Bist du auf den Kopf gefallen?

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Ich habe eine komische Tante. Ich meine, ich liebe sie und alles, aber sie ist einer der Menschen, die immer irgendetwas fallen lassen.

Gläser, Teller, Schlüssel, Babys. Ja wirklich, für meine Tante macht das keinen Unterschied. Sie hat schon viermal meine kleine Cousine aus Kroatien fallen lassen. Viermal, Leute, Viermal. Seitdem lispelt die Kleine.

Jetzt mal ernst, wenn es einmal passiert, könnte man noch von einem Versehen sprechen, bei zweimal von einem dummen Zufall. Dreimal wäre auch noch vertretbar, alle guten Dinge und so. Aber viermal? Das klingt schon nach Hobby.

„Und, was machen sie so zum Freizeitausgleich?“
„Ich sammle Punkte. Und sie?
„Ach, ich lass gern Babys fallen. Darf ich ihres auch mal halten?“ Oh, Gott, nein. Weiche von mir, seltsame alte Lady.

Wenn man meine Tante auf ihr schräges Hobby anspricht, winkt sie ab:
„Was ist schon dabei? Kleine Kinder fallen auf den Kopf.“

Kleine Kinder fallen auf den Kopf? Hallo? Spricht meine Tante da aus Erfahrung? Ist sie als kleines Kind auch oft auf den Kopf gefallen? War ihre erste Erinnerung: „Cool, Boden.“ Doosh.

Jeder wie er mag. Wirklich jeder. Sie soll ruhig ihrer Leidenschaft nachgehen. Aber nicht mit unserem Kind. Wir wollen  die Kleine in dem Geiste erziehen, dass es nicht in Ordnung ist, auf den Kopf zu fallen. Dass das nicht gut ist, für die Entwicklung des Köpfchens. „Weil, du willst doch nicht werden wie die Tante, oder?“

Die Kleine wird es schon kapieren, wenn es soweit ist. Nur, jetzt ruft die Tante ständig an: „Neffe, ich hab leckeren Schokokuchen gemacht. Wann sehen wir uns wieder?“

Am Liebsten würde ich sagen: „Zu deiner Beerdigung vielleicht!“ Boah, das war jetzt gemein, ich weiß. Aber ich sag ja nicht, dass ich das gesagt habe, kann mir aber gut vorstellen, dass man liegend im Sarg schlecht Babys fallen lassen kann.

Natürlich besuchen wir sie ab und an. Wir sind katholisch. Sie schenkt uns auch immer Windeln, Schnuller und Spielzeug, wobei ein Sturzhelm und Gelenkschoner passender wären.

Sie will uns mit den Geschenken kaufen, glaube ich. Damit wir ihr die Kleine zum Tragen geben. Und was sollen wir machen? Windeln sind teuer und ich habe kein regelmäßiges Einkommen.

„Du musst jetzt tapfer sein“, flüstere ich unserer Tochter ins Ohr und reiche sie der Tante.

Dann fassen meine Freundin und ich uns an die Arme und beten.
„Bitte, lieber Gott, verschon unsere Maus. Sie ist doch noch ein Baby.“

Es ist die Hölle, Freunde. Vor allem, wenn man das diabolische Grinsen meiner Tante dabei sieht. Den irren Blick, das wilde Lodern. Brennendes Verlangen, das Verbotene zu machen.

Uns ist klar, das wir was unternehmen müssen. Deshalb habe ich heute früh schon beim Jugendamt angefragt, ob sie nicht ein paar ausgesetzte Jungen und Mädchen, so im Alter zwischen zwei und fünf haben, die ein neues zu Hause suchen.

Die nette Frau am Telefon, sagte: „Ja, warum?“
„Na, ja. Ich kenne da jemanden, der viel Zeit hat, sehr großzügig ist und super leckeren Schokokuchen backt.“

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