Von allem ein wenig, aber nie zu viel

28465165_sWie heißt es so schön im Volksmund: Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo eine Spähaffäre her. Da sag ich doch schön mal hallo zu ihr und verwickle sie in ein Gespräch.

Schon lange bin ich  auf der Suche nach neuen Karrieremöglichkeiten. An der Kasse des Kaufhofs hatte es mir zu sehr gepiepst. Als Gangsterrapper fehlte es mir an der sexistischen Grundeinstellung, ich will mit Frauen zumindest am Anfang höflich reden, bevor ich sie „Bitch“ nenne. Und auch in meiner gegenwärtigen Rolle als Autor tue ich mir schwer.

Ich schreibe eigentlich gerne, doch um es wirklich weit zu bringen, muss es täglich eine Menge sein. Aber von irgendetwas zu viel zu tun, liegt nicht in der Natur meines Wesens. Das liegt viel lieber im Schatten eines Feigenbaums und döst friedlich vor sich hin.

Ich bin geboren, um zu relaxen. Ich chille, also bin ich. „Ich kam, sah und legte mich erst einmal in eine Hängematte, machte ein Nickerchen und träumte vom Nichtstun“ soll eines Tages auf meinem Grabstein stehen.

Jetzt natürlich mit Frau und Kind, da geht das nicht mehr so einfach und ich frage mich intensivst, na ja gut, nicht ganz so intensiv, was kann ich tun, ohne viel zu tun? Wie komme ich zu Geld ohne groß was zu leisten und meinen wohlumgeformten Körper an wohlhabende alte Frauen verkaufen zu müssen? Fragen, die mit Sicherheit viele junge ambitionierte, faule Männer bewegen.

Und als ob mich die faulen Götter unter ihren Feigenbäumen erhört haben,  da kommt, Spitzel sei Dank, die Spähaffäre um die Ecke. Und so reibe ich mir den Schlaf aus den Augen, mache mir einen 9-Kräuter-Tee, löse eine Vitamintablette darin auf, lege mich in die Hängematte, und verfasse mit dem Laptop auf dem Schoß ein Bewerbungsschreiben an den BND.

Sehr geehrter BND,

mit Interesse habe ich über Ihre letzten unternehmerischen Aktivitäten gelesen und dachte mir: prima, ein Arbeitgeber, der zu mir passt wie die Wanze zum Telefonapparat. Hiermit bewerbe ich mich bei Ihnen um eine Stelle als Abhörspezialist.

Schon als Kind habe ich gerne ein leeres Wasserglas an die Wand gehalten, um die Bettgespräche meiner Eltern zu belauschen. Zur großen Freude habe ich da einmal vernommen, dass ich ihr Lieblingssohn war und sie meinen Bruder zur Adoption freigeben wollten.  

In den Schreibtischschubladen meines Bruders suchte ich stets nach brisanten Details,  mit dem ich ihn vor Mutter und Vater denunzieren konnte. Welche Enttäuschung. Alles, was ich fand waren Wendy-Hefte und ein Foto von Michael Jackson. Doch seien wir ehrlich, was konnte man schon von einem Jungen erwarten, der nicht das Lieblingskind war und dessen Eltern ihn zur Adoption freigegeben wollten.

Weitere Expertise sammelte ich durch die Lektüre der Tagebücher meiner Cousinen. Mit großem Schrecken las ich darin, dass alle drei auf Cousin Marko standen. Um Schlimmeres zu verhindern, schrieb ich ihnen anonyme Briefe, in denen stand, dass Beziehungen unter Verwandten auf lange Sicht im Desaster enden. Vor allem für die Kinder, die aus solchen Beziehungen entstehen.

Zwei Cousinen wunderten sich, wer da über ihre verbotene Liebe Bescheid wusste, verstanden aber den Wink mit dem Chromosomenpfahl. Die dritte heiratete Cousin Marko. Seitdem lebt sie mit ihm und zwei Kindern in Texas, ihr Leben wurde von Hollywood verfilmt. Ich glaube der Titel war irgendwas mit Kettensägengemetzel oder so.  .

