Du bist schon zu weit, um noch zu scheitern

Seit Kurzem ist da eine Brücke an meiner Wand. Im Nebel. Hängend aus Holz. Das Holz mit Schnüren verbunden. Bambus. Beide Enden an einem Baum befestigt. Keine Ahnung, welche Art. Ich bin kein Botaniker.

Das Bild ist ein Geschenk von ihr. Man kann es im schwedischen Möbelhaus kaufen. Wahrscheinlich hängt es bei irgendwelchen Sörens und Ingas auch im Zimmer und sie schreiben darüber. Wahrscheinlicher aber nicht. Für mich ist es besonders. Nicht nur, weil es von ihr ist.

Jedes Mal, wenn sie nicht neben mir einschläft und aufwacht, ist diese Brücke im Nebel das Erste und Letzte, was ich sehe, bevor ich anfange zu träumen. Oder aus eben diesen erwache. Dabei ist es schon seltsam, was man träumt, wenn die Nacht lang ist.

Denn in den Tiefen des Unterbewusstseins verlierst du jegliche Kontrolle über deine Gedanken. Du träumst, du könntest fliegen. Aber nicht da hin, wo du hin willst. Du träumst, du könntest schwimmen. Spürst aber, wie das Wasser deine Lungen füllt. Jemand verfolgt dich und deine Füße kleben am Boden. Deine größte Sehnsucht ist zum Greifen nah. Doch für den letzten Griff fehlt dir die Kraft.

Du wachst auf und fühlst die Schwere auf deiner Brust. Als ob ein garstiger Zwerg einen Sack voll Ziegel drauf gelegt hat. Während du schliefst. Schweiß an der Stirn. Dein Hemd wie frisch aus der Dusche. Immer noch bist du müde. So unendlich müde, dass du am Liebsten bis in alle Ewigkeit weiter schlafen möchtest.

Dann erblickst du die Brücke im Nebel. Sie ist jetzt real. Der Wind lässt sie wippen. Links und rechts. Hoch und runter. Alles wirkt so unsicher und instabil. Du wagst einen Schritt. Das Holz knarzt. Der Boden gibt nach. Du hältst dich am Bambus fest. Es ist kalt an deiner Hand. Doch ihr Blick ist warm am anderen Ende. Mit ausgebreiteten Armen wartet sie dort. Die Zeilen eines Lieds sanft flüsternd, welche die Sörens und Ingas dieser Welt wahrscheinlich auch schon einmal gehört haben. Wahrscheinlicher aber nicht. Es ist ein kroatisches.

„Fühl es jetzt. Fühl es mit mir. Wir haben es schon weit geschafft. Zu weit, als das wir scheitern könnten. Also hab keine Angst und schäm dich nicht. Gehe weiter. In Würde bis zum Ende weiter. Dort, wo alles vergeht. Denn wir alle werden geboren, um zu leben. Wir alle werden geboren, um zu vergehen. Das Leben ist ein Gefühl. Ein Schein und ein Glanz. Bei Tag und bei Nacht. Geh los und halt an. Erscheine, verschwinde.“ Und vergiss dabei nie: Wenn der Nebel sich lichtet, in der Sonne steht Sie.

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Ein Gedanke zu “Du bist schon zu weit, um noch zu scheitern

  1. Hallo,
    mich würde es sehr interessieren wo man diese Brücke live anschauen kann.
    Weiß jemand vielleicht wo die Brücke genau steht?

    Danke schonmal im Voraus
    Grüße
    Orcun

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