Ist bei dir noch genug Saft im Kühlschrank?

Frühstück

Es ist gar nicht so einfach, den ganzen Tag nichts zu tun. Das ist harte Arbeit, Freunde. Ständig klingelt das Telefon oder die Türklingel und unterbricht einen aus seinen Tagträumen, man muss die Pakete der Nachbarn annehmen oder stundenlang mit Freunden telefonieren, die an dem Tag gerade frei haben, sich mit ihnen womöglich auf einen Kaffee treffen oder abends mit ihnen ins Kino gehen.

Die sagen dann immer, Mann, Mate, du hast es so gut, musst nicht in der früh aufstehen und zur Arbeit. Aber was soll bitte daran gut sein? Versucht ihr mal, überhaupt aufzustehen, wenn ihr nicht aufstehen müsst. Allein die Entscheidung, bleibe ich jetzt noch ein wenig im Bett liegen oder verlagere ich die Aufwachphase auf die Couch erfordert höchste Konzentration und Hingabe. Was gäbe ich manchmal für einen Tag im Büro.

Für die Figur auch nicht gerade von Vorteil ist das ausgiebige Frühstück mit meiner Verlobten, das täglich zwischen 10 und 11 in meinen Terminplan fest integriert ist – auch an Wochenenden.

Was meint ihr eigentlich, was das für ein Stress ist, wenn mitten beim zweiten Marmeladenbrot der O-Saft alle geht und einer von uns zum Supermarkt muss, während der andere in Ruhe weiterfrühstücken kann, weil die Kleine ganz friedlich in ihrem Bettchen schläft. Nein, wirklich, das möchte ich keinem von euch zumuten. Manchmal gehen wir auch in ein Café, weil das mit dem Saft uns so fertig macht.

Und was ist mit der ganzen freien Zeit, die man sich selbst einteilen muss? Ihr habt wenigstens feste Strukturen und Aufgaben, die euch vom zu viel nachdenken ablenken. Aber ich muss mir ständig was Neues einfallen lassen.

Ich habe gerade so viel Zeit, dass ich oft gar nicht so recht weiß, wohin mit ihr. Eine Geschichte schreiben, lesen, mit der Verlobten Backgammon spielen, mit der Kleinen spazieren gehen oder einfach gemütlich das neue Album der Babyshambles hören – die plötzliche Freiheit überfordert mich total.

Gestern haben meine Verlobte und ich aus lauter Langeweile ein kleines Filmchen gedreht. Nicht jetzt, was ihr denkt. Etwas zum Oktoberfest. Das war eine Herausforderung, sie zu überreden, mitzuspielen.
„Na, gut, aber nur, wenn keiner erkennt, dass es mein Bauch ist, der da zu sehen ist“, meinte sie endlich. Versprochen, Liebste.

Und danach? Der Tag verstreicht wie Butter auf Brot und plötzlich ist schon draußen dunkel, ohne dass ich irgendetwas Sinnvolles getan habe. Dann denke ich ein wenig über meinen Müßiggang nach und schon wieder gehen ein paar Stunden drauf, während ich absolut nichts tue. Oder vielleicht ein kleines Nickerchen einlege.

Nachdenken, Schlafen, über den Sinn des Daseins sinnieren – mir ist aufgefallen, dass ich jetzt genauso wenig Zeit habe wie damals, als ich noch täglich zur Arbeit gegangen bin. Nur, dass mir nun die meditative Ablenkung einer monotonen Tätigkeit fehlt, die mich früher so herrlich zerstreut hat.

Manchmal sehne ich mich schon zurück nach einem festen Karriereplan und einem Vollzeitjob. Aber mittlerweile brauche ich so lange, um meine Gedanken zu ordnen und in die Gänge zu kommen, dass ich überhaupt gar keine Zeit mehr hätte, vierzig Stunden die Woche zu arbeiten. Geschweige denn Karriere zu machen.

Von daher ist das schon ganz gut, wie es momentan läuft. Nur die Sache mit dem Geld stört mich ein wenig. Den ganzen Tag nichts tun, bringt noch nicht so viel ein. Zum Glück ist heute der Steuerbescheid für 2012 gekommen. Keine Ahnung warum, aber ich bekomm einiges zurück. Das verschafft mir etwas Luft, beziehungsweise Zeit, um vielleicht bald auch eine Lösung für meine Finanzen zu finden. Bis dahin hoffe ich, ist noch genug Saft im Kühlschrank.

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