Spiel die Hauptrolle in deinem Film

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Neulich schlief ich from dusk till down, als mich ein Biss zum Morgengrauen weckte. „Ich kann tote Menschen sehen!“, sagte die nackte Frau neben mir im Bett und glitzerte wie ein beknackter Vampir in der Sonne. In der Ecke quengelte Harry Potter nach seinem Pausenbrot.

Wer bin ich und wo, schoß es mir durch den Kopf. Die gelben Post-Its auf meinem Körper verrieten es nicht. Der Wecker hatte sein letztes Stündlein geschlagen. Weg mit ihm zu den anderen Leichen in Keller. Auf den Friedhof der Kuscheltiere. Sollten die doch mit ihm ein Texas Chainsaw Massacre veranstalten.

Im Bad grüßte mich das Murmeltier. Das machte es in letzer Zeit täglich. Als ich mich dem Duschvorgang näherte, bekam ich Hitchcock. Aus dem Off lief der passende Soundtrack dazu. Voll Psycho. Robert de Niro schaute mich aus dem Spiegel mit Iro-Frisur an, zückte seine Knarre und fragte, ob ich mit ihm reden würde.

„Nein Mann, aber ich mache dir ein Angebot, dass du nicht ablehnen kannst“, sagte ich, stürmte aus Zimmer 1408, sperrte es ab und warf den verbotenen Schlüssel aus dem geheimen Fenster zum Hof. Im Schatten des tree of life, direkt unter dem Baumhaus stand der dritte Mann. Er beobachtete mich. Immer mehr Vögel gesellten sich dazu.

„Hey!“, unterbrach die Frau in Schwarz die thrillergeladene Szenerie. Ich erinnerte mich an sie und unsere Legenden der Leidenschaft im Haus am Meer. Es war meine schwangere Freundin. Noch neuneinhalb Wochen,  dann war es so weit.

Sie fragte mich, ob wir bei Tiffany frühstücken wollen. So ein richtiges Breakfast of Champions. Na gut, dachte ich. Aber nur wenn Shorty, Vincent und Lenin auch mitkommen.

Fünf vor zwölf standen meine Freundin und Tiffany vom Tisch auf. Wenn es um Pünktlichkeit ging, waren  beide erbarmungslos. „Wir müssen den Todeszug nach Yuma erwischen. Goodbye, Lenin.“, sagten sie.  Von Shorty, Vincent und mir verabschiedeten sie sich nicht. In der Ecke spielte ein Obdachloser auf der Mundharmonika das Lied vom Tod.

Da schnappte Shorty durch und fragte Vincent, ob er ans Meer wolle. Ja, sagte Vincent, aber nur wenn Shorty wisse, wie man einen Big Mac in Europa nenne. Keine Ahnung, sagte Shorty, er esse nur Döner. Da gäbe es eine gute Kebab Connection in Chinatown.

Was denn mit mir sei? Ich wollte sagen, dass ich noch Soldat James Ryan aus dem Netz der Spinne befreien müsse, als mein Handy klingelte. Eine computerverzerrte Stimme drohte: „Nicht auflegen. Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast. Simon sagt, in sieben Tagen stirbst du.“

Auch Superhelden stehen Schlange

Na gut, dachte ich, aber erstmal zu Penny. Die Milch war alle und mit der Pasta war es auch schon basta. Vor mir in der Schlange stand Batman mit einer Packung Gummis in der Hand. „Für Robin“, sagte er und fügte hinzu „wenn der Postmann zweimal klingelt.“ Hehe. Ich verstand. Auch der Joker lachte.

Plötzlich ein Scream. In blutverschmiertem weißen Unterhemd stürmte John Mclane den Laden. Er haderte mit seinem Schicksal und fragte sich, warum die gleiche Scheiße dem gleichen Mann zum x-ten Mal wieder passierte. Diesmal sogar in 3D.

„Stirb langsam!“, sagte er zur Kassiererin, und „ Yipi Ya Yeah, Schweinebacke!“ Sie schüttelte genervt den Kopf und wich den Kugelsalven wie Neo in Matrix aus. „Ich bin zu alt für diese Scheiße!“, sagte sie und scannte munter weiter. Dann fragte sie Batman, ob er Punkte sammeln würde.

