Meine Oma rappt besser als Bushido

Und so sitz ich daheim in meiner Küche, trinke einen Grünen Tee mit einem Hauch Zitrone, drei Tassen am Tag sollen das Krebsrisiko senken und überlege mir, wie ich schnell an Geld rankomme. Ich meine, das mit der Stütze vom Staat ist echt ne feine Sache, aber so auf Dauer wäre mir selbst Verdientes lieber. Alleine schon wegen der Ehre, Freunde.

Also überlege ich mir, wo meine Talente liegen, was ich gut kann und was noch dazu gutes Geld bringt. Gut und schnell, ohne große Mühe bitte. Ich überlege und überlege und trink dabei noch einen Schluck Tee. Ich merke, wie ich langsam, aber sicher zu 150 %iger Gesundheit gelange. Vom meinem geistigen Zustand ist hier nicht die Rede.

Redakteur bei einer Zeitung? Klingt verlockend, wenn man kein Privatleben mehr möchte. Der kleine Bruder der Werbung, PR? Gehüpft wie gesprungen und siehe letzte 100 Blog-Einträge. Geschichten erzählen und Bücher veröffentlichen? Ein Traum in weiter Ferne. Die oneliner laufen auch nicht so wie erhofft. Sogar Felix Magath hat mehr Fans als ich. Fuck, fuck, fuck. Was nun?

Gottseidank gibt es Fratzebuck und jede Menge inspirierender Statusmeldungen. Ein Musikvideo überschrieben mit den Worten „Das beste Ding der Welt“. Aha. Jemand will mir Konkurrenz machen? Dass will ich sehen. Ich klicke es an und schrei vor Glück. Die Lösung all meiner Geldnöte ist da. Ich werde mein Karrierefeld erweitern und zwar um den Beruf des knüppelharten, tätowierten, um den Hals Goldschneeketten tragenden Gangsterrappers. Thats right, motherfuckers. Ich bombardier euch mit Reimen, bis eure Mütter vor Glück weinen.

Um euch die Brillanz dieser Idee zu verdeutlichen, hier ein paar Text-Auszüge aus dem besagten Musikvideo: „Ich habe den Jungen geliebt, ich hab den Jungen gehasst. Damals schrieb er mir den Brief als ich rumhing im Knast. … Deshalb hab ich ihn nie richtig gedisst denn tief in meinem inneren hab ich ihn vermisst. Es war lange Funkstille zwischen uns, heute halten wir zusammen und die Hunde sind gebumst! “

Sensationell. Meine neuen Helden Eko Fresh und Bushido outen sich als Liebende und weisen mir den Weg. Ich will noch mehr lernen von den beiden Königen der Reimkunst und zieh mir den Refrain rein, unter den Kennern auch Hook genannt: „Sonny Black yo, ich habs aus dem Ghetto geschafft und ich frag mich jede Nacht was dieser Eko so macht. Ey yo Freezy, ich habs aus der Siedlung geschafft und ich frag mich jede Nacht was wohl Bushido so macht. Früher Dosen Ravioli, heute ist es Kavier.Diese Überväter liefern euch den Klassiker.“

Wahnsinn. Die zwei Götter des Rap denken vorm Einschlafen jede Nacht an sich und hör mir auf, ich will nicht wissen, was unter der Bettdecke geschieht. Respekt, ihr zwei. Da bekommt Homie eine ganz neue Bedeutung für die Szene, doch ich schweife ab.

Geflasht von meiner genialen Geschäftsidee, suche ich nach mehr Texten von den zweien, bevor ich selbst loslege und mich aufmache den Olymp des Hip Hop zu erklimmen: „Geld bestimmt dein Ich, Geld bestimmt dein Sitz, Wo du grade bist, und wen du grade fickst“ Klar doch, Meister Bushido. Je mehr Kohle in der Börse, desto edler die Edelhure.

