Wie ich Arnold Schwarzenegger auf die Füße trat

2Pac_Zitat
Analysier das. Gestern im Schlaf arbeitete ich auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung hinter der Bar. Neben mit stand ein bekannter kroatischer Schlagersänger. Mladen Grdovic war vor allem dafür bekannt, dass er gerne einen über den Durst trank und dann betrunken mit seinem Ferrari gegen Mauern fuhr. Und dann die Mauern verklagen wollte, weil sie ihm nicht ausgewichen sind. So ein Dummkopf. Oder Suffkopf. Oder dämlicher Suffkopf. Aber er konnte singen, Freunde. Roland Kaiser lausige Krähe dagegen.

Mladen schimpfte mit mir. „Jebemu mater*,Mate.“ Ich solle den Tequila nicht exakt bis zur Messmarkierung einschenken, so bleibe weniger für ihn übrig, sagte er, zischte drei Stamperl auf Ex und verschwand hinter der Bühne. Sein Auftritt stand bevor. Schnitt.

Michael Douglas trat ins Bild. Schön gekämmt, grau meliert, maßgeschneiderter Anzug. Wahnsinn. Was machte der in meinem Traum, dachte ich in meinem Traum. Mladen Grdovic hörte ich regelmäßig, wenn ich mit meinem Ferrari um die Häuser zog.

Ferrari, den mexikanischen Zeitungsausträger, kannte ich aus der Resozialisierungsgruppe für Burnout-Patienten im Traum zuvor. Er fiel während der Arbeit um, als er versuchte, eine Süddeutsche Zeitung in einen viel zu kleinen Briefkasten zu schieben.

„Weißt du, Mate. Ich konnte den Druck einfach nicht mehr ertragen, die Verantwortung, jeden Morgen pünktlich die Zeitung zu liefern. Und dann noch die schlechten Schlagzeilen darauf, das machte mich echt fertig“, sagte er beim ersten Treffen der Reso-Gruppe „Zurück zum Glück“ zu mir. Ich wusste genau, wie er fühlte und wir wurden gute Freunde, doch ich schweife ab. Schnitt.

Ich war kein großer Fan von Michael Douglas. Klar, ein paar seiner Filme mochte ich gern. „Falling Down“ „The Game“ oder „Wall Street“ zum Beispiel. Aber jetzt auch nicht so sehr, dass ich unterbewusst besonders viel darüber nachdachte. Trotzdem. Michael Douglas stand neben mir. Nach kurzem Smalltalk, er fragte mich, wie es meiner kleinen Tochter gehe, ich fragte ihn, wie es seinen Hoden gehe, kam mir eine Idee.

„Michael“, sagte ich, „darf ich dir auf den Schuh steigen?“
„Aber Mate“, sagte Michael Douglas.
„Warum willst du das machen?“
„Na, damit ich meinen Freunden erzählen kann, dass ich Michael Douglas auf den Fuß getreten bin!“

Michael Douglas fand das sehr originell und ich konnte es kaum erwarten, meinen Freunden davon zu erzählen. Ich trat ihm auf den Schuh. Wir lachten. Schnitt.

Ich bin ein Kind des Meeres. Meine Mama ist Dalmatien. 

Auf der Bühne sang Mladen Grdovic seinen größten Hit „Ich bin ein Dalmatiner“. Doch mitten in der zweiten Strophe verschwand er hinter einer Säule und drückte dort auf den PLAY-Knopf eines Kassetenspielers. Im gleichen Moment hörte er auf zu singen und sackte zu Boden. Seine Stimme hallte vom Band genau dort weiter, wo er aufgehört hatte zu singen. Wie sagt man so schön, dämliche Suffköpfe und kleine Kinder schützt der liebe Zufall. Schnitt.

Plötzlich kam Arnold Schwarzenegger ins Bild. Schneidiger Kurzhaarschnitt, braun gebrannt, schwarze Lederjacke. Der Kindergartencop. Der Zwilling von Danny De Vito. Conan, der Barbar. Der Terminator. Arnold Schwarzenegger, Freunde.

„Hey Arnie, sprich mit meiner Hand“, sagte ich zur Begrüßung und hielt ihm meine rechte Handfläche vors Gesicht.
„Ha ha, lustig, du Wicht. Was macht ihr Witzbolde da?“
Arnold Schwarzenegger hatte beobachtet, wie ich Michael Douglas auf den Schuh gestiegen bin.

„Ich bin Michael Douglas auf den Schuh gestiegen, um meinen Freunden davon erzählen zu können!“, sagte ich zu Arnie, als mir eine noch genialere Idee in den Sinn kam.
„Hör mal, Arnie“, sagte ich. „Darf ich dir bitte auf den Schuh steigen?“
„Aber, Mate“, sagte Arnold Schwarzenegger.
„Warum willst du das machen?“
„Na, ja“, begann ich.
„Michael Douglas auf den Fuß zu treten ist schon ganz nett. Aber jetzt nichts gegen dich, Michael…“, ich blickte Michael Douglas an, der nahm mir das nicht übel. „… aber Arnold Schwarzenegger auf den Fuß zu treten, ist schon noch mal eine Schuhnummer größer.“

Arnold Schwarzenegger lachte. Wer mochte es nicht, wenn man ihm schmeichelte. Wir high fivten und ich stieg ihm auf den Schuh. Dann lachten wir alle drei und wunderten uns, warum niemand vorher auf diese  Idee gekommen ist. Die Wege des Unterbewusstseins waren halt unergründlich. Schnitt.

Die Morgendämmerung brach an. Der Tequila versiegte. Vor der Tür traf ich Ferrari „Und, wie war deine Nacht?“, fragte ich ihn. Ich konnte es kaum erwarten, ihm zu erzählen, dass ich Arnold Schwarzenegger auf den Fuß getreten bin. „Ach, so ein verrückter kroatischer Schlagersänger ist total betrunken auf meinen Rücken gesprungen, um nach Hause zu fahren. Aber wir haben es dann nur bis zur nächsten Mauer geschafft. Und bei dir?“  Doch, ach. Als ich gerade beginnen wollte, klingelte der Wecker und alles war verschwunden. Außer der Gedanke, dass Mladen Grdovic wirklich weniger trinken sollte. Schnitt.

*„Fick die Mutter“. Bekanntes kroatisches Schimpfwort. Anm. d. Verf.

Nachtrag: Auf diese Geschichte hin hat sich tatsächlich ein Traumdeuter gemeldet. Dabei hat er nicht nur die wahren Motive meines Unterbewusstseins aufgedeckt, sonder auch die dunkle Seite der Augustiner Brauerei. Doch lest selbst die Deutung 

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