Es tut mir leid, du Dreckarsch

15941948_sEigentlich bin ich mehr so der friedliche Typ, tue höchstens einer Fliege was zu Leide. Meine einzigen Prügeleien liegen weit in der Vergangenheit. Einmal habe ich mich in der Disco geprügelt, einmal bei einem Junggesellenabschied und schon oft mit meinem Bruder.

Nie habe ich dabei ernsthaft eins auf die Mütze bekommen, nie ein blaues Auge davon getragen. Wenn man so will, waren das nicht mal richtige Schlägereien. Schon gar nicht die mit meinem Bruder.

Aber am Freitag, da wäre es fast passiert. Also beinah, ganz knapp. Ich dachte mir nicht groß was dabei. War gerade von Ottobrunn nach München unterwegs. Habe aus der Werkstatt unser Auto abgeholt. Ein alter schrottreifer Mazda.  Mit nun Winterreifen drauf, neuen Schläuchen unter der Motorhaube, alles tippi toppi wieder. Marder, diese Tiere hatten die alten angeknabbert.

„Und für die Zukunft, Mate. Häng einfach ein paar WC-Steine über die Schläuche. Marder mögen den Gestank von diesen Dingern nicht!“, riet mir Dujo, der Mechaniker zum Abschied.

Nicht nur Marder, Dujo, nicht nur Marder, dachte ich und machte mich auf den Heimweg. Ich gebe zu, ich hatte es ein wenig eilig.

Ich wollte es noch rechtzeitig zum Rossmann schaffen. Weil, wenn du WC-Steine kannst heut noch besorgen, dann verschieb den Kauf nicht auf morgen. Es war kurz vor acht.

Dann geschah es um Haaresbreite. Auf einer großen Kreuzung in der Nähe von Perlach, musste ich rechts Richtung Münchner Osten und mich deshalb links einordnen. Der Abendverkehr war in vollem Gange, vor mir knutschte eine Stoßstange die Nächste.

Als ich zu meinem Vordermann aufschließen wollte, merkte ich nicht, dass ich dabei drauf und dran war, einen Fußgängerweg zu blockieren. Die Ampel mit dem grünen Männchen zeigte grün.

Ich fuhr vor und es war nicht so, dass ich dabei jemanden überfuhr oder so. Nein. Ich behinderte halt einfach mit meinem Wagen potentielle Fußgänger, die vorbei wollten. Ich sah niemanden, der das gerade wollte. Keine Fußgänger weit und breit. Vielleicht war meine Brille verschmiert?

Plötzlich hämmerte jemand aufs Dach unseres alten Mazda. Ich dachte zunächst, es sei ein Marder darüber gehuscht, um sich an die neuen Schläuche zu machen. Diese verdammten Viecher aber auch, wittern sofort das frische Gummi.

Aber nein. Ich drehte mich nach links, stupste mit meinem rechten Zeigefinger meine beschlagene Brille zu recht und was erblickten meine kurzsichtigen Augen da: einen Schrank von einem Mann.

Der Kerl sah wirklich wütend aus, sein Gesicht wie das eines echten Schlägers, bestimmt überragte er mich um eine ganzen Kopf mit seiner Größe. Er erinnerte an einen Zyklopen aus Homers Odysee.

Ein paar Zähne fehlten ihm auch, seinen glasigen Augen nach zu urteilen hatte er und die Perle zu seiner Linken, mit der er natürlich nicht Händchen hielt, bereits ein paar Halbe in der Krone. Liebe sah anders aus.

Für einen kurzen Moment überlegte ich , auszusteigen, um den Rabauken zur Rede zu stellen. Was der Scheiß soll, ob er sie noch alle hat und ob er noch paar auf die Fresse will, wollte ich ihn fragen. Beinahe, fast, sozusagen um Haaresbreite hätte ich es auch getan. Es fehlte wahrlich nicht viel.

Doch dann, dachte ich. Wahrscheinlich kriegst du nur selbst eins auf die Glocke. Und das nicht zu knapp. Der Kerl zerlegt dich, wie ein kleines Kind eine Lokomotive aus Lego. Und alles nur wegen der alten Klapperkiste, die wir fahren. Das ist es doch nicht wert, Kumpel.

Also blieb ich sitzen und verhielt mich ruhig. Der Schläger und seine Braut gingen an den neuen Motorschläuchen vorbei auf die andere Straßenseite. Ich machte die Scheibenwischer an, um möglichen Blickkontakt zu verhindern. Sonst fühlt der sich noch provoziert und zieht mich aus der Karre, dachte ich.

Dann schaffe ich es nie rechtzeitig zum Rossmann, um  WC-Steine zu kaufen, welche die verdammten Marder in Zukunft von den neuen Schläuchen fernhalten.

Ich sag es euch, es gibt Momente im Leben, da bin ich richtig froh, dass ich so ein besonnener und ruhiger Bursche bin. Und, dass ich kein Karate kann oder so. Denn da hätte ich ihm, hoffentlich liest er das hier nicht, bestimmt eins auf die Fresse gegeben, dem Dreckarsch, dem.

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