Wenn du glaubst, bist du George Clooney

Heute bin ich furchtbar aufgeregt. Ich habe das Gefühl, dass in meinem Bauch Ameisen einen Maulwurfhaufen umwühlen. Solange sie nicht darauf pinkeln, sei alles gut, meint meine beste Freundin.

Lampenfieber sei total albern, sagt sie weiter. Besonders in meinem Fall. Meine Texte seien gut und ich solle ihnen vertrauen. Ich habe eine solide Stimme und könne ordentlich vortragen. Das Wichtigste: Das Publikum ist mein Freund und meint es gut mir mir. Sie muss es als Dramaturgin wissen.

Ja, meine ich, aber manchmal ramme dir auch dein bester Freund ein Messer in den Rücken und lasse dich auf der Bühne elendig verbluten, während er schön Schnittchen und Prosecco in der Pause schnabuliert.

Daraufhin meint meine beste Freundin: „Stell dir einfach vor, du bist jemand anders. Jemand, der einen solchen Auftritt mit links macht.“ Bei ihr funktioniere diese Methode super. Ich überlege, wer ich auf der Bühne sein könnte, damit es bei mir auch funktioniert.

Ich brauche nicht lange, um auf George Clooney zu kommen. Er sieht gut aus, ist intelligent und bei den Oscar-Verleihungen macht er immer einen so souveränen Eindruck, dass man meint, er ist schon mit Smoking und grauen Haaren auf die Welt gekommen. Nicht wie ich bei meinem letzten Auftritt vor 4 Jahren als ich auf der Bühne wie ein Aufziehmännchen rumgehampelt bin.

George Clooney ist eine gute Idee und sofort stelle ich mir vor George Clooney zu sein. Ich gehe in die Küche und mache mir Kaffee. Nespresso natürlich, was sonst.

Gekonnt werfe ich die Ristretto-Kapsel in die dazu passende Öffnung, merke aber schnell, dass es eine Decaffeinato-Kapsel ist. Verdammt. Wurden bei der Zoll-Kontrolle wieder die Sorten zwischen mir und der heißen Flugbegleiterin aus dem über mir liegenden Penthouse vertauscht? Egal. Darum kümmern wir uns später.

Ich alias George Clooney putzt sich in seiner Giesinger Altbauwohnung die Zähne und reinigt mit einer Minzspülung seinen Mundraum. Im Spiegel vergewissert er sich dreimal, dass er auch „fucking“ George Clooney ist. Er kann es kaum fassen.

Er geht zum nächsten Kiosk, tritt ein und sagt: „Hy, ich bin George Clooney. Eine Süddeutsche und das People Magazine bitte.“ Die Zeitung unterm Arm geht er zum Metzger: „Hy, ich bin George Clooney. 100 Gramm Käseaufschnitt bitte. Lactosefrei, wenn es geht.“ Natürlich ernährt sich George Clooney vegan.

Beim Bäcker steht eine lange Schlange. Weil George Clooney George Clooney ist, drängelt er sich in die erste Reihe vor. „Hy, ich bin…“ will er ansetzen, aber eine unwichtige Person aus dem gemeinen Volk fasst ihn von hinten an der Schulter. „Vordrängeln ist nicht, Freundchen!“ „Aber Mann, ich bin George Clooney!“, sagt George Clooney. Ja, sicher, sagt der andere Mann. „Ich bin Brad Pitt und vor dir dran.“

Für einen kurzen Moment stutzt George Clooney und lässt dann Brad Pitt den Vortritt. Die beiden unterhalten sich kurz über Angelina, die Kinder und ihre neuesten Filmprojekte. George lädt Brad für ein Wochenende in seine Villa an den Comer See ein. Zum Abschied drücken sie sich.

Die geheime Zutat bist du

Daheim in seinem Giesinger Altbau probt George Clooney seinen Auftritt. Die Geschichten „Hirn, hör auf, mich zu ficken“ und „Neben dir möchte ich für immer liegen“. Es funzt. Dann macht George Clooney Yoga für den Rücken, schreibt seine 5onelineraday und schaut sich zur Entspannung „Kung Fu Panda“ auf DVD an. Die Botschaft des Films gefällt ihm. Damit deine Träume wahr werden, gibt es keine geheime Zutat. Die geheime Zutat bist du und der Glaube an dich.

Mit einem gewonnenen Oscar und fünf erfolgreichen Staffeln als beliebtester Kinderarzt der Welt auf der Habenseite lässt es sich leicht an sich glauben. Zufrieden lächelt George Clooney in sich hinein als ein flüchtiges Bild seine Gedanken streift. In einer noblen Edelvilla aus Beverly Hills erwacht jemand aus einem seltsamen Traum. Dieser jemand hat das Gefühl, ein kleiner kroatischer Geschichtenerzähler zu sein, der furchtbar aufgeregt ist, weil er heute Abend auftritt. Er hat das Gefühl, dass Ameisen in seinem Bauch einen Maulwurfhaufen umwühlen.

„Solange sie nicht darauf pinkeln!“, meint die heiße Flugbegleiterin neben ihm und kuschelt sich näher an ihn heran. Das entspannt und zaubert Mate Tabula ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht. Heute Abend ist Showtime, Baby und alles wird gut gehen.

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