Setze jeden Tag etwas in Bewegung

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Die Menschen, die sich am meisten nach Glück sehnen, sind oft die Unglücklichsten unter uns. Trotzdem. Ist es nicht besser nach dem Glück zu streben und es vielleicht dabei zu verfehlen als nie danach gesucht zu haben? Ist es nicht so, dass jeder Mensch einzigartig ist? Sollte dann nicht auch jeder Mensch einen einzigartigen Weg gehen? Seinen eigenen?

Keine Ahnung, ob das deine Fragen sind, aber es sind meine.

Am Freitag hatte ich ein Vorstellungsgespräch bei einem Reiseunternehmen. Sie suchten einen Texter, der Reisen beschreiben sollte; für Kataloge, Zeitschriften, Newsletter und Werbemittel. Der Job war nicht fest, keine Vollzeit, freie Mitarbeit – das hörte sich gut an.

Ich zog ein frisches Hemd an und nähte den obersten Knopf auf meine braune Stoffhose. Mit einem feuchten Tuch wischte ich den Dreck von meinen Sneakers und putzte mir die Zähne. Vorstellungsgespräche waren wie Dates, da hieß es Eindruck schinden beim ersten Mal. Wer weiß, vielleicht war das der/die, welcher/welche.

Wenn man mal ehrlich war und auf seine innere Stimme hörte, spürte man sofort, ob das etwas Langfristiges, ein kurzes Techtelmechtel oder ein Griff ins Klo werden würde.

Mein Vorstellungsgespräch war letzteres und so beendete ich es nach rund 45 Minuten. Der Plausch mit dem Personaler und der Werbeleiterin lief steif, obwohl es eigentlich hätte geschmeidig flutschen sollen. Die beiden waren nett, auch wenn etwas ungelenk. Aber graue Teppiche im Flur, Beamtenatmosphäre, Urlaubsperre im Sommer, starre Bürozeiten und Textproduktion in Akkordarbeit – es hörte sich nach einem Traumberuf für jemand anderen an. Die Stelle war keine freie Mitarbeit, sondern feste Knechtschaft.

Es fiel mir schwer, abzusagen. Ich hatte bald eine kleine Tochter zu versorgen, brauchte ein regelmäßiges Einkommen und musste mich vor meinen Eltern rechtfertigen. Quälende Sätze ertragen wie, „Junge, jetzt ist aber mal Zeit“, „Das ist doch alles brotlos, was du vorhast“ oder „Wann wirst du endlich erwachsen?“ waren drei davon.

Wer bestimmte denn, dass es Zeit war oder nicht? Und wofür? Deine Eltern, deine Freunde, deine Vorgesetzten oder du?

Nach einigen mehr oder wenigen gelungenen Beziehungen bin ich nun bei der richtigen Frau angekommen. Es hat eine Weile gedauert, aber als ich sie traf, wusste ich recht schnell, dass sie es war.

Das Coolste an ihr ist, sie lässt mich so sein, wie ich bin und unterstützt mich in allem, was ich vorhabe. Sie glaubt an mich und stellt keine Forderungen. Gut, außer vielleicht, dass ich Toilette putze und Rasen säe. In der Früh stellt sie mir den Wecker, damit ich aufstehe und mich zum Schreiben hinsetze. Sie besteht darauf, dass ich das mache, was mir Spaß macht und lasse, was ich hasse. Sie war es, die meinte, der Job im Reiseunternehmen sei nicht das Richtige für mich.

Ohne dass sie es explizit so formuliert, bringt sie mir Tag für Tag folgendes bei:
Denk an deine Träume und schmück sie aus – immer, wenn du schlafen gehst, kurz nach dem Aufwachen und zwischendurch. Du lebst nur einmal. Setze jeden Tag etwas in Bewegung, um deinen Zielen einen Schritt näher zu kommen. Umgib dich nicht mit Kleingeistern, sondern ausschließlich mit Menschen, die dir Mut zusprechen und an dich glauben. Allen anderen sagst du: Leck mich, ich hab heut keine Zeit für dich. Und morgen auch nicht. Du schaffst das, ich glaub an dich.

Um es kurz zu machen, sie hilft mir, meinen Weg zu gehen und macht mich glücklich. Ich liebe sie. Ohne ihre Unterstützung wäre ich aufgeschmissen. Warum sollte das in einer beruflichen Beziehung anders sein?

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