Sei Clubgänger und kein Türsteher

kablam-Thug

In einem Interview mit dem legendären amerikanischen Comedian George Carlin habe ich sinngemäß folgende Worte gehört: Die Definition von Glück ist, finde etwas, was du liebst, tue es mit Hingabe, sei gut darin und werde dafür anerkannt.

Neulich waren wir zum Essen in einem Laden, in dem wir garantiert nicht mehr hingehen. Das Essen war zwar in Ordnung, aber der Kellner eine einzige Katastrophe.

Breitbeinig ging er durch den Raum, als ob er zwei Bowlingkugeln zwischen seinen Beinen baumeln hatte. Oder einen wunden Arsch. Mit erhobener Brust und Kurzhaarschnitt schaute er auf die Gäste mit einem Blick, der sagte: ich mache aus euch Filetsteak und brate es mediumrare – ganz ohne Hitze, einzig mit der Kraft meiner Pupillen.

Seine Definition von Glück war wohl, finde etwas, was du hasst, tue es mit Verachtung, sei mies darin und scheiß drauf, was die anderen darüber denken.

So betrachtet hatte der Mann seine Berufung gefunden. Herzlichen Glückwunsch. Das war alles andere als einfach heutzutage.

Anders betrachtet war wohl sein sehnlichster Wunsch, Türsteher zu werden, doch leider hatte er die Aufnahmeprüfung versemmelt.
„Herr, Griesgram, was sagen sie zu jemanden, der nicht in den Club gehört?“
„Du kommst nicht vorbei.“
„Das ist der Spruch von Gandalf in Herr der Ringe. Bei uns heißt es: Du kommst hier nicht rein. Leider sind sie durchgefallen.“

Der Arme. Jetzt muss er kellnern und während er das Tablett trägt, überlegt er, wie der Satz denn nun richtig heißt. „Du kommst nicht vorbei“, „Du kommst hier nicht rein“, oder „Ihre Bestellung, bitte“.

Schwierig, schwierig. Vor allem, wenn man sich mit der Frisur auch das Hirn wegrasiert hat. Und sich nun nichts mehr merken kann. Oder mag. Aber so coole Typen wie der schreiben keine Notizen auf Zettel, um die Bestellung festzuhalten. Sie fragen auch nicht nach, falls sie deine Bestellung vergessen. Nein. Sie bringen dir einfach irgendetwas und knallen es dir wortlos vor den Latz.

Wir akzeptieren es, weil wir bei Widerrede aus dem Club, äh Restaurant fliegen könnten. Und niemand will gern ausgegrenzt sein. Dann lieber mies bedient und unwürdig behandelt.

„Und, was willst du, du Wurst?“
„Was immer sie mir bringen, Chef. Lassen sie mich nur hier sitzen, ja? Draußen ist so kalt.“
„Na gut, aber noch einen Extrawunsch und für dich ist hier heut Feierabend.“
„Yeahi.“

Das kann es doch nicht sein, oder? Was ist da schief gelaufen? Wo ist die Freude hin? Was hat den Kerl so hart gemacht, dass er das jetzt an uns auslässt? Hat er seine Freundin verlassen, weil sie ihn nicht mehr rangelassen hat? Weil sie seinen Spruch besser drauf hatte als er?

Keine Ahnung, was die Antworten sind, aber ich finde schon, dass jetzt, genau jetzt der Zeitpunkt für ein paar Fragen ist: Was liebe ich wirklich, mache ich das, was ich gerade mache mit Hingabe, bin ich gut darin und werde ich dafür anerkannt?

Wenn alles ein „Nein“ zur Folge hat, ist nämlich jetzt, ganz genau jetzt der Zeitpunkt gekommen, die alten Akten ad acta zu legen und sich schleunigst eine neue Agenda zu suchen. So sage ich zu allen miesen, launischen und harten Kellnern, Bedienungen und allen anderen da draußen:

„Öffne deine Tür für Neues. Sei heiter, fröhlich, ausgelassen. Solange du nicht das gefunden hast, was du suchst, tanze zum Beat deines Herzens und erhelle die anderen mit deiner Anwesenheit. Mach dich zu einem unentbehrlichen Teil der Tanzfläche und steh nicht belanglos daneben. Sei Clubgänger und kein Türsteher.

Und falls dein Wunsch weiter bleibt, auf der Türsteherschule genommen zu werden, dann such dir einen Spiegel und wiederhole einfach immer wieder die Worte, „Du kommst hier nicht rein. Du kommst hier nicht rein. Du kommst hier nicht rein.“ Oft genug wiederholt, schaffst du es bestimmt. Ich glaube an dich. Und jetzt die Rechnung, bitte, Herr Griesgram.“

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