Kartenabreißer im Pornokino, motherfucker!

Filmklappe

Gestern war ich in „Django Unchained“. Zusammen mit meiner schwangeren Freundin. Das Baby in ihrem Bauch soll sich noch vor der Geburt an unseren Filmgeschmack gewöhnen.

Mann, was für ein Film. Ein echter Tarantino. Einfach toll, dieser Kerl. Tolle Geschichte, tolle Dialoge, tolle Schauspieler. Einzig von den zigmillionen Blutspritzern an die Wand gespielt. Ein echter Kultfilm. Das sehe ich jetzt schon.

Ein echter Tarantino eben. Dabei hat der Kerl jahrelang nur als Kartenabreißer in einem Pornokino gearbeitet. Später dann jahrelang als Verleiher in einer Videothek. Und dann kriegt der solche Dialoge zu Stande. Genial. Wer erinnert sich nicht an sein erstes Meisterwerk, „Pulp Fiction“: „Und wie nennen sie Chicken Burger in Frankreich?“ „Keine Ahnung, ich war noch nie in Frankreich.“

Nein, halt, warte. Das ging doch anders das Gespräch. Egal. Scheiße, Mann, ich will auch so geile Zeilen schreiben wie Quentin in Django: „Ich zähle sechs Schuss, Nigger!“ „(Zieht einen zweiten Revolver hervor) Ich zähle zwei Knarren, Nigger!“

Aber halt. N*****r? Ich will es gar nicht noch mal ausschreiben. Also nein, wirklich. Wie ist der Film an den deutschen Sprachwächtern vorbeigekommen? Muss der Dialog nicht moralisch einwandfrei ab sofort so heißen: „Ich zähle sechs Schuss, Südseekönig!“ „(Zieht einen zweiten Revolver hervor) Ich zähle zwei Knarren, Südseekönig!“

Zugegeben, das hat nicht ganz den gleichen Zug wie die Originalversion. Aber moralisch politisch sprachlich muss das jetzt so heißen, oder nicht? „Was macht der Südseekönig auf dem Pferd, verdammt?“ „Der Südseekönig ist ein freier Mann. Im Gegensatz zu dir, Südseekönig.“

1860 haben die amerikanischen Plantagenbesitzer bestimmt auf solche feinen Sprachnuancen Wert gelegt. Um kurz darauf mit der Peitsche auszuholen, die…wartet, ich will es politisch korrekt sagen… die kaukasischen Drecksärsche, die dreckigen. War das jetzt poltisch korrekt? Keine Ahnung, aber wenn du nicht weißt, was kaukasisch ist, googel es nach, Weißbrot.

Mir schwant Böses. In 50 Jahren werden die Moralisten alle Filme von Tarantino in der deutschen Synchronfassung künstlerisch verstümmeln. Das soll meinen Texten nicht passieren. Ich arbeite gerade auch an meinem Gesamtwerk und möchte nicht zensiert oder sprachlich korrigiert werden. Weder jetzt noch in Zukunft. Deshalb möchte ich von vornherein Dialoge im Geiste meines Vorbilds schreiben, dabei aber moralisch einwandfrei bleiben. Natürlich mit Geschichten aus dem deutschen Kulturraum. In etwa so:

„Hey, Osmane, ich hab gehört Mamas Kebab Sandwich mit Grillfleisch soll ein verdammt gutes Sandwich mit Grillfleisch sein. Hast du was dagegen, wenn ich in dein knusprig südseekönigmäßig gebackenes Brot beiße und etwas von dem Grillfleisch probiere?“ Der osmanische Grillfleischsandwichverkäufer zieht einen Revolver hervor: „Du, slawischer Sohn eines fünfohrigen Esels, hast du gerade meine Mutter beleidigt?“

Yeah, das hat was. Aber vorher werde ich noch Kartenabreißer in einem Pornokino. Ich muss es nur noch meiner Freundin und dem Baby erklären. Die werden das bestimmt verstehen. Schließlich geht es hier um mein künstlerisches Gesamtwerk. In einer Videothek habe ich bereits gearbeitet.

P.S. Für Hinweise auf sprachlich moralisch politische Unkorrektheiten oder grammatikalische Fehler in diesem Text bin ich dir sehr dankbar.

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5 Gedanken zu “Kartenabreißer im Pornokino, motherfucker!

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