Wenn du Staub wischst, mach es gründlich

>Dieser Druck, der auf ihnen lastet. In einer so schweren Lage so viel Nervenstärke zu zeigen. Die können einem echt leid tun.< >Wer?< >Die Elfmeterschützen. Ich meine, die halbe Welt blickt bei so einem Ereignis auf sie. Wenn sie treffen, ist das selbstverständlich. Und wenn nicht, eine Schande.< >Ach. Bei der Kohle, die die kriegen könnte ich mit der Schande ganz gut leben.< >Glaubst du wirklich?< >Keine Ahnung. Ist nicht meine Branche. Außerdem können die froh sein, dass sie keine Kolumbianer sind. Die können einem nämlich echt leid tun.<

>Warum das denn?< >Ganz einfach. Ich erzähl dir mal was. Bei der letzten Weltmeisterschaft vor ein paar Jahren spielte Kolumbien um den Einzug in die Finalrunde, also den Eintritt zu den letzten 16, 8 oder was weiß ich Teams im Turnier. Und da passiert einem kolumbianischen Spieler, keine Ahnung, wie er heißt, echt schlimme Scheiße. Wenn er gewusst hätte mit welchen Folgen, er hätte es sich zweimal überlegt, aufzulaufen. Jedenfalls schießt dieser verdammte Pechvogel den Ball ins eigene Tor und seine Mannschaft fliegt aus dem Turnier. Und er sozusagen auch. Aus dem Leben, wenn man so will. Man sagt ja immer floskelhaft, ein Tor verändert alles, aber noch nie traf das so zu wie in diesem Fall. Als der unglückselige Mistkerl von einem Spieler, nennen wir ihn Juan Marques, nach Hause fliegt, wartet man dort schon auf ihn. Er wird noch am Flughafen in der Ankunfthalle abgepasst und von zwei zwielichtigen Schergen kaltblütig erschossen.<

>Ach, du grüne Sieben. Das ist ja tragisch.< >Du sagst es.< >Wer hat das getan?< >Keine Ahnung. Ich war nicht dabei. Vielleicht die kolumbianische Mafia?< >Aber warum das denn?< >Das kann ich dir auch nicht sagen. Leider hält die Mafia keine Pressekonferenzen ab. So in der Art wie: „Herr Escobar, warum haben Sie diesen Spieler erschossen? Ein Eigentor kann doch jedem Mal passieren.“ Escobar antwortet: „Da haben Sie sicher recht. Aber es gab taktische Gründe für diesen Spielzug. Und sie kennen den berühmten Spruch: Die Mafia ist kein Idiot. Wir gewinnen zusammen und nun ja, die Mannschaft oder in dem Fall Juan Marques verliert alleine. So ist das nunmal in diesem Geschäft. Einem so erfahrenen Spieler darf in so einem entscheidenden Spiel ein so tragischer Fehler nicht passieren. Und wenn er dann passiert, ist das natürlich fatal. Denn nach so einem Vorfall kommt man nur sehr schwer wieder auf die Beine.“ „Wie auch, Herr Escobar? Sie haben dafür gesorgt, dass dieser Mann erschossen wird.“ „Sehr richtig. Genau das meinte ich damit. Gibt es noch weitere Fragen?“<

>Hehe. Witziger Gedanke. Die Mafia gibt Pressekonferenzen. Sag mal, ist dieser Ronaldo nicht auch halb Kolumbianer?< >Keine Ahnung. Vielleicht sein Haargel. Aber für nicht geschossene Elfmeter sollte es auch Strafen geben. Friseurverbot oder so.< >Sei nicht so streng. Ist doch nur ein Spiel. Und der Druck durch die Medien ist schon groß genug.< >Du sagst es, Mann. Du sagst es.< Wir zogen an unseren selbst gedrehten Kippen und warteten in der Ankunfthalle auf unsere polnische Putzfrau. Vom Torwart aus betrachtet hatte sie in der linken oberen Ecke einfach ein paar Staubfäden zu viel übersehen.

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