Hau in die Tasten, Hipster!

Foto-1

Woody Allen hat eine, Patricia Highsmith hatte eine und jeder Hipster dieser Stadt wird sich eine besorgen. Auch wenn ich kein Hipster war und wohl nie so gut schreiben würde wie Woody und Patricia, wollte auch ich eine Schreibmaschine mein eigen nennen. Alleine schon wegen dem klick, klick, klick und bling am Ende.

Also suchte ich im Netz nach Angeboten und wurde fündig. Eine nette Frau mittleren Alters bot die alte Olympus Splendid ihres Vaters zum Verkauf an und ich hatte nichts Besseres vor als sie mir zu holen. Zwanzig Euro waren auch nicht die Welt.

Die Frau wohnte abseits der Stadt in einer morschen Hütte im Wald. Mit Navigationsgerät war der Weg erst gar nicht zu finden, ich musste mich allein auf meinen Instinkt verlassen. Ein seltsames Gefühl überkam mich, die Schreibmaschine höchstselbst werde mir schon den richtigen Weg weisen, denn sie hatte mich als ihren neuen Besitzer auserkoren. Ich spürte, sie wollte mir etwas erzählen.

Es war schon dunkel, als ich zur Hütte fand. Die Wolken am Himmel zogen sich zusammen, bestimmt würde es gleich blitzen und donnern. Ich bekam es ein wenig mit der Angst, ließ mich aber dennoch nicht beirren. Nun war ich schon hier und von mir aus konnten die Jäger auf ihren Ansitzen mit leeren Händen nach Hause gehen. Ich ging nur mit meiner neuen alten Olympus heim.

In der Hütte brannte Licht, doch kein Geräusch drang nach außen. Ich hörte nur ein uhu, uhu eines Uhus und das Säuseln der Blätter im Wind. Ich klopfte an die massive Eingangstür, mehrmals, niemand wachte auch, äh ich meine machte auch, aber auch wachte hatte hier durchaus seine Daseinsberechtigung. Die Olympus Splednid hatte nämlich keine Editierfunktion. Natürlich konnte ich das zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen. Und auch nicht, was ich im Inneren der Hütte vorfinden würde. Das durch Botox und Schönheits-OPs verunstaltete Gesicht von Costa Cordalis war eine ansehnliche Maiblume dagegen.

Eine Frau, vermutlich die Nette, mit der ich wegen der Schreibmaschine telefoniert hatte, lag tot auf dem gemütlich aussehenden Diwan. Um ihren Hals war ein rotes Farbband DIN 3102 wie ein wohliger Schal geschnürt. Jemand musste sie erdrosselt haben.

War es die womöglich die oh mein Gott die Schreibmaschine selbst, die sie ermordet hatte? Vielleicht, weil sie das brutale Hämmern auf ihre Tasten, die ständigen Tippfehler und die schlechte Schreibe im Allgemeinen nicht mehr ertragen konnte und sich endlich nach einem Geschichtenerzähler sehnte, der ihrer würdig war? War ich der?

Na ja, dachte die Olympus Splendid, Woody Allen oder Patricia Highsmith wären mir lieber, aber was soll´s, in der Not tippt das Farbband Brot und besser als noch so ein versnobbter Hipster ohne Modegeschmack. Ich nahm die tote Frau genauer unter die Lupe. Sie trug ein hässliches Holzfällerhemd, Karottenjeans aus Bio-Baumwolle, knöchelhohe Chucks und eine schwarze Kunststoffbrille von Gucci & Gabbana.

Und wenn er es nicht drauf hat, dachte die Schreibmaschine ihren Gedanken zu Ende, muss er halt auch dran glauben.

Ich ging zur Olympus rüber und setzte mich vor sie. Ein bereits zur Hälfte betipptes Blatt war eingespannt und lud mich zur Lektüre ein. Der erste Satz war erschreckend:

„Wer diese Zeilen liest, wird in sieben Tagen sterben.“

Heiliger Hitchcock, dachte ich und zuckte zusammen. Mein Herz rutschte in meine Boxershorts, Gänsehaut bedeckte meinen Körper. Ich zitterte wie ein Aal, den man mit einem Elektroschocker malträtierte. Was soll ich nur tun?

Dann fasste ich Mut. Mit leeren Händen wollte ich nicht verschwinden, sollte der Preis noch so hoch sein. Den Tod empfand ich als weitaus weniger tragisch als das traurige Schicksal des Gesichts von Costa Cordalis.

Plötzlich setzten sich die Tasten der Schreibmaschine wie von Geisterhand betrieben selbst in Bewegung. Die Olympus tippte die Worte:
„Woody Allen hat eine, Patricia Highsmith hatte eine und jeder Hipster dieser Stadt wird sich eine besorgen…“

Klasse, dachte ich. Die 50jähirge Olympus Splendid und ich funken auf der gleichen Welle. Ein Herz und eine Seele. Sie schreibt den gleichen Scheiß wie ich und noch dazu von ganz alleine.

Und so packte ich die Schreibmaschine in ihre schwarze Ledertasche, sie bestand darauf, weil sie meinte, draußen würde es gleich blitzen und donnern, und machte mich aus dem Staub. Nicht aber ohne die vereinbarten zwanzig Euro, den Kaufpreis, dazulassen. Ich war kein Dieb und Deal war Deal. Die nette tote Hipster-Lady konnte das Geld sicher noch gut für das Begleichen der Bestattungskosten gebrauchen.

Woddy Allen und seine Schreibmaschine
Patricia Highsmith und ihre Schreibmaschine
Hipster
Das aktuelle Gesicht von Costa Cordalis
Maiblume
PDF des Originalmanuskripts- nur echt mit Rechschreib-, Grammatik- und Formfehlern

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s