Crepes it to me, Baby!

Alles fing damit an, dass das Geburtstagskind Geburtstag und P Karten für den Klitschko-Kampf besorgt hatte. S, D und I waren auch dabei. Männerabend stand auf dem Programm. Leicht besorgt und voller Vertrauen blieben die Mädels daheim und kämmten ihre Barbies. Heute Abend hatten sie da draußen nichts verloren. Es war zu gefährlich für sie. Niemand war da, um ihre Ehre zu schützen. Es fiel uns schon schwer genug mit unserer eigenen.

Das Geburtstagskind stieg aus dem Ring und drehte den Swag auf, schaute kurz in den Spiegel und sang „What up? Yeaaaaah. Get the moneeeey“. D überlegte, ob er die Kleine morgen klar machen sollte oder nicht. P setzte sich in den Kopf, unbedingt billig gemixte Cocktails aus Plastikbechern und Minipimmeln* zu zuzeln, während S immerzu nur „CLUB!“ schrie. Er kam gerade aus Nürnberg. Der Club hatte gegen Köln gewonnen.

I freute es, dass er so ein krasser Verkäufer war, weil er vor der Halle eine Karte über 60 für 100 Euro verkauft hatte. Der Typ, dem er sie verkaufte, fand das charakterlos. Er sollte den Sitzplatz neben I bekommen, verkaufte aber die Karte selbst an einen Mann aus Reichenhall. Für 200. Das hatte natürlich Charakter. Ich begriff. Auf der Welt gab es immer noch einen Typ, der krasser war als man selbst.

Zum Hauptkampf war es noch eine Weile hin. Wir begaben uns zu den Plätzen. Unten im Ring kämpften zwei unbedeutende Amateure. Das Publikum begeisterte sich mehr für die heißen Nummerngirls. Und für S, der weiterhin immerzu und extrem laut „CLUB!“ schrie und um Aufmerksamkeit boxte. Er bekam sie.

Das blonde Mädchen direkt links unter ihm drehte ihren blonden Kopf nach oben und verpasste ihm einen verbalen Upper-Cut: „Verpiss dich, du scheiß Wichser**!“. Dafür bekam sie von S ein erneutes „CLUB!“ ins Gesicht, gefolgt von einem „Schnauze, du Sau!“ Mit seinen glasigen Augen lachte er das Geburtstagskind an. „Was du hast Geburtstag?“, lallte er. „1 zu 0 für dich, du Arschloch, happy birthday, ole, ole!“ und dann natürlich erneut ein…. Ihr wisst schon.

Das Geburtstagskind kriegte sich nicht mehr ein. Vor Lachen. Er war ein Swagger von Gottes Gnaden. I zog den Mann aus Reichenhall auf, weil er so viel Geld für die Karte gezahlt hatte. D träumte vom Tierpark als Date-Örtlichkeit und dem Pavian-Gehege als Love-Suite, während P von Cocktail auf Bier umstieg und mit seiner Baskenmütze wie Lederjacke wie ein Darsteller aus einem Bud Spencer-Film wirkte. Ein echter Boxer eben.

 CLUB VS REICHENHALL

Das Ende ist schnell erzählt. Bevor der Hauptkampf losging, hing S schon in den Seilen. Runde für Runde ging er noch eine Runde pennen und gewann dabei gegen den Mann aus Bad Reichenhall. Knapp nach Schnarchern. Nachdem er erwachte, schrie er noch einmal laut „CLUB!“ in die Ohren zweier Fremder, die erschraken und ihn verfluchten. Er lachte und fühlte sich als Sieger der Herzen. Das war er.

Der Rest philosophierte mit der Crepes-Verkäuferin, ob es nicht vernünftiger sei, für 200 Euro in ein Hotel zu gehen und dort richtig auszuschlafen. Oder sich eine Edel-Dame zu bestellen, die einem dann französische Pfannkuchen serviert, während man ihr liebevoll „Crepes it to me, Baby, aha, aha!“ vorsingt. Dann wurde einem klar, dass „Crepes“ und „crap“*** nahezu identisch klangen. Man spannte den Bogen zum Kampf zwischen Vitali Klitschko und Derek Chisora, machte die Lichter aus und die Erinnerung an. Gute Nacht aus der Münchner Olympiahalle und vergesst nicht: Boxen im Fernsehen ist tausendmal unterhaltsamer und kostet nicht so viel. Vor allem, wenn man einschläft. Schöne Grüße nach Reichenhall.

* Minipimmel ist ein anderer Begriff für Strohhalm (Anm. des Verfassers)

** Wichser (umgangssprachlich auch Wixer geschrieben) ist die durchwegs abwertende Bezeichnung für einen männlichen Masturbanten, im Sinn von Versager. Das Wort wird als beleidigendes Schimpfwort verwendet. Auch die Variation Flachwichser kommt vor. (Quelle: Wikipedia)

*** Crap ist der englische, vulgäre Ausdruck für Mist, Kack, Dreck, Scheiß, Scheiße oder Kikikram (Quelle: dict.cc)

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