Ein richtig geiler FILF

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Jetzt mal unter uns: ich war nie der Typ Mann, auf den Frauen besonders standen. Ich sehe komisch aus, gehe wie ein entfernter Cousin von Quasimodo und habe eine Schlumpfstimme. Na ja, eigentlich sehe ich sogar aus wie ein Schlumpf.

Mein Leben lang habe ich furchtbar darunter gelitten, dass alle Frauen, denen ich begegnete, mit ihren Blicken immer meine gut aussehenden Freunde auszogen, während sie mir mit ihren Blicken einen Strickpulli verpassten.

Und falls sie sich doch für mich interessierten, dann nur, weil sie mit mir reden wollten – über meine gut aussehenden Freunde.

„Glaubst du, Julian steht auf mich?“
„Keine Ahnung, ich steh auf dich.“
„Hehe. Du bist witzig. Hier hast du etwas Wolle. Strick dir was Schönes.“ Verfluchte Kamele.

Einmal, nur einmal wollte auch ich auf Frauen so anziehend wirken, dass sie mich mit ihren Blicken ausziehen und ich dann um Hilfe schreien muss, damit sie aufhören, weil ich sonst komplett nackt dastehen würde.

„Herr Polizeiwachtmeister, bitte kommen sie!“
„Was gibt es denn, kleiner komischer Schlumpf?“
„Diese Frau hat mich belästigt – mit ihren Blicken.“
„Herzlichen Glückwunsch, sie Glückspilz.“

Doch das passierte kein einziges Mal. Als ich mich schon damit abfand, kein begehrtes Lustobjekt, sondern lediglich ein verkehrtes Frustsubjekt zu sein, kam von irgendwo ein Lichtlein her. In Form einer Doku im Internet. Über MILFs – Mothers i like to flirt. Schließlich ist das hier ein jugendfreier Text.

In der Doku ging es um Frauen, die sich in Männermagnete verwandelten, nachdem sie Mütter wurden. Um dann von wildfremden Männer angesprochen zu werden mit Worten wie, „Für dein Alter hast du dich aber klasse gehalten“, „Du bist ja ein heißer in die Jahre gekommener Feger“, oder,
„Hey, du geile MILF. Lass uns eine Rhabarberschorle trinken.“

Es war klar. Ich musste mich auch verwandeln – in einen richtig geilen FILF – Father i like to flirt.

Doch zuvor musste ich eine Frau finden, die mir Kinder machen würde. Weil auch ein kurzsichtiges Huhn wie ich mal eine Verabredung hat, fand ich eine.

Ihr fiel gleich auf, dass ich komisch war, wie ein entfernter Cousin von Quasimodo ging und eine Schlumpf-Stimme hatte. Na ja, eigentlich sogar wie ein Schlumpf aussah. Aber das störte sie alles nicht, denn sie stand auf komische Typen, mochte den Glöckner von Notre Dame und liebte Schlümpfe.

Sie heiratete mich, schenkte mir zwei Töchter und ließ meinen lang ersehnten Traum endlich Wirklichkeit werden – technisch gesehen.

Denn ehrlicherweise muss ich gestehen, dass sich seitdem nicht viel getan hat. Außer meiner Frau steht weiterhin niemand sonst auf mich. Keiner findet mich hot, cute, sweet, nice oder dergleichen.
Dabei komme ich jetzt als Daddy viel öfter als früher in viel versprechende Flirtsituationen. Meistens auf Spielplätzen. Meistens mit MILFs.

Doch keine dieser MILFs beißt sich bei meinem Anblick auf die Lippen, zieht mich mit ihren Blicken aus oder dreht sich gar nach mir um. Außer vielleicht, wenn ich in dem Moment, in dem sie an mir vorbei gehen, mein Handy fallen lassen.

„Sie haben da was verloren.“
„Oh, Sie sind aber eine richtige Gentlelady“,
„Hehe. Und sie sind witzig. Hier haben sie etwas Wolle, stricken sie sich was Schönes.“ Verfluchte Merinos.

Die Wahrheit ist: Diese MILFs sehen mich nicht als FILF, sondern höchstens als FILT – Father i like to talk. Oder FILI – Father i like to ignore. Oder wenn ich ihren Kindern Sand in die Augen streue, weil sie meinen Töchtern Sand in die Augen gestreut haben, als FILKITFOSE – Father i like to kick in the face or somewhere else.

Irgendetwas machte ich falsch. Ich schaute mir die Doku im Internet erneut ein paar Mal an und erkannte was. Es war die Optik. Ich sah einfach nicht aus wie ein Vater, mit dem man gerne flirtete.

Da half nur eins: Beautytime. Ich waxte mir die Brusthaare, schminkte mir die Lippen und puderte meine Wangen. Ich plünderte den Kleiderschrank meiner Frau, zog mir Minirock, Tank Top und Strapse an und als krönenden Abschluss zwängte ich mich in ihre Pumperinas. Dann ging ich wieder in die Disco der feierwütigen Familienväter – auf den Spielplatz.

Und tatsächlich, es funktionierte. Endlich wurde ich nicht mehr als facettenreicher Mensch mit inneren Werten betrachtet, sondern als reines Lustobjekt, das innig begehrt und mit lüsternen Blicken ausgezogen wurde – von diesem netten alten Geschäftsmann, dem ich aufgefallen war, als ich mein Handy fallen ließ, nachdem er an mir vorbei gegangen war.

„Du bist aber eine geile MILF“, sagte er und kniff mir in den Po. Das ließ ich mir nicht bieten. Ich briet ihm mit der Handtasche eins über und korrigierte: „Ich bin ein FILF, sie Flegel.“

Doch das schien ihn nicht zu stören. Er lud mich auf eine Rhabarberschorle ein und was soll ich sagen: ich hatte Durst und ging mit. Aber nur auf eine.

Ich gebe zu, es war jetzt nicht gerade die Erfahrung, die ich mir erhofft hatte, aber es war eine Erfahrung, die mir eine Sache ganz deutlich machte: selbst wenn man mal scheitert, sollte man nie aufhören, seine Träume weiter zu verfolgen. Es könnte sein, dass sie irgendwann doch in Erfüllung gehen. Denn als reicher alter Geschäftsmann werden die Frauen bestimmt noch auf mich stehen. Eines Tages, Baby.

Und nun, meine kleinen Schlümpfe bleibt nur noch eines zu sagen: La la la la la la la la la la la.

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