Mit der Knarre unterm Kopfkissen

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Diese Geschichte ist meinem 100.Facebook-Fan Daniel Bühling gewidmet. 

Wenn ich nachts aufwache und meine Frau nicht neben mir liegt, weil sie in der Küche einen Schokoriegel verputzt, denke ich manchmal an Oscar Pistorius. Diesen südafrikanischen Läufer, der seine Freundin erschossen hat, weil er sie für einen Einbrecher gehalten hatte.

Irre.Da liegt deine Frau, Freundin oder Geliebte nachts nicht neben dir im Bett und du hörst Geräusche aus dem Bad. Da denkt normalerweise jeder vernünftige Mann gleich:
„Meine Süße ist pinkeln, wäscht sich schnell die Haare, rasiert sich kurz die Beine, lackiert sich ihre Nägel, zupft sich noch flott die Augenbrauen, schminkt sich und kommt wieder ins Bett.“

Ok. Bevor mir jetzt wieder Klischeehaftigkeit vorgeworfen wird.
Männer, die emanzipierte Frauen als Freundinnen haben denken da gleich:
„Meine Süße ist schnell pinkeln, im Stehen, lässt die Haare ungewaschen, rasiert sich nicht kurz die Beine, liest noch ein wenig Judith Butler, lässt einen stehen und kommt wieder ins Bett.“

Aber nein. Nicht unser Oscar. Der dachte sich:
„Ein Einbrecher. Den mach ich kalt.“
Dann holte er seine Knarre unterm Kopfkissen hervor und peng, peng, peng.

Vielleicht dachte er auch:
„Dieses verfluchte Miststück. Was macht sie so lange im Bad?“
Viele Männer denken das von Zeit zu Zeit.
Und um erneut das Klischee zu umschreiben, viele Frauen natürlich auch.
„Dieser verfluchte Mistkerl, was macht er so lange im Bad? Duschen bestimmt nicht.“

Und wer weiß. Wenn in Deutschland Waffen zum persönlichen Schutz erlaubt wären, wäre das Nächste, was man macht, die Knarre unterm Kopfkissen hervor zu holen und peng, peng, peng. Drei Schüsse in die Badtür.

Da fragt Mann oder Frau auch nicht vorher nach:
„Schatz, bist du das?“
Weil sie oder er könnte ja „ja“ sagen und rauskommen.
Eine unangenehme Situation für beide. Wie erklärt man die Waffe in der Hand?
Dann lieber schießen und nachher sagen, man dachte, es sei ein Einbrecher.

Ich könnte meine Frau allein schon deshalb nicht auf diese Art umbringen, weil ich mir furchtbare Sorgen über die Löcher in der Tür machen würde. Was da die Reparatur wohl kostet?
Solange die Löcher drin sind, könnte ich auch nicht ungestört aufs Töpfchen. Ich kann immer nie, wenn andere durch Schusslöcher zugucken.

Und was ist mit den Fliesen? Die wären auch hin. Dann das ganze Blut überall. Ich putze schon so nicht gern das Bad und nach der Tat wäre niemand mehr da, um das für mich zu erledigen. Eine schreckliche Vorstellung. Außerdem liebe ich meine Frau viel zu sehr, um so etwas zu tun.*

Viel eher würde ich auf diese Art gerne unsere Katze erschießen. Wenn sie wieder mal in aller Herrgottsfrühe an der Schlafzimmertür kratzt. Peng, peng, peng. Drei Schüsse ins Holz. Schön halb tief rein, damit ich sie auch ja erwische.

Für die Polizei hätte ich auch gleich die passende Erklärung:
„Herr Tabula, sie haben die Katze also für einen Einbrecher gehalten?“
„Klar, Herr Kommissar. Was denken sie denn?“
„Ich denke, die Katze hatte Hunger und bettelte um Essen.“
„Das ist doch unwahrscheinlich bei diesen Tieren. Erst recht um diese Zeit.“

„Und was ist mit dem Miauen?“
„Also wirklich, wenn jemand so irre ist, nachts bei jemandem einzubrechen, warum sollte er dann nicht auch Miauen, um sich bemerkbar zu machen?
„Hm. Klingt plausibel.“

„Ehrlich? Glauben sie, ich komme damit durch?“
„Kommt darauf an. Haben sie Zeugen?“
„Nein.“
„Wo war ihre Frau zu der Zeit?“
„Im Bad. Beim Haare föhnen und Schokoriegel essen.“

* Dieser Satz wurde von meiner Lektorin reingeschrieben. Ich finde ihn überaus gelungen. Es ist der beste Satz in der ganzen Geschichte.

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