Allen zum Trotz, ich liebe meinen Bommel

Die Geschmäcker sind grundlegend verschieden, Kleider machen coole Leute und wir leben in einer oberflächlichen Gesellschaft. Ob du willst oder nicht, es ist halt so. Auch wenn der Winter auf sich warten lässt, habe ich mir eine neue Mütze gekauft. Aus Wolle, mit Schirm und einem Bommel. Hab gehört, das ist wieder trendy. Aber deshalb habe ich mir die Mütze nicht geholt, sondern weil sie mir gefällt. Und meiner besten Freundin auch.

Sie lachte herzlich, als ich die Mütze das erste Mal aufsetzte und meinen Bommel das erste Mal baumeln ließ. „Mate, die Mütze ist geil und steht dir richtig gut. Du brauchst aber nicht denken, dass dich irgendjemand damit ernst nehmen wird!“, sagte sie beim Kauf. Jackpot, dachte ich. Die Leute können mich gern haben, ernst nehmen können sie andere. Ernst sein ist doch sowieso total überbewertet, Bommel das neue Schick. Ich hatte einen neuen Kopfschmuck, der selbst von philippinischen Pfauen beneidet worden wäre.

Von meinem Illustrator Andi aber nicht. „Es ist nicht der Bommel, der mir mißfällt. Es ist die Farbe und Form, die kacke sind!“, meinte er und lachte schadenfroh. „Ach komm!“, konterte ich, „Nur weil du immer Hemden trägst, brauchst du nicht denken, dass du die neue Anna Wintour bist!“ „Doch!“ sagte er typisch oberpfälzisch in aller Ausführlichkeit, worauf ich typisch kroatisch „Touché!“ antwortete.

Ja, ja. Des Mates neuer Bommel. An der Kaffeebar in der Arbeit kam eine Kollegin vorbei. Wir hielten kurz Smalltalk. Danach wusste ich, wie sich Frauen fühlen, wenn man Ihnen ständig auf ihre Brüste starrt. Wahre Geschichte. Die Kollegin blickte immer wieder auf meinen Bommel und lachte verschmitzt. Über guten Geschmack lässt sich nun mal nicht streiten. Mit meiner Schwägerin schon.

Neulich beim Abendessen mit meinem Bruder und ihr. Ich mit meinem neuen Lieblingsaccessoire. Beide kriegten sich vor Lachen nicht mehr ein. „Bruder, setz die Mütze ab“. „Schwager, das geht gar nicht.“ „Was geht gar nicht?“, fragte ich. „Alles. Von der Form zur Farbe zum Bommel. Von der Seite siehst du wie ein Idiot aus. Sieht halt einfach Scheiße aus.“ Du blöde Arschlochkuh, dachte ich. Frechheit. Vor allem eine Beleidigung für alle Idioten da draußen. Was sollte man darauf noch antworten? „Du siehst Scheiße aus. Und meine Mütze kann man wenigstens abnehmen!“, sagte ich.

Ich liebe meine neue Mütze. Allen Kritikern zum Trotz (es gab auch positive Stimmen), werde ich sie diesen Winter tragen. Auch ohne Schnee. Denn das Schönste ist, egal, ob mit mir oder über mich – mein Bommel macht die Menschen glücklich. Er bringt sie zum Lachen. Und schon seit Kindheit sag ich sowieso, wenn ich im Spiegel meine Klamotten betrachte: Junge, das sieht zwar scheiße aus, aber du bist immer noch ein verdammt geiler Typ.“ Versucht es auch mal. Funktioniert.

P.S. Wenn ihr „philippinische Pfauen“ googelt, kommt was ganz anderes raus. Aber das ist eine andere Geschichte.

P.P.S. Für alle, die es nicht wissen: Anna Wintour ist seit dem Jahr 1988 Chefredakteurin der US-amerikanischen Ausgabe der Vogue und somit die wohl einflussreichste Frau in der Modebranche. (Quelle: Wikipedia)

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