Hinter Batman fragte ein mit Steroiden vollgepumpter, botoxgespritzter Österrreicher in schwarzer Lederjacke die Kassiererin.: „San sie Sarah Conner?“

Da ließ die türkische Putzfrau ihren Wischmob fallen und sagte: „Isch bin Sarah Conner.“ Ob es ein Problem gebe, weil wenn ja, hole sie ihre vier Brüder.
Da ließ die polnische Putzfrau ihren Wischmob fallen und sagte: „Nein, ich bin Sarah Conner und mich gibt es auch in bunt.“
Da ließ der kroatische Praktikant die Marmeladengläser fallen und sagte: „Nein, ich bin Sarah Conner.“
Er war gar nicht Sarah Conner, wiederholte den Satz aber nur, um seine deutsche Aussprache zu verbessern. Der Terminator pulverisierte alle drei und kaufte sich noch eine Packung Airways mit Wienerschnitzelgeschmack. Bevor er zahlte, zückte er seine Payback-Karte.

Dann kam Polly in den Laden und machte mir ein unmoralisches Angebot. Ihr Frettchen sei vom Bus überfahren worden. Ob ich es nicht wiederbeleben könne. Mund zu Mund. Zunge optional und so. Na gut, dachte ich, aber nur, wenn ich nicht außer Atem gerate.

Doch leider war es schon zu spät für den kleinen Stuart und das Tier starb in meinen Armen. Seine letzten Worte waren: „Ja, sie können uns das Leben nehmen, aber niemals nehmen sie uns unsere Freiheeeeeit. Geronimooooo.“

And the box of chocolates goes to …

Traurig über diesen Schicksalschlag fing ich an zu laufen. Ohne Ziel, ohne Pause. Wenn ich Hunger hatte, aß ich. Wenn ich durstig war, trank ich. Und wenn ich mal musste, oh Mann, Leute, dann legte ich einen Haufen, der bis nach Greenbow, Alabama reichte. Und roch.

28 days later traf mich mein basic instinct mitten ins Herz. Es war an der Zeit, nach Hause zurück zu kehren. Zurück in die Zukunft. Zurück zu meiner Jenny. Wir hatten ein Baby an Bord.

Als meine Freundin mir die Tür öffnete, war sie ein wenig sauer. Ich hatte die Milch und die Nudeln vergessen. Doch bei der Menge an Post-Its konnte man schon mal durcheinander kommen.

Das Bad war wieder offen. Ich machte mich frisch. Aus dem Spiegel blickte mich nun John Travolta an. „Ok, du willst nicht unhöflich sein. Sie ist die Freundin von deinem Boss. Du bleibst auf einen Drink. Du unterhältst dich mit ihr, trinkst deinen Drink, verabschiedest dich und gehst“, sagte er.

Es kam natürlich anders. Ich ging ins Schlafzimmer und legte mich ins Bett. Ein schmieriger Mexikaner mit Halbglatze, der in der Sonne glitzerte, las mir das Abendmenü vor:

„In Ordnung, Pussy Freund. Wir haben weiße Pussies, schwarze Pussies, spanische Pussies, gelbe Pussies, heiße Pussies, kalte Pussies, nasse Pussies. Wir haben stinkende Pussies, haarige Pussies, blutige Pussies, bissige Pussies, wir haben Seidenpussies, Nylonpussies, sogar Pferdepussies, Hundepussies, Hühnerpu…“

Mitten im Wort stümte meine Freundin so grazil wie Catwoman ins Schlafzimmer und riss ihm die Speisekarte aus der Hand. Der Mexikaner verwandelte sich in die Fliege und flog über das Kuckucknest.

„Für dich gibt es nur noch eine Pussy“, sagte sie und blickte mich drohend an. Meine Freundin konnte sehr überzeugend sein, wenn sie wütend war. Na gut, sagte ich, aber jetzt blow. Und danach coffee and cigarettes, hehe. Vom Bettrand mimte ich mit ausgestreckten Armen Leo nach, „Ich bin der König der Welt.“

Ich sags euch, Freunde. Das Leben ist ein einziger Film und du bist der Hauptdarsteller. Schau nicht tatenlos zu, was auf der großen Leinwand passiert, sondern mach mit und hol dir den Oscar für die Rolle deines Lebens.

Klar konnte es je nach Genre, indem man sich befand, ziemlich turbulent zugehen und die Stimme aus dem Off fügte hinzu, „Und ziemlich Mainstream.“

„Aber Besser Mainstream als Wallstreet“, sagte ich und schlief ein, als mich wieder ein Biss weckte. Diesmal zur Mittagsstunde. Oh nein, Sam. Nicht noch einmal. So eine Casablanca aber auch. Der ganze Film begann von vorne, doch ich hatte Glück, denn die Geschichte wurde kein Sequel, sondern vom Winde verweht. Bis zur Endstation Sehnsucht. Und jetzt good night, and good luck.

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