Meine Wärmeflasche für kalte Füße bist du

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Du liegst im Bett. Die zweite Decke gefaltet neben dir. Das zweite Kissen unbenutzt. Die Kälte dringt durchs Zimmer und tänzelt wie ein Schwergewichtsboxer um deinen Körper. Sie sticht wie eine Biene. Sie will dich auf die Bretter schicken.

Die Wärmeflasche eingeklemmt zwischen Matratze und Rücken verpasst ihren einen Aufwärtshaken. Links, rechts. Links, rechts, zur Seite weichen, die nächste Runde überstehen. So schnell wird dein Herz nicht zu Eis.

Das Erwachsenwerden klopft an die Tür. Sag guten Tag zur Verantwortung, mach der Realität einen Tee und trockne endlich die Tränen, die du heute früh vergossen hast, als du zum wiederholten Male deine Träume zu Grabe trugst.

Du drehst den Schlüssel zweimal im Schloss und machst das Licht aus. Aus Angst vor der Dunkelheit schläfst du mit deiner Brille auf der Nase ein. Am nächsten Morgen wacht die Brille unter deiner linken Pobacke auf. K.O. durch Ersticken.

Der rechte Flügel hat sich verselbständigt, aber die Sache nicht ganz zu Ende gedacht. Ihm fehlt das visionäre Geschäftsmodell. Wie lange läufst du schon so kurzsichtig durchs Leben? Und bist du bereit fürs Vater sein?

Das Kind in dir will lieber spielen. Es liest das Buch zu Ende, das seit Tagen mit dir um die Häuser zieht und nicht müde wird beim Wirt noch einen Slivovic zu bestellen.

Zwei Dioptrien mehr oder weniger passen immer noch in ein Kunststoffgestell. Und seit dem Volkshochschulkurs kannst du auch im Schatten auf deiner Gitarre Akkorde greifen.

Der Tag schickt die Nacht zum Schlafen und zwingt das Thermostat auf 16 Grad. Bei hellem Licht erscheint alles diffuser. Und die Pickel sieht man auch.

Du schnürst deine New Balance und fängst an zu laufen. Du läufst nicht lang, du läufst nicht weit, aber du läufst und es ist am Meer. Zwei Gärtner in Grün pflanzen Blumen für Bettina. Und all die anderen Touris, die im Sommer mit ihrer ungebräunten Haut den Strand bebleichen. Werden.

Noch ist alles leer. Zwei Mädchen schlagen Purzelbäume und necken einen Hund, während sie auf ihren Schulbus warten. Was wohl die katholische Kirche dazu sagt?

Sonnenstrahlen spielen mit Wassermolekülen, die irgendwann irgendjemand auf den Namen Adria taufte. Am Horizont schaut eine kleine Insel den Möwen zu, die dunkle Ray Bans tragen, damit das Funkeln sie nicht blendet. Ein Postkartenmotiv, das du nur verschwommen wahrnimmst. Du läufst weiter.

Nur noch schnell den nächsten Hügel erklimmen und ein paar Klimmzüge machen. Daheim die Verantwortung in den Keller packen. Zu all dem anderen Gerümpel, bei dem du dich fragst, wozu es taugt. Mit Sekundenkleber deine Sehkraft fixen. Vielleicht bleiben ein paar Tropfen für deine Träume übrig. Keine Ahnung, wie lange es hält. Keine Ahnung, ob du bereit bist.

Der Gong zur nächsten Runde ertönt. Du bist bereit es zu versuchen. Und solltest du kalte Füße bekommen, wird sie deine Wärmeflasche sein. Sie beide.

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