Das große Knabbern

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„Jeder Tag ruft deinen Namen, ich wünsch Glück an allen Tagen
Nicht’s ist besser als ne Liebe auf der Welt
Kirschen gibt’s an Sommertagen nur solang die Bäume tragen
Und lebend gehen wir nicht mehr aus der Welt“
Nils Koppruch

Manche Menschen mögen es nicht, wenn andere Menschen im Kino knabbern. Das ist seltsam, werden doch vor dem Kino immer extra große Tüten Popcorn, Nachos und Nüsse verkauft.

Wenn ich ins Kino gehe, kann ich nicht umhin, mir etwas davon zu kaufen. Meine Frau macht das genauso. Vor allem jetzt, wo sie schwanger ist. Deshalb passen wir auch so gut zusammen, denke ich.  Wenn man so will, gehen wir gerne durch dick und dünn, wir zwei. Gerade ist dick angesagt.

Das man Knabbern im Kino nicht mag ist genauso seltsam wie wenn man auf einem Konzert das Mitsingen oder Mitklatschen der anderen Konzertbesucher nicht mag.

Eine Frau hat das mal von sich behauptet, dass sie das nicht mag. Weil sie sich dann nicht so gut auf die Musik konzentrieren könne und so. Da habe ich gemerkt, dass ich mich gar nicht so gut auf sie konzentrieren kann und wir eigentlich gar nicht so gut zusammen passen.

Ich meine, wenn man sich nur auf die Musik konzentrieren will, kann man sich ja auch so sündhaft teure Kopfhörer kaufen, die dann das Rauschen von außen unterdrücken, und alle Höhen, Tiefen und Ebenen des fabelhaften komponierten Lieds richtig phänomenal zur Geltung bringen.

Ich singe und klatsche gerne auf Konzerten. Und im Kino knabbere ich. Ich knabbere, also bin ich Kinogänger, könnte man sagen. Und am liebsten knabbere ich Popcorn. Oder Nachos. Oder an meiner Frau, wenn der Film nicht so gut ist. Oder die Popcorn alle. Oder einfach nur deshalb, weil ich meine Frau liebe.

Sprüche der anderen Kinogänger wie, „Jetzt reicht es aber“, „Gleich beginnt der Film“ oder „Sucht euch ein Zimmer“ sind da völlig unangebracht und müssen leider vor dem Eingang bleiben.

Schließlich gibt man mit dem Erwerb der Kinokarte sein stilles Einverständnis, Knabbergeräusche durch was auch immer verursacht zu akzeptieren. Und zwar die gesamte Vorführung hinweg und nicht nur während der verdammten Vorschau und Werbung. Soll ich mir etwa die Jumbotüte Popcorn in Lichtgeschwindigkeit reinschaufeln, nur damit du knabberbefreiter Honk den Hauptfilm in Ruhe schauen kannst?

Zugegeben, ich hätte dem knabberbefreiten Kerl neben mir nicht extra laut ins linke Ohr knabbern brauchen, als er sich dieses zugehalten hat, weil es ihn massiv gestört hat, dass ich meine Popcorn weiter knabbere, während bereits die zweite Hälfte des Films lief.

Ja, und als mir seine knabberbefreite Freundin endlich den heiß ersehnten bösen Blick schenkte, hätte ich nicht unbedingt damit beginnen sollen wie ein verdurstender Elefant am Nil durch den Strohhalm die Cola zu schlürfen, obwohl am Boden des Papppbechers schon lange Sahelzone herrschte.

Und spätestens beim wohl bekannten Kopfschütteln und „tsss“ zischen der beiden zwei zusammen hätte ich Verständnis zeigen können. Aber was soll ich sagen, Freunde. Manchmal sitzt man einfach zur falschen Zeit am falschen Ort neben den falschen Fremden. Meiner Frau und mir zum Beispiel.

Wir hatten an dem Tag einen Babysitter für unsere Tochter und konnten endlich mal wieder das wilde Leben genießen, wieder mal ein bisschen Bonny & Clyde spielen und die Sau raus lassen. Sprich: große Popcorn, Eiskonfekt und kühles Augustiner.

Kurz bevor der Film zu Ende ging, hat meine Frau, so verwegen wie sie ist, sogar kurz an meinem Bier gerochen. Obwohl sie schwanger ist. Dabei hat sie ihren runden Bauch Richtung unserer Nachbarn gestreckt und gegrunzt. Harr, harr, harr.

Dann sind wir in unserem Skoda nach Hause gebrettert, dem Sonnenuntergang entgegen. An jeder roten Ampel haben wir Halt gemacht, um die nun langsam wieder später einsetzende Dämmerung bis zur Ekstase zu genießen. Und, weil es gesetzlich verboten ist, bei rot über die Ampel zu fahren.

Die Musik haben wir ganz, ganz laut gedreht, so dass wir die Tiefen, Höhen und Ebenen gar nicht mehr so richtig auseinanderhalten konnten, weil unser Auto nur eine billige Anlage besitzt.

Das hat uns trotzdem nicht daran gehindert beim Refrain mitzusingen und mitzuklatschen. Und als das eine Lied verklang, um Raum für das nächste zu schaffen, haben wir zwei Wilden uns an das Vorher erinnert. Ich habe mir mein linkes Ohr zugehalten und meine Frau hat „tsss“ gezischt, bevor wir in schallendes Gelächter ausgebrochen sind.

Wenn ihr mit uns nicht mitknabbern und der Melodie des Lebens lauschen wollt, ist das voll in Ordnung. Bleibt einfach zu Hause, setzt euch eure sündhaften teuren Kopfhörer auf und blickt so ganz ohne Rauschen dem Ende entgegen.

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5 Gedanken zu “Das große Knabbern

  1. Ohaaa, ich gestehe, ich gehe tatsächlich genau deshalb nicht gerne ins Kino. (Mir reicht es schon, wenn ich die Essgeräusche meiner Familie ertragen muss…)
    Und immer, wenn endlich ausgeknabbert ist, kommt die Pause und alle decken sich erneut ein. Für mich ist das echt richtig grässlich und verdirbt die Stimmung. Aber Kino ist hier eh so teuer und unser Fernseher ist groß, da bleibe ich auch gern zu Hause.

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