Lass das Kind in dir raus

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Immer wieder raten einem Experten, öfter mal Kind zu sein. Doch das ist gar nicht so einfach, denn die Meisten von uns wissen nur vage, wie das geht.

„Kind sein?“, fragst du. „Aber ich bin doch schon erwachsen.“ Ja, aber genau das ist doch der Clou.

Hm, überlegst du. „Kann ich das in meinem Unternehmen überhaupt werden? Gibt es dafür eine Abendschulung bei der IHK, übernimmt die mein Arbeitgeber? Und wenn ja, krieg ich danach mehr Gehalt auf mein Konto?

Nein, das nun nicht gerade, aber es ist gut für dein persönliches Lebensglück, deine innere Zufriedenheit, die Reinheit deiner Haut und noch vieles, vieles mehr.
„Ach so, ja, klingt gut. Was muss ich tun?“

Es ist ganz leicht. Kinderleicht sozusagen.

Am Besten bestellst du dir noch heute einen Strampler in deiner Größe. So einen Jumpsuit oder wie die Dinger heißen. Gibt es bei Amazon, Zalandoo und Co. Per Expressversand ist er morgen schon da.

Zieh dir das Teil an und geh schlafen. Denk an deine früheste Kindheitserinnerung. Steck einen Daumen in den Mund und beobachte das Mobile über dem Bett. Schlag dir mit der freien Hand gegen den Kopf, bis du wegschlummerst.

Falls du in der Nacht mal musst, lass es laufen. Im Idealfall besorgst du dir vorher Windeln für Erwachsene, aber es geht auch ohne.

Bring in der früh mit Schreien zum Ausdruck, dass du in deinen eigenen Exkrementen liegst. So was ist immer scheiße.
Schrei solange, bis dir dein Partner die Brust gibt, die Windel wechselt und einen frischen Strampler anzieht. Trete ihn währenddessen mit den Füßen oder beiß ihn in den Arm. Vielleicht hast du auch noch etwas Pipi übrig, um ihn zu markieren. Lach ihn dabei an. Er freut sich bestimmt mit.

Krabbel dann zur Arbeit und steck dir auf dem Weg dahin alles, wirklich alles in den Mund, was dir in die Finger kommt – Kippenstummel, Kaugummis, Essenreste, Hundekot.

Starre in der U-Bahn fremden Leuten ins Gesicht, schneide Grimassen und streck ihnen die Zunge raus. Vielleicht kriegst du auch einen Mittelfinger hin. Nutze alle Fähigkeiten, die du zur Verfügung hast, deine Eltern werden stolz auf dich sein.

Sabbere und spucke auf den Boden, spiel wahlweise mit einer Rassel, dem Schnuller oder deinem Geschlecht. Weine zwischendurch ohne ersichtlichen Grund. Du bist ein Kind, du darfst das.

Hämmere im Monatsmeeting mit deinen Händen gegen den Tisch und wisch mit deinen Armen die ipads, Kugelschreiber und Notizbücher der Kollegen vom Tisch. Zerkaue das Agendapapier und spucke es dem Chef ins Gesicht.

Spiel anschließend mit seinem Gesicht, zieh ihn an den Haaren, steck deine vor Speichel feuchten Finger in seinen Mund und erkunde seine dentale Flora und Fauna.

Wenn der Chef die Ziele für das folgende Quartal erklärt, frage solange warum, warum, warum, bis er vor Verzweiflung auf allen vieren über den nicht kindergesicherten Fensterrand krabbelt.

Wenn dann der Vizechef die Ziele für das folgende Quartal erklärt, rufe solange „langweilig“ dazwischen, bis auch er sich an die frische Luft verabschiedet. Sei nicht traurig über den Verlust, Spielkameraden kommen und gehen. Wichtig ist, du hast deinen Spaß.

Falls du dennoch ein Trauma davon trägst, zieh dich aus und pinkle in eine Ecke des Konferenzraums. Hinterlasse am Besten gleich einen Riesenhaufen und beschmiere damit die Büroräume deiner Kollegen. Blicke sie dabei erwartungsvoll an, als ob du lobende Worte von ihnen erhoffst.

Wenn sie dir diese verweigern, trete ihnen gegen das Schienbein und versteck dich in ihrem Aktenschrank. Dort zerreißt du alle ihre Unterlagen oder malst mit Filzstiften bunte Schmetterlinge drauf. Nutze deinen Kot, falls keine Filzstifte zur Hand sind.

Wenn du keinen Bock mehr auf das ganze Affentheater hast, lass deine Mama/ deinen Papa/Freund/ Freundin/ Lebensabschnittsgefährten ausrufen und dich von ihr/ihm nach Hause fahren. Damit es nicht langweilig während der Fahrt wird, schreie die gesamte Strecke über so laut, dass Außenstehende denken, ein Schwein wird gerade gefoltert – von US Marines.

Verlange daheim nach deinem Brei und einer frischen Windel.
Bewerfe mit dem Essen deinen Partner, versuch dabei sein Auge zu treffen. Lache freudig, wenn du es schaffst. Auch kleine Siege sollte man feiern.

Wenn er sauer wird, fang an zu schmollen und sage ihm, dass er ein fürchterlich ichbezogener Mensch ist und du ihn hasst. Schlag ihn mit der Faust, wenn er dich ins Bett trägt.

Kurz vorm Einschlafen brabbelst du noch ein paar unverständliche Silben und furzt noch mal ordentlich in die Matratze. Steck dir einen Daumen in den Mund und freue dich auf morgen. Kind sein als Erwachsener ist etwas Wunderschönes. Genieß es.

Die ersten Tage werden sicherlich nicht leicht fallen, aber der Einsatz lohnt sich. Neue Freunde, große Lebensfreude und ein Besuch in der Klapse erwarten dich am Ende des Weges. Viel Spaß und Grüße.

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