der Ecke immer noch weinte, streichelte ich ihr zum Abschied a la Angela Merkel über die Wange: „Ach Gott, Kindchen, weine nicht, das hast du doch ganz prima gemacht.“ Meine Frau reichte ihr noch zwei Kekse.

Seitdem haben wir nichts mehr vom Kindergarten gehört und warten noch heute auf eine Platzzusage, während unsere Tochter gewissenhaft jeden Tag das Treffen der anonymen Alkoholiker besucht.

Wie David Hassselhoff Burger ißt.  Und in eigener Sache: Ich trete nächsten Freitag im Cafe „My Fable“ auf und lese ein paar meiner Geschichten. Wenn jemand kommen mag, ich freu mich drauf. Mehr Infos findest du hier

 

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