Lass dich nicht einfach so fortreißen

Spürst du manchmal auch den Strom des Lebens? Wie er dich fortreißt ohne um Erlaubnis zu fragen? Wie die Welt und all die schönen Dinge an dir vorbeirauschen, ohne dass du wahrnimmst, dass sie es tun?

Meine Mutter meinte gestern, dass die Welt zu schnell geworden ist, für uns Menschen. Und wir kommen einfach nicht mehr mit, mit ihr. Ein Freund meinte neulich, so ist das eben. Entweder du stellst dich der neuen Komplexität da draußen oder du entziehst dich ihr. Und verdummst in deiner selbst gewählten Einfachheit.

Ich frage mich gerade, ob die Welt nicht doch das ist, wozu wir sie machen und warum wir sie zu dem gemacht haben, was sie gerade ist. Und überhaupt, was kann ich als Einzelner dagegen tun? Oder besser dafür.

Zunächst einmal habe ich mich für den Stillstand entschieden. Ja genau. Ich bin gegen die Strömung angeschwommen und habe irgendwie eine Uferseite erreicht. Ich bin ausgestiegen, habe mich auf das Gras am Ufer gelegt und mich erstmal von der Sonne wärmen lassen. Es hat mir gut getan.
4 Wochen ist das Ganze her. Ich saß am Ufer des Lebens und beobachtete, wie die schönen und auch die weniger schönen Dinge dieser Welt an mir vorbeirauschten. Ich sah gehetzte Manager, überforderte Mütter, ungeduldige Rentner und vor allem jede Menge Smartphonezombies, die anstatt die einfache Schönheit zu genießen in der komplexen Dummheit verstumpften. Wie ein scharfes Messer, das man ständig an einer groben Klippe wetzt, bis es nicht mehr richtig schneidet.

Ich sah auch fröhliche Gesichter und es waren eine Menge. Kinder, Touristen, Betrunkene und Fremde. Und vor allem solche, die sich liebten. In ihren Gesichtern glaubte ich zu lesen, dass Sie zumindest für den Augenblick das Gefühl hatten, selbst zu bestimmen, wie schnell und wohin sie trieben. Ihr Floß auf dem Strom des Lebens steuerten, ohne dass es richtig zu steuern war. Ab und an mal innehielten, ans Ufer stiegen, dort verweilten und sich von der Sonne wärmen ließen.

Doch nur die Sonne, die Luft und der Wille zu leben, reicht nicht aus, um zu bestehen. Jemand sagte neben mir, die Meisten wollen sich heute zu dem, was sie wirklich wollen, nicht bekennen. Weil sie Angst haben, sich bloß zu stellen. Weil sie Angst haben, die Hosen runterzulassen und sich an ihren Worten und Taten zu messen.

Ich habe auch Angst, sagte ich. Wir haben alle Angst, sagte er. Nur du bist einer der Wenigen, die sich offen zu ihr bekennen. Und das ist doch schon mal ein guter Anfang.
Ja, aber ein guter Anfang allein reicht nicht aus, um eine ganze Geschichte zu füllen. Wie geht es weiter? Ich kann doch nicht nur am Ufer sitzen, während das Leben an mir vorbeirauscht. Ich will mich wieder in die Strömung stürzen und mitschwimmen. Mitlachen, mitweinen und mitsingen. „Außerdem ist da ein Mädchen, das mich liebt, ich weiß nicht, ob es auf der Welt was besseres gibt.“*

Weil die Welt, in der wir leben, immer komplexer wird, vergessen wir manchmal die einfachen Lektionen, die wir bereits gelernt haben. Erinnere dich an sie, meinte er. Erinnere dich daran, was du wirklich willst und äußere deinen Willen dazu. Sag es allen, die es hören wollen. Sag es allen, die es interessiert und die dir auf deinem Weg begegnen. Sag Ihnen, was du eigentlich und im Grunde wirklich willst. In Ordnung, sagte ich, und machte mich bereit, wieder zurück zu springen.

Ich möchte Geschichten erzählen und ich möchte die Menschen mit meinen Geschichten unterhalten. Ich möchte Sie zum Lachen und zum Weinen bringen. Ich möchte Ihnen eine gute Zeit am Ufer des Lebens bescheren. Wenn sie einmal innehalten und den Irrwitz des Alltags an sich vorbeiziehen lassen, möchte ich für sie da sein und Ihnen ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht zaubern. Ich möchte mit meinen Geschichten die Welt verändern. Nicht die Welt im Allgemeinen, sondern die Welt des Einzelnen, der sie liest, hört oder sieht.

Vielleicht schaffe ich es so, den ein oder anderen wachsamer und achtsamer zu machen. Vielleicht schaffe ich es so, die Welt ein bißchen wärmer, geduldiger und entspannter zu machen. Vielleicht helft ihr mir dabei. Und dann schaffen wir es gemeinsam sogar, den ein oder anderen Smartphonezombie von seiner Seuche zu befreien. Vielleicht mit einer Gruppenumarmung. Vielleicht mit einem Bier. Oder vielleicht mit einer Geschichte aus dem Strom des Lebens.

* Philipp Poisel „Froh Dabei zu Sein“ http://www.youtube.com/watch?v=bG4CI-xKZ-Y

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