Products – just buy it!

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Neulich hat ein Mann Red Bull verklagt, weil nach dem Konsum des Energydrinks kein Flügeleffekt bei ihm eingetreten ist. Red Bull zahlte ihm daraufhin eine Entschädigung in Millionenhöhe. Da denke ich natürlich an all die Werbeslogans, die mir täglich begegnen und nie eintreten. Und dass man da doch dagegen was tun muss.

Also gehe ich zu BMW und vereinbare eine Probefahrt. Als ich zurückkomme, sage ich zum Verkäufer: „Von wegen Freude am Fahren. Die Fahrt war die Hölle. Ich stand im Stau, meine Tochter hat auf dem Rücksitz die ganze Fahrt über geschrieen und im Radio lief Helene Fischer. Meine Laune ist genauso mies wie sie vorher war.

Als Entschädigung fordere ich einen Mercedes, einen Privat-Chauffeur und eine weltweit gültige Tankkarte für gratis Sprit.“ Der Verkäufer schenkt mir einen Schlüsselanhänger, ein Spielzeug-Auto und Hausverbot. Na ja, aller Anfang ist schwer.

Ich gehe zu McDonalds und bestelle ein Big Mäc-Menü. Einen Biss später ist von Liebe keine Spur. Ich beschwere mich beim Restaurant-Leiter: „Tätä täm tä dä, ich hasse es. Der Burger ist schrecklich und die Pommes fad. Den Fraß würde ich nicht mal den Flüchtlingen im Olympiastadion vorsetzen. Und wenn ich die Cola trinke, verwandelt sich hier auch niemand in Manuel Neuer. Skandal.

Ich fordere einen Kochkurs bei Jamie Oliver, lebenslang gratis Essen bei Schuhbeck und Hausverbot bei McDonalds.“ Ich bekomme eine Apfeltasche und zwei Saucen meiner Wahl. Ich entscheide mich für Süß-sauer und Curry. Weil ich noch Hunger habe, kaufe ich noch mal ein Big Mäc-Menü.

Satt, aber aggro gehe ich ins nächste Adidas-Geschäft und haue auf den Verkaufstisch: „Impossible is nothing“ am Arsch. Gestern bin ich in meinen Adidas-Sneakers zur Post und wollte der Schalterbeamtin ein Lächeln abringen – nada. Selbst, als ich ihr sagte, dass keine Frau so adrett die Briefmarken leckt wie sie, rührte sich ihr Lachmuskel.

Als Entschädigung will ich Logenplätze für den F.C. Bayern auf Lebenszeit, eine Privat-Audienz beim Papst und jedes halbe Jahr neue Sneakers mit fünf Streifen statt drei Streifen drauf.“

Ich bekomme zehn Euro Nachlass auf Laufschuhe. Aber nur für die Modelle ab 250 Euro. Weil ich auf Rabatte stehe, nutze ich das Angebot, obwohl ich Laufschuhe gar nicht brauche.

Dann gehe ich zu IKEA und kaufe mir ein BILLY-Regal. Aktuell haben die keinen richtigen Slogan, also habe ich auch nichts zu meckern. Das gefällt mir.

Mit dem Regal unterm Arm gehe ich zum nächsten o2-Shop und fordere den Verkäufer auf, dieses für mich aufzubauen.
Er blickt mich verwirrt an und ich sage: „Es heißt doch immer, o2 can do. Na, dann machen sie mal.“

Er meint, das sei nicht wörtlich zu nehmen. Ach ja, meine ich, dann solle er mich mal schön am Arsch lecken, am besten per Bluetooth, es aber bitte auch nicht gleich wörtlich nehmen.

Weil nach fünf Minuten der gewünschte Cando-Effekt nicht eintritt, fordere ich als Entschädigung deutschlandweit D-Netz-Qualität im o2-Netz und lebenslang Freiminuten für die 9live-Gewinnspiel-Nummern.

Der Verkäufer erteilt mir Hausverbot. Vorher schließe ich aber noch einen Vertrag ab, mit dem ich unbegrenzt im Ausland surfen kann. Praktisch, wo ich doch nie verreise. Arrgh – irgendwie habe ich mir das anders vorgestellt.

Als letztes rufe ich bei der Hotline von Procter & Gamble an und sage: „Frechheit. Meister Propper putzt gar nicht so sauber, dass man sich drin spiegeln kann. Gerade habe ich meine Katze damit gewaschen und in ihrem Fell reflektiert sich gar nichts. Als Entschädigung fordere ich eine polnische Putzfrau, die zweimal die Woche unsere Wohnung mit Ariel putzt, und eine neue Katze, die nach Citrus duftende Megapearls pinkelt.“ Ich bekomme ein Aufgelegt-Zeichen.

Mit einem Schlüsselanhänger, einem Spielzeug-Auto, zwei Saucen meiner Wahl, 240 Euro teuren Laufschuhen, einem unaufgebauten BILLY-Regal und einem neuen Mobilfunkvertrag von o2 setze ich mich daheim auf die Couch und trinke erstmal ein Red Bull.

Da kein Flügeleffekt eintritt, schlafe ich ein und träume von einer Welt, in der Werbung auf den Punkt kommt und die Verbraucher nicht mehr verscheißert. Mit Slogans, die ehrlich bleiben. Da heißt es dann: Red Bull – das Erfrischungsgetränk mit viel Zucker und viel Koffein. BMW – gewöhnliche Autos, ungewöhnlich teuer. McDonalds – der Hunger treibts nei. O2 – manchmal auch kein Netz. Meister Propper – einfach ein Putzmittel. Und Adidas – impossible is possible.

„Wirklich?“ fragt mich daraufhin die Schalterbeamtin der Post, die sich in mein Unterbewusstsein geschlichen hat. Mit Flügeln schwebt sie über mir und lächelt. Ich kann es nicht fassen, doch sie sagt: „If you can dream it, you can do it.“ Walt Disney, denke ich. Dann lecken die Schalterbeamtin und ich zusammen Briefmarken. So adrett wie noch nie jemand zuvor. Im Radio läuft Helene Fischer. Hölle, Freunde, Hölle.

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