Bitte speak Deutsch mit mir

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Benny Beispielboy betrachtete sein Leben unentschieden. Er war weder zufrieden noch unzufrieden damit. Natürlich, manchmal ging es ihm wie uns allen vielleicht zu schnell und zu wenig tief. Vor allem, was die Liebe anbetraf. Aber das Vokabular seiner Freundin Susie Careless machte es auch nicht gerade einfach.

Im Fernsehen sah er einen Bericht über das „Downshiften“, doch allzu viel verstand er nicht. Was sollte das heißen, „Downshiften“ und wie buchstabierte man das überhaupt?

Er ging zur Universität und sprach einen Studenten der Germanistik an. „Du sag mal, kannst du mir erklären, was downshiften bedeutet?“, fragte Benny. Der verschlafene Germanist blickte von seinem fernöstlichen Diwan auf und zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, Alter. Das hört sich Englisch an. Frag doch mal nen Anglizisten.“ Benny tat das.

„Well, downshiften, dude, that is so was wie the gear rausputten, the Speed slowen and the aim neu goalen.” “What?”, stutzte Benny, der kein Wort verstand. “Runterschalten, Mann. Downshiften bedeutet runterschalten und jetzt go with the flow, bro.“

Benny stutzte. Downshiften hieß also runterschalten und war das neue Modewort in der Berufswelt. Aber wie sollte er runterschalten, wenn er nicht mal einen Gang eingelegt hatte, wenn er noch nie richtig hoch geschaltet hatte, wenn er nicht mal regelmäßig schnell schaltete? Damn it, Digger, der Gedanke ließ ihn nicht los.

Geknickt ging er in die Arbeit und driftete weiter in die falsche Richtung ab. Der Chef kam an seinen Tisch und motzte.„Oh, Benny, Benny Beispielboy. Was soll der blank an dieser Stelle?“ Herr Oberschlau tippte mit dem rechten Zeigefinger auf Bennys Stirn. „Du musst besser performen, Junge, performen. So erreichst du deine Benchmark doch nie und dann, sorry, aber dann müssen wir dich leider for the sake of the corporate benefit in die Bedeutungslosigkeit hinaus droppen.“

Herr Oberschlau redete immer so mit seinen Mitarbeitern und auch wenn nie jemand wusste, was er genau meinte, taten alle so, als ob sie es wüssten. Und nickten artig mit den Köpfen. Vielleicht, um nicht aufzufallen, nicht anzuecken. Vielleicht um weiterhin eine ruhige Kugel unter ihrer Glasglocke schieben zu dürfen, dachte Benny und dann dachte er weiter, dass er da auch nicht groß anders war.

Aber seine Arbeit war ihm egal. Was ihn wirklich betrübte, war, dass seine Freundin auch so komisch sprach wie Herr Oberschlau. Er müsse „besser performen“ und nicht immer „asap“ kommen, damit sie endlich auch mal ihr gewünschtes „Benchmark“ erreiche. Sonst hieße es soon bye, bye, my sweet pie.

Das Blöde war, weil Benny keinen clue hatte, was seine Freundin wirklich meinte, konnte er sich nie richtig auf das Wesentliche konzentrieren. Er nutzte all seine Kraft dafür, zu verstehen, was sie sagte und hatte dann keine Kraft mehr dafür, den change-request beim nächsten release richtig auszuführen. Ein Teufelskreis.

„Performance“ nicht mehr im Sortiment 

Als Feierabend war, ging Benny auf dem Weg nach Hause noch schnell in den Drogeriemarkt. Seine Freundin brauchte einen neuen Haarfestiger. „Only Vidal Ultrataft Deluxe Deluxe Extrastrong, dear“ schrieb sie ihm auf ein Post-It. Wieder so eine versteckte Botschaft, mit der er nichts anfangen konnte. Aber wo er schon mal da war, versuchte er sein Glück mit einem Schuss ins Blaue. Er fragte eine Verkäuferin, die Müslipackungen etikettierte. „Sagen sie mal, gute Frau, haben sie nicht vielleicht eine Creme zum besser Performen oder so. Ich brauch die dringend, sonst erreich ich womöglich die Benchmark in der Arbeit und bei meiner Freundin nicht und muss womöglich für längere Zeit dann auf die Bench. Und das wär wirklich crap für meine work life balance.“

Die Verkäuferin hörte kurz auf, ihren Kaugummi zu chewen und blickte ihn mitleidig an. Benny war sich nicht sure, ob er die Worte, die er verwendete, richtig verwendete. „Die Performance Peak Energizing Creme führen wir leider nicht mehr im Sortiment, sir.“, sagte sie und etikettierte weiter.

Traurig begab sich Benny heimwärts und droppte seinen Kopf noch lower als er eh schon war, so dass er fasst den Ground damit touchte. So walkte er die Line zickzack home.

Als er die Wohnungstür aufsperrte, glaubte er, den key zum success für immer gelostet zu haben. Er hatte den point of no return erreicht. Aber immer wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein little light along. Heureka, dachte Benny. Vielleicht und dabei jonglierte er mit Worten, dessen Bedeutung er nur vage ahnte, shifte ich meine Performance beim loveplay einfach ein wenig down, optimiere damit meinen love-flow und erreiche so Susies goal.

Ja genau, so mach ich das, sagte er sich. Benny zog seine Pants aus, seine Shorts und machte sich auf den Weg ins Schlafzimmer. Es war Zeit fürs Reinvestment.

Doch leider ging seine winning strategy nicht auf. Susie Careless war beziehungstechnisch bereits umdisponiert. Sein Chef, Herr Oberschlau rebriefte sie gerade in einem very important meeting und sie committete sich recht partnerschaftlich zu ihm.

Benny stand in der Tür und blickte unentschieden aufs Bett. Er überlegte sich ernsthaft, ein Sabbatical zu nehmen und sein Leben neu zu überdenken. Eines wurde ihm aber jetzt schon klar. Der Satz „for the sake of corporate benefit“ musste inhaltlich einfach falsch sein.

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