Wenn Du mich liebst, bleibt der Kopf dran

Seit einer Woche lebe ich nun mit meiner Freundin zusammen und heute früh ist etwas Schreckliches passiert. Ich weiß nicht, ob es an dem komischen Traum lag oder der Horrorserie „The Walking Dead“, die wir beide gestern schauten. Mimi, die Katze schaute unter unseren Füßen mit und leckte sich die Pfoten. Da war noch alles so wie immer.

Jetzt ist meine Freundin in einen Zombie verwandelt, so mir nichts, dir nichts, einfach über Nacht ist es passiert. Ihre zuvor noch schönen, vielsagenden Augen blicken nun blutunterlaufen und leer auf mich oder an mir vorbei ins Nirgendwo. Sie riecht leicht modrig und ist ganz blass um die Nase. Um die Ohren auch. Eigentlich ist sie überall rum ganz blass. So als ob kein Blut mehr durch ihre Adern fließen würde.

Sie spricht nicht mehr mit mir, faucht mich nur an mit irgendwelchen Grunzlauten. Ihre einzigen Tätigkeiten sind schlafen, durchs Haus rumsiechen und Nahrung aufnehmen. In den Garten lass ich sie nicht mehr. Die Nachbarn könnten erschrecken.

Zuerst dachte ich, verdammt, jetzt beißt sie mich auch gleich und ich wollte ihr schon die Spitze des Wischmobs durch die Stirn ins Hirn rammen. Das hört sich vielleicht eklig an, aber es scheint zu funktionieren. Genau so machen die das in der Serie auch.

Doch sie will mich gar nicht beißen. Ein Stückchen Liebe scheint in ihrem Bewusstsein noch zu schlummern, dass ihr zuflüstert, dass sie als vor kurzem noch lebende Frau mich ganz gern mochte. Mimi verschont sie auch, auch wenn ich glaube, dass die Arme es eh nicht mehr lange macht. Der Zombie frisst ihr das ganze Futter weg.

Langsam gewöhne ich mich an den Zustand und ich kann es nicht verhehlen, es hat auch seine guten Seiten, einen Zombie als Freundin zu haben. Es gibt keine Diskussionen ums Fernsehprogramm mehr, keine launigen Stimmungsschwankungen mehr. Nein. Ab sofort sehe ich immer in ihrem Blick, wie sie sich gerade fühlt. Also eigentlich immer gleich. Das ist echt faszinierend. Langsam habe ich das Gefühl, hinter die weibliche Psyche zu steigen. Zumindest die der weiblichen Zombies. Vielleicht schreibe ich ein Sachbuch darüber. Titel: Wie sie die Gesten Ihrer Zombiefreundin richtig deuten. Das wird ein Hit und ist eine echte Marktlücke, glaube ich.

Das Beste ist ja: Seitdem meine Freundin ein Zombie ist, also seit heute morgen, lasse ich sie die Wohnungstür öffnen. Keine Angst, nur wenn jemand unangemeldet klingelt. Die GEZ oder die Zeugen Jehovas werden uns garantiert nicht mehr belästigen. Und auch die Pakete für die Nachbarn werden in Zukunft woanders abgegeben.

Alles in Allem könnte ich mich also durchaus an die neuen Umstände gewöhnen. Nur das mit dem Haushalt stört mich ein wenig. Ich muss jetzt nämlich alles alleine machen. Wäsche waschen, bügeln, kochen, Katzenklo sauber machen, Katzenkotze wegwischen und und und.

Gerade habe ich nach dem Mittag das dreckige Geschirr nicht sofort in die Spülmaschine eingeräumt. Da ist sie sauer geworden. Meine Lieben, das war knapp. Es war das erste Mal, dass sie mich beißen wollte. Oder den Kopf abreißen, keine Ahnung. Zum Glück war die Mimi gleich zur Hand. Jetzt mach ich mir doch ein wenig Sorgen. Und eine neue Katze brauchen wir auch. Vielleicht besser zwei. Sicher ist sicher. Aber eines weiß ich, egal wie es ausgeht, wir bleiben zusammen.

Anmerkung meiner Freundin: Alle geschilderten Ereignisse entsprechen nicht der Wahrheit und sind frei erfunden. Nur eines stimmt, ich werde Mate den Kopf abreißen. Für diesen Blogeintrag. Aber erst, nachdem er das Geschirr in die Spülmaschine eingeräumt hat.

 

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