Voll demotiviert ans große Geld

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Heutzutage ist es echt hart, viel Geld zu verdienen und dabei echt wenig tun zu müssen. Es sei denn natürlich, man ist Manager, Politiker, Fußballer oder so. Aber jetzt als Otto-Normal-Mate, was tun? Neulich bin ich da auf etwas Interessantes gestoßen.

In einem Radiointerview erzählte ein Motivationstrainer von seiner Arbeit und der Gage, die er dafür bekommt. Ich war gleich voll motiviert, weiter zu lauschen.

Der Trainer meinte, dass ihn jeder für 6.000 Euro buchen könne. Doch nicht für einen Monat, oder eine Woche, nein, lediglich für einen Tag.

Darunter mache er es nicht, weil, wie er sagt, „Man braucht schon mindestens einen Tag intensiver Motivationsarbeit, um erste Ergebnisse zu erzielen.“

Gut, wahrscheinlich kann ihn jetzt nicht jeder für 6.000 Euro buchen, sondern die wenigsten, also Manager, Politiker, Fußballer oder so.

Und wahrscheinlich reichen die ersten Ergebnisse des eines Tages auch nie ganz aus, um die gewünschten Ziele zu erreichen. Und man braucht noch zwei, drei weitere Tage. Weil sich das lohnt. Für den Trainer.

Aber wenn er wirklich ein Profi auf seinem Gebiet ist, ist er dein Geld vielleicht ja wert.
„Mann, ich hab heut echt keinen Bock, das Katzenklo zu machen.“
„Jetzt komm schon, dann stinkt es nicht mehr.“
„Wow. Danke, jetzt bin ich motiviert.“

Auf die Frage des Moderators, ob er für jede ausweglose Lage die passende motivierende Methode hätte, meinte der Mentalcoach:
„Also ich weiß jetzt auch nicht auf alles eine Antwort. Aber ich erzähle dann etwas aus dem Bauch heraus und staune manchmal selbst, was dabei alles rum kommt.“ Ich sag euch, was dabei rum kommt: 6.000 Euro pro Tag.

Aus dem Bauch heraus antworten kann ich auch. Noch dazu, ohne eine Ahnung zu haben, was dabei raus oder rum kommt. Deshalb bin ich ja auch als Werbetexter so erfolgreich.
„Wie verkaufen wir jetzt unser Produkt?“
„Wie wäre es, wenn wir einfach drüber schreiben:
Kaufen sie diesen Scheiß?“
„Ausgezeichnet, Herr Tabula. Sie verstehen ihr Handwerk.“

Ich verstehe vor allem, wie man mit heißer Luft Geld verdienen kann, aber von Tageshonoraren eines Motivationstrainers kann ich nur träumen. Noch.

Denn zwischen „Kauf jetzt diesen Scheiß“ und „Beweg endlich deinen Arsch“ liegen gar keine Welten, sondern höchstens ein dünner durchsichtiger Duschvorhang von Ikea.

„Kauf“ und Beweg“ sind aktive Verben. „jetzt“ und „endlich“ unmittelbare Affirmationen und aus dem „Arsch“ und „Scheiß“ etymologisch gesehen quasi Geschwister.

Und schon male ich mir mental aus, wie ich als Motivationstrainer Millionen mache. Einfach, indem ich Menschen, „Auf“, „Los“ und „Mach“ sage, brülle, flüstere. So intuitiv aus dem Bauch heraus.

Dabei würden mir sogar nur 3.000 statt 6.000 Euro Honorar reichen. Ich bin nicht gierig. Und mich könnte man auch stundenweise oder gar minutenweise buchen. Bei dem Tagessatz sind das 6,25 Euro pro Minute.

Unter uns: Da würde ich auch ruhig mal täglich vier, fünf Überminuten in Kauf nehmen, ohne zu meckern – wenn es mit dem Motivieren mal wieder länger dauert.

„Wie krieg ich jetzt nur dieses Paket auf?“
„Hol eine Schere.“
„Wo ist sie?“
„Im Messerblock.“
„Danke, von selbst wäre ich nie drauf gekommen.“
„Gerne. Macht dann 6,25.“

Wer kann, der kann. Und ich kann Leute anspornen. Neulich meinte ich zu einer Bedienung, „Ich möchte bitte eine Maracujaschorle“ und die hat sie mir gleich gebracht. Da hat es gar keine extra Motivation gebraucht. Es wurde erst komisch, als ich beim Kassieren Geld von ihr wollte.

Meine Frau meint ja, dass die Leute heutzutage gar keinen Motivationstrainer bräuchten, sondern eher das Gegenteil – einen Demotivationstrainer.
Jemanden, der ihnen das viele Arbeiten aus und das süße Leben eintreibt. Das ist eine sehr gute Idee von ihr. Das könnte ich mir auch ganz gut vorstellen. Eigentlich fast noch besser.

„Wo willst du hin?“
„In die Arbeit.“
„Ach komm schon, frühstück noch ein bisschen.“
„Aber ich muss los.“
„Jetzt iss den Toast und entspann dich.“
„Aber die Arbeit.“
„Ah, die läuft nicht weg. Der Moment aber schon.“
„Oh, Mann. danke. Du hast mich jetzt voll demotiviert.“
„Gerne. Macht dann 3.000 Euro.“

„Was, ich dachte, dich gibt es auch minutenweise?“
„Nicht, wenn es ums Entspannen geht. Da braucht man schon den ganzen Tag, um erste Ergebnisse zu erzielen.“

Ja, so könnte das funktionieren mit dem großen Geld und dem wenig tun. Jetzt brauch ich nur noch jemanden, der mich anspornt, von der Couch aufzustehen.

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