Sklave einer Schwangeren

FullSizeRender-7

Der gute alte tote John Lennon hat mal gesungen:
„Woman is the nigger of the world“.
Das Lied handelt von der Unterdrückung der Frau in einer männlich dominierten Gesellschaft.

Abgesehen davon, dass der Refrain schon damals allen Schwarzen gegenüber ziemlich diskriminierend war, ist die Aussage mittlerweile auch ein wenig überholt.

Heute heißt es schlichtweg:
„Man is the nigger of the world“, genauer,
„Married Man is the Afro American of his wife“,
also politisch korrekt natürlich,
„Married Man is the black person of his pregnant wife“,
sprich: Ich bin der Sklave meiner schwangeren Frau.

Natürlich spiele ich mit der Aussage nicht auf mich und meine gegenwärtige Situation an. Meine Frau ist super. Sie ist klug, gutaussehend und zufällig auch gerade schwanger, wodurch sie ein wenig sensibel auf alles reagiert und ihre Zehennägel nun mal schwer selbst lackieren kann.

Außerdem liest sie meine Texte alle gegen und hat uneingeschränktes Veto-Recht, was deren Veröffentlichung anbetrifft.

Wie ein römischer Kaiser über die Gladiatoren entscheidet sie über meine Geschichten. Daumen nach oben und der Text darf in die Arena, von der Menge bejubelt werden. Oder bebuht. Daumen nach unten und der Text wird einem wilden Raubtier zum Fraß vorgeworfen. In dem Fall unserer Katze.

Deshalb ist es gerade und überhaupt schon wichtig, dass ich meiner Frau wiederholt mit dem Fächer frische Luft ins Gesicht wedle, sie mit Trauben füttere und ihr auch sonst zur freien Verfügung stehe, für die kleinen Freuden des Zusammenseins.

Ja, ihr könnt diese Zeilen überhaupt nur lesen, weil ich regelmäßig den Staub wische, den Müll rausbringe, einkaufe, auspacke, umräume, neu arrangiere, voll tanke, im Krankenhaus anrufe, eine Hebamme organisiere, zum Ultraschall, zum Feinultraschall und zum Ultrafeinultraschall mitgehe, Pfannkuchen mit Schokosauce mache, gewissenhaft ihre Todo-Liste abarbeite, nicht widerspreche, das Jammern ertrage, zuhöre, die Klappe halte, artig bleibe und mich ab und an auch kuscheln lasse.

Klar. Der ein oder andere wird mich jetzt als Weichei oder Pantoffelheld bezeichnen. Als Sklave meiner schwangeren Frau sozusagen. Wie mein Vater das gerne tut.

Nein. Er äußert das nie direkt, aber ich spüre seine Gedanken auch in 750 Kilometer Entfernung. So weit ist Zadar nämlich von München entfernt. Und ein wenig verstehe ich ihn.

Für meinen Vater war seine Frau wahrlich sein persönlicher Afrokroate und er kann jetzt schwer verstehen, dass das heute anderes sein soll. Das ich jetzt quasi der Afrokroate meiner Frau bin. Aber hey, in Afrokroate steckt immer noch Kroate, in Weichei immer noch Ei und in Pantoffelheld immer noch loeffeln.

Dass der Mann auch kocht, die Wäsche wäscht, Blusen bügelt, daheim bleibt statt um die Häuser zieht, seine Frau in den Arm nimmt, auch mal einen Spaziergang wagt, Händchen haltend, in aller Öffentlichkeit, ist heute normal. Sollte es zumindest sein. Besonders, wenn die Liebste schwanger ist. Von dir.

Zugegeben, das ist nicht immer einfach. Den ganzen Tag ist man in Bewegung, nur am Machen und Tun, Wäsche rein, Wäsche raus, und dann verlangt die Frau auch noch, dass man am Abend mit ihr redet. Über Gefühle.

„Danke, Schatz. Mir geht es gut und ich fühle eine Erkältung im Anmarsch.“
„Du Depp. Ich will doch nicht über deine Gefühle reden, sondern über meine.“

Mein Gott. Dann redest du brav über ihre Gefühle, bis dir die Augen zufallen und der Tag von vorne beginnt. Deshalb ist man doch noch lange kein Sklave seiner schwangeren Frau.

Eine zufriedene Partnerschaft und künstlerische Freiheit ist nur schwer miteinander vereinbar. Es sei denn, man stellt zuerst seinen Partner zufrieden und kümmert sich dann um die Kunst.

So viel ich weiß, hat das John Lennon genauso gehalten und das Lied lediglich auf Wunsch seiner Frau geschrieben. So gesehen heißt es am korrektesten:
„John was the Afroeuropean of his Joko“.

Wenn das bei einem so großem Künstler wie ihm der Fall war, warum sollte das bei so einem kleinen wie mir anders sein.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s