Wie viel sind dir deine Eier wert?

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Kürzlich hat eine anonyme Hackergruppe, die sich „The Guardians of Peace“ nennt, dem Filmkonzern Sony Pictures mit Terror gedroht, sollte „The Interview“ in die Kinos kommen. Das FBI vermutete die Regierung von Nordkorea dahinter. Aus Sicherheitsgründen wurde der Kinostart des Films verschoben.

Da nehme ich mir gleich ein Beispiel dran. Es gibt einige unliebsame Dinge, die es zu verhindern gilt. Und anders als mit Drohungen geht es heutzutage scheinbar nicht. Ich kann zum Beispiel Helene Fischer nicht freundlich bitten, nicht mehr zu singen oder Werbung zu machen und sie sagt daraufhin: „Klar Mate, du hast ja so recht. Das ist alles Scheiße. Die Musik, die Werbung. Ich hör sofort auf damit. Danke, dass du mir die Augen geöffnet hast.“ In einer idealen Welt würde das vielleicht so laufen, aber nicht in der Realität.

Also schreibe ich ihr als „The Guardian of Music“ einen anonymen Brief. Sollte ich noch ein einziges Mal „Atemlos“ im Radio hören oder ihr Gesicht im Fernsehen sehen, werde ich Florian Silbereisen verschleppen und nach Afrika verschiffen. Dort kann er dann hungrigen Kindern fröhlich grinsend die deutsche Volksmusik näher bringen und damit ihren leeren Mägen füllen.

Der BND vermutet Andrea Berg hinter der Drohung und rät zur Vorsicht vor einer irren Frau in großen Stiefeln, doch Helene bleibt cool. Sie schmiert sich erstmal ein Stück Meggle aufs Brot. In einem öffentlichen Brief, der in der BUNTE erscheint, verkündet sie: „Ich lasse mich nicht erpressen und singe weiter. Zur Not auch ohne meinen Schatz. Außerdem werden die Afrikaner Florian lieben. Und meine Musik auch.“ Armes Afrika. Denen bleibt auch nichts erspart.

Ich erkenne, der deutsche Schlager ist einfach nicht tot zu kriegen und versuche es mit einem geldgierigen Weltkonzern. Ich drohe Nestle: „Wenn nicht sofort der Verkauf von Nespressokapseln eingestellt wird, enthülle ich, dass George Clooney nur grünen Tee trinkt.“

Damit sie sehen, dass ich es ernst meine, lege ich dem Schreiben eine zerquetschte Kaffeekapsel bei. Eine Bukeela ka Ethiopia. Das ist ein fein blumiger Pure Origin Grand Cru mit überraschend wilden Noten von Moschus und Holz, der aber auch fein blumige Aromen offenbart, die an den Duft von Jasmin, Orangenblüten und deiner Mutter erinnert.

Nestle nimmt die Drohung ernst und alle Kapseln aus dem Handel. Das darin befindliche Kaffeepulver wird in einen Sack zusammengeschüttet. Ein Kilo feinster Filterkaffe kommt dabei heraus. George Clooney kauft es für zehn Millionen Dollar und twittert: Espresso, what else?

Als Nächstes schreibe ich Horst Seehofer und verlange, dass alle CSU-Mitglieder in Zukunft zu Hause kroatisch sprechen müssen. Andernfalls enthülle ich, dass der IQ-Wert aller CSU-Politiker zusammen weniger als der Preis der Jahresvignette in Österreich beträgt. 84.

Aus Versehen unterschreibe ich die Drohung mit meinem richtigen Namen. Mist. Jetzt fliege ich auf. Doch meine Angst ist unbegründet. Horst Seehofer kann kein Hochdeutsch lesen und nimmt die Drohung gar nicht wahr. Er nimmt eh niemanden außer sich selbst wahr.

Als nächstes widme ich mich einem anderen Schreckgespenst Deutschlands. Ich schreibe an Pegida und drohe: „Wenn die Demonstrationen gegen die Islamisierung des Abendlandes nicht sofort aufhören, werde ich die Islamisierung das Abendlandes vorantreiben. Morgens halb zehn in Deutschland wird es in Zukunft nur noch Knüppers geben, die Christkindlmärkte werden in Baklava Basare und der Weihnachtsmann in Ramadan Imam umbenannt.“

Die Drohung funktioniert. Die Demonstrationen hören auf. Pegida-Anhänger versöhnen sich mit dem Islam und feiern ein großes Friedensfest mit Muslimen. Zum Essen gibt es Currywurst und Döner. Zum Trinken Bier und Ayran.

Weil das so gut geklappt hat, versuche ich nun weltweit etwas gegen den Terror zu unternehmen und schreibe Al Kaida, den Taliban und der IS eine Sammeldrohung: „Wenn ihr nicht sofort damit aufhört, euch und andere sinnlos in die Luft zu sprengen, vereinbare ich mit Allah, dass es ab sofort keine 72 Jungfrauen mehr im Paradies gibt. Sondern Ziegen.“ Ich unterschreibe mit „The Guardian of Virginity“.

Die Terroristen antworten keine Stunde später in einem gemeinsamen Bekennervideo: „Mach doch, du Ungläubiger. Wir stehen sowieso mehr auf Ziegen.“ Um das zu beweisen, sieht man auf dem Video … bäh. Diese kranken Schweine, ich kann nicht mal ausschreiben, was ich da sehe. Im Hintergrund läuft „Atemlos“ von Helene Fischer.

Enttäuscht, nicht mehr gegen den internationalen Terror bewirkt zu haben, wende ich mich dem größten Terroristen von allen zu: meiner Frau. In einem anonymen Brief drohe ich ihr, wenn sie ihren Mann weiterhin zwingt, die rosa Pantoffeln von Ikea zu tragen und ihre Blusen zu bügeln, werden alle ihre Pflegespülungen und Lippenstifte auf mysteriöse Weise aus den Badschränken verschwinden.

Gerade als ich meine Drohung abschicken und meine Pantoffeln in den Müll werfen will, passiert etwas Schreckliches. Ich bekomme selbst einen anonymen Brief ins Postfach: „Du kleiner Wicht, glaubst du, ich weiß nicht, wer hinter den ganzen Drohungen steckt. Wenn du nicht sofort mit dem Scheiß aufhörst und die Fenster im Wohnzimmer putzt, werde ich dir so was von in die Eier treten.“ Als Absender steht „The Governess of the Hood“. Ich vermute meine Frau dahinter.

Blass um die Nase klappe ich meinen Laptop zusammen und gebe mich geschlagen. Ich erkenne: Mit Vergeltung drohen, um unliebsame Dinge zu verhindern, kann funktionieren, aber du solltest dabei bedenken, dass es immer einen gibt, der noch skrupelloser ist als du. Wie viel sind dir deine Eier wert?

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