Es ist nicht alles Charakter, was glänzt

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Sein Problem war Folgendes. Wenn ihm eine Frau gefiel, war sie vergeben. War sie zu haben, gefiel sie ihm nicht.

Gefiel sie ihm äußerlich, hatte sie einen schlechten Charakter. Hatte sie einen guten Charakter, war sie ihm nicht hübsch genug. Oder zu dick. Zu dünn, zu groß, zu alt. Zu irgendwas. Such dir was raus. Tat er auch.

Er hatte ziemlich hohe Ansprüche, was das betraf. War er deshalb ein schlechter Mensch? Ich glaube kaum.

Wenn er sich mit einer Frau gut verstand und er verstand sich oft gut mit ihnen, denn in seiner Freizeit las er gerne Gala und Bunte, verliebten sie sich sofort in ihn. Und dann wollten sie mehr.

Scheiße, sie will mit mir ins Bett, dachte er und das Dilemma begann erneut. Er wollte nicht und nicht, weil er nicht konnte. Er war jung und potent. Natürlich wollte er, aber mit jemanden schlafen, der in einen verliebt war, ohne das man es selbst war, was hätte seine Religionslehrerin dazu gesagt. Das machte man nicht. Also ließ er es sein.

Mit seiner Traumfrau wäre das was anderes gewesen. Da hätte er nicht gezögert. Weil er also zögert, ist sie es nicht, dachte er und verzichtet auf Sex wie Mahatma Gandhi aufs Essen. Der Magen knurrt weiter. Ein Teufelskreis.

Er ging in die Kirche und zündete eine Kerze an. Bitte, lieber Gott, wenn es dich gibt, lass mich meine Traumfrau treffen. Und wenn nicht, schick mir wenigstens eine Nymphomanin vom Himmel.

Die Nymphomanin kam in Form seiner Nachbarin, einer siebzehnjährigen Griechin. Sie sah aus wie dreizehn. Auf Kinder stand er nun wirklich nicht.

Sie stand vor seiner Tür, blickte unschuldig durchtrieben und fragte auf Englisch mit griechischem Akzent, „Johnny Boy, can i come in?“ Dabei war sie mit einem Fuß schon drinnen.

Und er. „No Lolita, you can´t come in.“ Sie blickte erstaunt. „But, Johnny Boy, why? Don´t you feel the tension between us? There is something and i know you feel it too, don´t you?“ Sie lächelte ihn verführerisch an, doch er blieb standhaft.

„Lolita, look. You are a nice girl and i like you. But that´s it. I don´t feel more.“ Lolita ließ nicht locker. „But Johnny Boy, why? Tell me, why? We don´t need to have a relationship, we just can have a sexual intercourse.“

Die hatte Nerven. Genau so sagte sie es. Da war eine offensichtlich sexsüchtige siebzehnjährige Nymphomanin, die nichts anderes im Sinn hatte, als ihn flachzulegen und ihm sein Hirn rauszuvögeln und dann sagte sie „sexual intercourse“. Also Geschlechtsverkehr. Also, was sollte das bedeuten? Was sollte er machen? Das Leben schreibt die schönsten Stilblüten, dachte er und schwieg.

Lolita kam näher. Gefährlich nah. Sie streichelte ihm sanft über den Arm und flüsterte: „Johnny Boy, listen. Everytime i´m with you, i wanna kiss you.“

Genug war genug. „See Lolita“, sagte er. Eigentlich war ihr richtiger Name Maria, aber der war viel zu heilig für so was wie sie.

Und eigentlich hieß er nicht Johnny Boy, aber der Name hörte sich dämlich genug an, dass die Leser keine weiteren Fragen stellen würden.

„Lolita“, wiederholte er, „please listen carefully,i won´t tell it twice. We don´t have a future. Because everytime i´m with you, I don´t want to kiss you.“

Peng. Das knallte. So wie die Tür vor ihrer Nase. Er atmete aus. Puuhh. Gerade noch mal keinen Sex gehabt.

Ach, scheiße. Ach, egal. Vielleicht lief ja was Cooles im Kino, dachte er. Und die eine, die werde ich schon noch treffen. Und mein Problem wird sich in Luft auflösen. Das tat es dann auch und unser Johnny Boy bekam einen Haufen anderer Probleme an die Backe. Aber das ist eine andere Geschichte.

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