Und noch einer von Eko: „Hüte dich vor den Iden des März, in mir ist ein riesiger Schmerz, deshalb rappt dieser freezy pervers, und es gibt jetzt 1000 Mcs, aber ich mach nur was auf Cripwalk taugliche Beats (hah) früher ging es noch um den besten Rap gut, es macht ratitat boom, um die Eko Fresh rult“

Wow. wow, wow, yo. Verstehe zwar kein Wort, aber so reimen kann ich auch. Ich starte meinen ersten Versuch: „Enne Menne Miste, es herrscht Flaute in der Kiste, enne Menne muh, mir ist langweilig und du?“

Hm. Nicht schlecht, aber das geht besser, denke ich und nehme noch einen Schluck Tee. Wichtig ist, den richtigen Flow erwischen, das Gefühl für den Beat gewinnen und vor allem aus dem eigenen Leben berichten. Der zweite Versuch: Ich sitz hier in der Küche und stell mir 1000 Fragen, Diese Leere in meinem Bauch, wer kann das schon ertragen. Kühlschrank voll, Kühlschrank leer, das Denken fällt mir grade schwer, umso mehr, weil ich seh, dass der Ausweg so verquer. Ich blick nach oben und frag bescheiden. Alter Mann, lieber Gott, warum lässt du mich so leiden. Eine Stimme spricht zu mir: Hilf dir selbst, dann helf ich dir, wo gehobelt wird, fallen Späne. Aber satt, mein Junge, mach ich dich gleich gerne. Für vier Euro, ist nicht viel, geh zu deinem Dönermann, bestell dir Dürum mit Allem, extra scharf und extra Chili dran.

Geh nach Hause und mach Pause

Geil. Ich geh rüber zum Kebab Haus und einen Dürum Döner später sitz ich wieder in der Küche und merke, dass es das noch nicht ist. Um ein richtiger Gangsterrapper zu sein braucht es mehr als nur Hunger im Bauch. Es braucht Wut, es braucht Hass, es braucht ein Feindbild. Jemanden, den man dissen kann.

Mein erster Gedanke, so schrecklich er doch ist, denn damit beiße ich die Hand, die mich füttert und die mir zu nie versiegendem Reichtum verhilft, ist goldrichtig. Platinplatte garantiert. Es gibt nur einen, den zu Dissen es wert ist. Oh Mann, Bushido, es tut mir leid für das, was jetzt kommt, aber du kennst doch auch den Eminemfilm 8 Mile. Erinnerst du dich an die legendären Worte, Bushido, erinnerst du dich an den Anfang seines alles entscheidenden Battles am Mike: „Look, if you had one shot, one opportunity to seize everything you ever wanted in one moment. Would you capture it or just let it slip?

Ich fange den Moment und fordere dich zum Duell, Bushido. Verzeih, aber der Bambi für den best integrierten Ausländer in Deutschland ist nicht nur auf dich abonniert. Ich hole tief Luft, atme tief aus, schnappe den Beat, greife den Flow und los:

„Bushido, geh nach Hause und mach ne lange Pause. Junge, geh in Puff, ich ertrag dich nur im Suff. Deine Verse, deine Reime, was denkst du dir dabei, meine Oma, 90 Jahre, sie stellt Bessere auf die Beine. Wie wärs, du alte Scheiße, verweile doch ne Weile in deiner Villa auf Manilla kraul das Fell von einem Chinchilla, aber bitte, dass nehm ich echt persönlich, jede deiner Strophen ist weniger als gewöhnlich, schlimmer als die Folgen der schlimmsten Ökokatastrophen, ich frag mich, sind es wirklich nur die Drogen? Mein Verstand fühlt sich bedroht, glaubst du echt, wir sind so doof?

Du willst ein harter Krieger sein, du kriegst doch nicht mal ein Brot mit nem scharf gewetzten Messer klein. Das ist fein, bitte lass es sein und fürchte die Vendetta, denn wenn du so einen Dreck weiter machst, schick ich dich auf die Bretter und dann, du Homie, Schluss mit Kaviar, dann gibt’s wieder halb verfaulte Dosen Ravioli aus Sansibar. Und jetzt ab, du Spack, geh von der Skyline zum Bordstein zurück in den Keller, sperr dich ein und würf den Schlüssel tief in den Rhein. Ich sag es noch einmal und nie wieder, als Gast bei Hans Meiser warst du mir lieber Bitte Bushido, hör auf meine Worte, Geh nach Hause, mach Pause, denn deine Kacke, au Backe, Mann, die geht allen mit halbwegs Hirn in der Birne so was auf den Sack!“

Nachtrag: Sehr geehrter Herr Anis Mohamed Youssef Ferchichi aka Sonny Black oder Bushido, wie Sie unter Fans bekannt sind, wenn ihnen mein Rap gefallen hat, ich suche noch einen Produzenten und freue mich auf Ihren Anruf.

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