In der Schule habe ich dann Hausaufgaben von meinen Mitschülern abgeschrieben, obwohl ich diese daheim schon gemacht hatte, einzig, um mehr über die Schwächen meiner Mitschüler zu erfahren. Während des Studiums tat ich so, als ob ich meinen Kommilitonen zuhören würde, damit sie mehr Intimitäten von sich preisgaben, die ich gegen sie verwenden konnte. Und während meiner Berufsjahre in der Werbung lästerte ich mit Kollegen über Kollegen, um sicher zu gehen, welche Kollegen über welche Kollegen lästerten. Ich persönlich mochte alle, außer Günther. Den hätte ich als Vater zur Adoption freigegeben.

Zurzeit ist meine Hauptbeschäftigung das Observieren meiner Familie. Das Baby spähe ich mit Hilfe eines sogenannten Babyfons aus, etwaige Stinkbomben decke ich auf, indem ich unbemerkt an seinem Hinterteil rieche. Hier bin ich bereits versiert wie ein Spürhund, der auf das Auffinden von Kinderkacka dressiert ist – quasi ein Scheißhund.

Meine Frau dagegen ist eine echte Herausforderung. Manchmal habe ich sogar den Verdacht, als ob sie ihrerseits durch gezieltes Nachfragen von Nebensächlichkeiten wie z.B. „Wie war dein Tag, Schatz?“ oder „Wie fühlst du dich, Liebster?“ mich ausspähen würde.

Ich meinerseits warte immer, bis sie schläft und kontrolliere dann die Nachrichten auf ihrem Handy.  Das ist meist unspektakulär, da fast alle von mir sind.  Außer die eine von meinem Bruder, in der stand, „Weißt du eigentlich, dass dein Mann als Kind zur Adoption freigegeben werden sollte und ich immer der Lieblingssohn unserer Eltern war?“ Aber wie ich bereits zuvor erwähnt hatte, was soll man von einem Jungen erwarten, der als Kind Wendy-Hefte las und Michael Jackson-Fotos sammelte.  

Kommen wir zu meiner größten Stärke. Es ist zweifelsohne das unbeobachtete Beobachten. Wenn meine Frau mit dem Baby spazieren geht, verfolge ich die beiden so geschickt, dass sie gar nicht merken, dass ich sie verfolge, sondern stets denken, ich würde einfach mit ihnen spazieren gehen – wie naiv.  

Als Letztes möchte ich erwähnen, dass ich auch in sozialen Netzwerken aktiv mit. Dort nehme ich vor allem gerne Freundschaftsanfragen von Menschen an, die ich nur einmal kurz getroffen und kaum mit ihnen gesprochen habe. Es ist unglaublich, wie viel Persönliches man hier erfährt. Dumm nur, dass die überwiegende Mehrheit nicht verwertbaren Unsinn postet.

Dennoch, alles in allem bin ich überzeugt, dass ich die perfekten Voraussetzungen mitbringe, um Ihr Unternehmen gewinnbringend zu verstärken und dem BND als Abhörspezialist gute Dienste zu leisten. Wenn möglich, bevorzuge ich eine Außendienststelle im Café oder Park, wo ich auch mal gemütlich aus der Hängematte oder unter dem Feigenbaum für Sie meine schmalzigen Ohren spitzen und meine kurzsichtigen Augen offen halten darf. Denn mein Motto ist und bleibt: „Von allem ein wenig, aber nie zu viel.“  

Mit den besten Grüßen

Mate-Hari

P.S. Da ich mein Schreiben nicht direkt an Sie schicke, sondern es nur auf meinem Blog veröffentliche, dabei aber sicher gehen möchte, dass sie es auch lesen,  füge ich noch kurz die Worte „Merkel, Bombe, Obama, Sprengstoff, Attentat, Weißes Haus, Terrorangriff, Al Kaida“ und „Döner Kebab“  an.  

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