Wie ist ihr Name bitte?

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Ich hasse diese Menschen, die nach dem Namen fragen. Und zwar nicht, weil sie dich kennen lernen möchten, sondern weil sie dir damit drohen. Sie wollen sich über dich beschweren. Bei deinem Vorgesetzten oder Chef. „Sagen sie mal, wie ist ihr Name bitte. Ich werde mich über Sie beschweren.“ Diese Arschgeigen.

Zum Glück habe ich keine Vorgesetzten und man muss schon regelmäßig und voller Leidenschaft sein Abendgebet runterbeten, um sich bei meinem einzig wahren Chef über mich beschweren zu können.

Das Fatale ist nun, meine Freundin scheint auch eine von denen zu sein, die den Namen wissen wollen. „Aber nur, wenn ich Hunger habe“, wiegelt sie ab. „Schreib das in deine Geschichte rein.“ Ich bin mir noch unschlüssig, ob ich ihr wirklich glauben soll.

Neulich gingen wir zum T-Shop, T für Telekom oder Trottelverein, sucht euch was aus. Unser Telefonvertrag war abgelaufen und wir mussten den Media Receiver zurückgeben.
„Leider kann ich den nicht annehmen. Bitte schicken Sie ihn per Post zurück.“, sagte der junge Mann, der uns bediente. Er freute sich schon auf seinen Feierabend. Den, den ihm meine Liebste vermiesen wollte.

„Aber in den Unterlagen steht, wir können den Receiver in jedem beliebigen T-Shop abgeben“, sagte sie.
Der junge Mann schnaufte. Seit fünf Minuten hatte der Laden bereits zu.
„Aber wir haben noch nie hier einen Receiver zurückgenommen.“
„Dann wird es heute das erste Mal sein.“ Meine Liebste war Juristin und sie kämpfte um ihr Recht. „Denn so steht es in den Unterlagen.“
„Da muss ein Fehler vorliegen. Tut mir leid. Ich kann ihnen leider nicht weiterhelfen“, sagte der junge Mann, der nervös wirkte und ständig auf die Wanduhr blickte.

Ich verfolgte das Duell der beiden wie früher die Tennisspiele zwischen Boris Becker und Goran Ivanisevic. Wer würde den alles entscheidenden Punkt machen, das Match für sich entscheiden? Am Ende hieß es Deuce, als meine Liebste die ultimative Waffe aus der Tasche zog. Quasi das Ass im Tennisarm.

„Sagen sie mal, wie ist ihr Name bitte?“ Ich rutschte in den Keller und buddelte imaginär noch tiefer. Nicht auch du, meine Süße. Als wir den Laden verließen, nahm ich den überforderten T-Shop-Mitarbeiter in den Schutz.
„Der kann doch nichts dafür, Liebste“.
„Ja, aber in den Unterlagen steht, dass man den Receiver in jedem T-Shop zurückgeben kann.“, verteidigte meine Freundin ihr Verhalten.
„Das mag ja sein, aber gleich den Kerl nach seinem Namen fragen!“, blickte ich sie vorwurfsvoll an. Sie blickte zu Boden.
„Ich kann nichts dafür. Ich bin schwanger und hab Hunger!“, sagte sie.
Wir gingen zum nächsten Italiener und ich fütterte sie mit Spaghetti. Sie beruhigte sich. Das Essen schmeckte lecker, so dass wir den Namen des Kochs heute nicht erfahren würden.

Die Mutter der Dreistigkeit

Am nächsten Tag standen wir im Tengelmann vor dem Pfandflaschenautomaten. Meine Liebste schob fleißig die leeren Flaschen in die dafür vorgesehene Öffnung. Der gestrige Vorfall war längst vergessen, als eine komische Tante um die Ecke bog. Sie trug eine beige Anzughose und ein weißes Blusenhemd, hatte einen strengen Gang drauf und in der Hand einen leeren Kasten Mineralwasser. Sie streckte ihn mir entgegen. Oh, ein Geschenk, dachte ich. Eine Spende für die junge Familie, doch denkste. Die Tante forderte völlig humorfrei, „Ich hab nur den Kasten, lassen sie mich vor!“

Bestimmt war sie es gewohnt, dass jeder gleich spurte, wenn sie knurrte. „Gerne“, sagte ich, „aber meine Freundin schiebt unsere Flaschen bereits in den Automaten.“ Am liebsten hätte ich die Tante hinterher geschoben, aber ich zweifelte, ob man für sie überhaupt Pfand kassiert hätte. Ich beherrschte mich.

Da meinte sie, „und ihre Freundin kann das jetzt nicht kurz unterbrechen, damit ich schnell dran komme?“ Heiliger Hannes, die Mutter der Dreistigkeit stand vor der Tür und bettelte um Einlass.

Was bildest du dir ein, du dumme Alphaprimatin. Meine hochschwangere Freundin soll jetzt den Platz räumen, damit du deinen scheiß Kasten abgeben kannst, dachte ich, sagte aber nur, „Nein, das kann sie nicht.“
„Sie sind aber freundlich!“, sagte die Tante.
„Ja, aber nur, weil sie so freundlich sind“, antwortete ich.

Da holte die Tante ihre Geheimwaffe aus der Tasche.
Sagen sie mal, wie ist ihr Name bitte?“, fragte sie.
Ich lachte. Oh Herr, hilf.
„Knie“, sagte ich.
„Und weiter, Herr Knie.“
„Herr ficken sie sich ins Knie!“
Der Tante fiel beinah der Kasten aus der Hand, sie stellte sich hinter uns in die Reihe.

Große Macht bringt kleine Suppe

Gestern waren wir dann beim Thailänder zum Essen. Ich wollte ein kleines Thai Curry Menü mit einer Suppe haben. Aber die Bedienung meinte, dass ich kein Thai Curry Menü mit Suppe haben könne.

„Aber ich bekomme das immer so hier.“, sagte ich.
„Das haben wir aber noch nie so gemacht hier.“, sagte sie.
„Aber alle machen das so hier.“, sagte ich.
„Also ich arbeite schon seit 5 Jahren hier und habe das noch nie so gemacht.“, sagte sie.
„Aber…“, fing ich an, doch die Argumente gingen mir aus.

Da erinnerte ich mich an die Vorfälle der letzten Tage.
„Sagen sie mal, wie ist ihr…“, begann ich, brachte den Satz aber gar nicht zu Ende. Die Bedienung verstand und gab mir die Suppe zum kleinen Thai Curry Menü. Und das war gut so, denn ihren komplizierten Namen hätte ich mir eh nicht merken können.

Seit diesem Vorfall muss ich sagen, ab sofort hasse ich die Menschen ein wenig weniger, die nach dem Namen fragen. Wenn man den Satz weise benutzt, kann er Türen öffnen und Suppen aufs Tablett zaubern. Aber man muss vorsichtig mit dieser geheimen Waffe umgehen. Denn seit dem Spiderman-Film wissen wir, große Macht bringt auch große Verantwortung mit sich. Und manch einer hat dabei schon einen roten Kopf gekriegt.

In dem Schreiben der Telekom stand übrigens, dass man den Media Receiver in jedem beliebigen DHL-Shop, also DHL nicht T, abgeben könne, aber das ist eine andere Geschichte. Und nachdem meine Freundin satt war, auch egal.

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2 Gedanken zu “Wie ist ihr Name bitte?

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